Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser. weitere Infos OK
Nachricht

Warum Pflegekräfte in Frührente gehen

Untersuchung zu Erwerbsminderungs-Rente in der Krankenpflege

Die Pflege gilt wegen des steigenden Bedarfs als "Zukunftsberuf" - allein es fehlen die Arbeitskräfte. Arbeitsunfähigkeits-Zeiten und die Dauer von AU sind bei Pflegekräften besonders stark ausgeprägt. Viele Beschäftigte in der Pflege werden sogar frühverrentet und beziehen Erwerbsminderungsrente (EM-Rente), weil sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch wenige Stunden oder gar nicht mehr arbeiten können. Um Pflegekräfte bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter in ihrem Beruf halten zu können, gilt es also herauszufinden, warum die Gesundheit so oft einen Strich durch die Rechnung macht. Das haben nun Forscher des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule gemacht. Das erstaunliche Ergebnis: Neben Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) ist es besonders die Desillusionierung, die Pflegekräfte krank macht! Viele Beschäftigte kommen mit der Diskrepanz zwischen Berufsethos und in der „Fabrik Krankenhaus“ tatsächlich umsetzbarer guter Pflege einfach nicht zurecht.


Desillusionierung macht krank

1,7 Millionen Menschen beziehen in Deutschland eine EM-Rente. Wenn es so weit kommt, haben die der EM-Rente vorgeschalteten Rehabilitationsmaßnahmen schon versagt. Krankenpfleger ohne weitere Spezialisierung seien deutlich stärker von der EM-Rente betroffen als Pflegehelfer oder Mitarbeiter mit Spezialisierung, schreiben die Forscher in der Publikation „Erwerbsminderungsrenten in der Krankenpflege - Erklärungsansätze und Handlungsempfehlungen“.

Die Desillusionierung, die für Frühberentungen oft mit verantwortlich ist, wird in Zeiten von „Ökonomisierung“ der Krankenpflege immer schlimmer. Denn unter Sparzwang und Akkordarbeit im Minutentakt kann die Qualität der Pflege nicht besser werden. Diese Diskrepanz in Kombination mit den hohen Arbeitsbelastungen und der geringen Anerkennung seien im Ergebnis verursachend für EM-Renten in der Pflege.


Die Engagierten und "Berufenen" leiden besonders

Interpretiert man die Ergebnisse der Forscher weiter, sind es eben genau jene, die den Pflegeberuf – der aus der christlichen Krankenpflege entstand – als Berufung sehen, die diese Unerfüllbarkeit krank macht. Genau jene leidenschaftlich Engagierten, die es für gute Pflege braucht. „Der Lohn war schon immer gering und die Belastungen hoch, allerdings gab der Glaube an den Sinn der Tätigkeit den Beschäftigten Kraft und ermöglichte eine andere Bewertung der Belastung.“

Heute würden auch Mehrarbeit und besonderes Engagement nicht dabei helfen, diese Diskrepanz zu überwinden. Auch ein höheres Gehalt sei nicht der wichtigste Schritt, um sie zu beheben. Wesentliches Handlungsfeld sind nach Ansicht der Forscher die Arbeitsbedingungen und bessere Reha-Maßnahmen, um EM-Renten zu verhindern.


Die Forscher schlagen folgende Maßnahmen vor

  • Umstrukturierung der pflegerischen Tätigkeit/Aufwertung der Pflege als Profession: bessere Einbindung der Pflegekräfte in die Planung von Pflegeprozessen; mehr Partizipation; mehr Zeit für die Betreuung der Patienten; erstrebenswert sei eine Gleichstellung beider im Krankenhaus beschäftigter Professionen (Pflege und Medizin)
  • Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements: BGM-Maßnahmen für Pflegekräfte; Trainings, die ihnen zeigen, wie sie sich besser von ihrer Tätigkeit abgrenzen und wie sie mehr auf die eigene Gesundheit achten können; gute Führung. Wiederherstellung von Gesundheit der Patienten sei nur mit einer Stärkung der Gesundheit der Beschäftigten realisierbar.
  • Optimierung und Erweiterung bestehender Rehabilitationskonzepte: Verbesserung des Zugangs zu Rehabilitationsmaßnahmen bspw. durch Schulung und Sensibilisierung der Betriebsärzte. Rehabilitation in BGM-Konzepte integrieren.
  • Vernetzung und Kooperation aller sozialpolitischen Akteure: Sozialversicherung, Krankenkasse ...

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren: