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Publikation (Broschüre)

Neue BGW-Broschüre "Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte in Betreuungsberufen"

Tipps und Infos zu Gewaltprävention, Akuthilfe und Nachbetreuung

Gewalt am Arbeitsplatz hat viele Gesichter – auch Beschäftigte in Betreuungsberufen erleben sie häufig. Eins ist sicher: Schweigen der Betroffenen oder der Arbeitsschutz-Verantwortlichen ist keine Lösung. Die neue Broschüre "Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte in Betreuungsberufen" von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) soll Einrichtungen Hilfestellung beim angemessenen Umgang mit Gewalt geben und dabei helfen, Führungskräfte und Beschäftigte in diesem Thema "fit zu machen".

Die Broschüre wurde auf dem 3. Symposium "Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz" der BGW im November 2016 in Dresden vorgestellt. Sie unterstützt bei der Gefährdungsbeurteilung (GBU), zeigt anhand von Praxis-Beispielen, welche betrieblichen Maßnahmen ergriffen werden können, und listet die Unterstützungsangebote der BGW sowohl für Einrichtungen als auch für betroffene Beschäftigte auf.


BGW-Symposium befasste sich mit dem richtigen Umgang mit Gewalt

Auf dem BGW-Symposium arbeiteten die Teilnehmer aus Pflege, Medizin, Beratung, Betreuung und Werkstätten für Menschen mit Behinderung außerdem heraus, worauf es beim Umgang mit Gewalt in der Betreuung ankommt. Der Tenor: Es dürfe vor allem nicht länger eine hohe Leidensbereitschaft in sozialen Berufen vorausgesetzt werden. Kritische Situationen und Übergriffe seien außerdem nicht nur ein individuelles Problem des jeweiligen Beschäftigten, sondern strukturelle Herausforderung für die Einrichtungen.

BGW-Psychologin Sabine Gregersen verdeutlichte das am Beispiel von Führungskräften: "Ihre Haltung beeinflusst maßgeblich, ob ein offenes, vertrauensvolles Klima entsteht, das es erlaubt, Vorfälle systematisch zu bearbeiten und zu vermeiden. Wer sagt, Beschäftigte müssten generell mit herausforderndem Verhalten umgehen können, reduziert Vorfälle auf die Frage professioneller Kompetenz. Das führt zu einseitigen Schuldzuweisungen und bagatellisiert Gewaltsituationen." Wenn man die Tatsache betrachte, wie sehr Führungskräfte mit ihrer Haltung die Gesundheit der Beschäftigten beeinflussten, sei die Rückendeckung der Vorgesetzten für die Beschäftigten umso wichtiger. Gregersen erläuterte, dass im Vorfeld genauso wie in Akutsituationen und nach Übergriffen ein aktives, einfühlsames Vorgehen von Führungskräften gefragt sei. Rollenklarheit und Vorhersehbarkeit seien dabei wichtige Faktoren: "Welche Erwartungen werden an die Beschäftigten gestellt? Was ist in welcher Situation zu tun? Welche Haltung zu Gewalt und Aggression nehmen Leitung und Führungskräfte ein? Welche Hilfe wird Betroffenen geboten?" Solche Fragen sollten eindeutig beantwortet werden.


Präventionskultur schafft Sicherheit und Vertrauen

Als wesentlich für den Schutz der Beschäftigten stellte sich ein klarer Standpunkt der jeweiligen Einrichtung zum Thema "Umgang mit Gewalt" heraus. Stichwort: Präventionskultur im Unternehmen. Dr. Heike Schambortski, Leiterin der BGW-Präventionskoordination, fasste zusammen: "Es geht darum, auf allen Ebenen deutlich zu machen ,Bei uns geht die Sicherheit vor. Gewalt gegen Beschäftigte dulden wir nicht.'" Der Weg dorthin sei Schritt für Schritt zu erreichen – von einer Risikoanalyse über eine Null-Toleranz-Politik und die Verankerung von Notfallplänen bis zu einer gelebten Fehlerkultur, bei der jeder Vorfall untersucht werde. Die Beschäftigten müssten einbezogen werden, um die Gewaltspirale wirklich durchbrechen zu können.

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