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Gefahren für die Psyche erkennen und benennen

Psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung

Immer mehr Arbeitsschutz-Akteure fordern, psychische Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen - und sie wollen dafür Vorgaben und Regeln. Verständlich, denn die Kosten, die durch Ausfallzeiten und Behandlung von Krankheiten psychisch belasteter Mitarbeiter entstehen, steigen immer weiter. Langsam, aber sicher scheinen sich also die Bewertung von psychischen Gefahren und der dadurch entstehenden Krankheitsrisiken in die Arbeitsschutz- und Gefährdungsbeurteilungswelt einzuschleichen.


Alarmierende Zahlen

Die Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen von Arbeitnehmern klettern scheinbar unaufhörlich. Doch nicht nur die Anzahl der psychischen Krankheiten nimmt enorm zu. Sie verursachen noch dazu die längsten Ausfallzeiten - fast gleichauf mit Tumorerkrankungen: Im Schnitt liegen sie laut BKK-Gesundheitsreport bei 40 Tagen Ausfallzeit statt, wie in durchschnittlichen Krankheitsfällen, bei 13 Tagen. Geht man nun davon aus, dass viele psychosomatische Erkrankungen gar nicht als psychische Probleme gewertet werden, dürfte die Dunkelziffer des Schadens noch viel höher sein. Wenn der Stress auf den Magen schlägt oder den Rücken belastet, wird das meist nicht als psychische Krankheit gewertet. 


Gesetze und Verordnungen

Natürlich ist ein so subjektives - und damit meist wenig messbares Thema wie psychische Belastungen schwer zu beschreiben, und dennoch soll es auf Wunsch von Arbeitsschützern in die Gefährdungsbeurteilung in Betrieben mit aufgenommen werden. Psychisch belastende Arbeitsfaktoren bedrücken den einen Mitarbeiter mehr, den anderen weniger, aber ein paar allgemeingültige Faktoren gibt es dennoch: Schlechte Arbeitsorganisation, mangelnde Qualifikation, zwischenmenschliche Probleme wie etwa Mobbing und schlecht geplante Arbeitsabläufe sind erhebliche Stressfaktoren. Ständige Erreichbarkeit, wie sie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen bereits im Sommer 2012 kritisierte, und ein ständig steigendes Arbeitspensum tun ihr Übriges.

Das Arbeitsschutzgesetz bedingt dadurch, dass es die Beurteilung von Arbeitsabläufen, Arbeitszeit und angemessener Qualifikation der Beschäftigten verlangt, auf eine indirekte Art und Weise eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung. Die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) erwähnt die Beurteilung psychischer Belastungen sogar wörtlich. Die Zeiten der Gefährdungsbeurteilung, die rein auf körperliche Belastungen ausgerichtet war, sind also definitiv vorbei. Aber das Gesetz bietet keine konkreten Vorgaben dazu, wie Arbeitgeber hohen Stress für ihre Mitarbeiter vermeiden und psychische Krankheiten verhindern. 

Fakt ist: Dieses Thema wird die Arbeitsschutzwelt noch eine Weile beschäftigen, denn allgemein gültige Messverfahren und Grenzwerte festzulegen, dürfte schwierig sein.


Erste Schritte

Die „Antistressverordnung“, in der einige Bundesländer seit Herbst 2012 fordern, dass die Beurteilung von psychischen Belastungen in die Rechtssetzung aufgenommen werden soll, könnte ein guter erster Schritt zu mehr Verbindlichkeit sein. Allerdings gerieten die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und dem Bund aktuell ins Stocken. Zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit kam es wie für Ende Januar vorgesehen erst mal nicht.


Dafür hat der Verein Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) am 17. Januar 2013 angekündigt, dass er gemeinsam mit dem Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) ein Qualifizierungskonzept entwickelt, das Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Fasi) dazu befähigt, psychische Gefährdungsfaktoren zu erkennen und dem Unternehmer bei diesem Thema beratend zur Seite zu stehen.

Doch auch jetzt können Gesundheits- und Arbeitsschützer schon etwas tun: Anonyme Fragebögen oder Umfragen unter Mitarbeitern können dabei helfen, einen Eindruck davon zu bekommen, welche psychischen Belastungen an einem Arbeitsplatz vorherrschen.


Weitere hilfreiche Links, zum Beispiel zum „Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), der psychische Gefährdungsfaktoren ausdrücklich betont, finden Sie im rechten Bereich.

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