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Prävention und Nachsorge bei Raubüberfällen im Handel - inklusive Checkliste!

Mitarbeiter schützen - richtige Reaktion im Ernstfall

Seit Jahren steigt die Zahl der Raubüberfälle im Handel an. Besonders Tankstellen, Supermärkte, Drogerien etc. sind betroffen – die Folgen für die Opfer sind oftmals verheerend. Bei Raubüberfällen handelt es sich in der Regel um schwere Arbeitsunfälle, die der Arbeitgeber melden muss.


Doch wie können Raubüberfälle vermieden werden? Wie können die Folgen für die Opfer reduziert werden? Diese Fragen müssen Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung erörtern und bewerten. Mögliche Maßnahmen können die Lage und Ausstattung der Kassenarbeitsplätze, die Gestaltung des Außengeländes, den Zugang zu Räumen, technische Maßnahmen (zum Beispiel Tresorsysteme) und den Geldtransport betreffen.

Halten Sie möglichst wenig Bargeld in den Kassen vor und weisen Sie darauf durch gut sichtbare Schilder hin. So werden Raubüberfälle für eventuelle Täter unattraktiver. Auch eine Videoüberwachung kann abschreckend wirken.


In regelmäßigen Unterweisungen der Beschäftigten sollte das Verhalten aller Beteiligten vor, während und nach einem Überfall geübt werden – so sind Ihre Mitarbeiter besser auf den Ernstfall vorbereitet und können souveräner handeln.


Direkt nach dem Raubüberfall - was ist zu tun?


Sollte es zu einem Raubüberfall kommen, ist Folgendes zu beachten:

 

•    Melden Sie den Überfall unter der Rufnummer 110 sofort der Polizei


•    Verändern Sie wegen der Spurensicherung nichts am Tatort, schließen Sie das Geschäft und verhindern Sie, dass sich Kunden im Verkaufsraum befinden.


•    Versuchen Sie Zeugen festzustellen (Mitarbeiter, Kunden, Passanten) und fordern Sie diese auf, bis zum Eintreffen der Polizei am Tatort zu bleiben oder notieren Sie die Kontaktdaten.


•    Sprechen Sie sich, was den Tathergang, die Täterbeschreibung oder Ähnliches angeht, nicht mit anderen ab. Machen Sie sich lieber Notizen.


•    Sorgen Sie sofort für eine psychologische Betreuung für die Betroffenen, um möglichen Folgeschäden und gesundheitlichen Beeinträchtigungen entgegenzuwirken. Fragen Sie neben Angeboten der Berufsgenossenschaft auch bei der Kriminalitätsopferhilfe "Weißer Ring" nach.

Denken Sie als Unternehmer daran, meldepflichtige Unfälle außer der Berufsgenossenschaft auch dem örtlich zuständigen Gewerbeaufsichtsamt zu melden!


Ein Alarmplan darf nicht fehlen!

Damit die Opfer nach einem Raubüberfall sofort durch darauf spezialisierte Personen betreut werden können, nehmen Sie diese Ansprechpartner in den Alarmplan auf und hängen Sie ihn mit den entsprechenden Telefonnummern gut sichtbar auf.


Vorbeugende Maßnahmen

Ergreifen Sie Maßnahmen, die das Risiko für einen Raubüberfall senken können. Beachten Sie bei Neu- und Umbauten von Einzelhandelsfilialen unter Berücksichtigung weiterer Vorschriften bitte folgende Hinweise:


•    Sorgen Sie für eine ausreichend helle Beleuchtung im Außengelände, beispielsweise an Laderampen. Koppeln Sie das Licht mit dem Öffnen der Metalltore. Die Maßnahme schützt Mitarbeiter, die frühmorgens aufschließen müssen oder abends als Letzte auf dem Gelände unterwegs sind.


•    Gestalten Sie das Außengelände gut einsehbar. Es sollte keine Möglichkeiten für Täter bieten, sich zu verstecken.


•    Überwachen Sie die Verkaufsstätte, insbesondere den Eingangsbereich durch eine Videokamera - egal ob mit einem offenen oder einem verdeckten System.


•    Lassen Sie den Personaleingang möglichst im vorderen Bereich des Gebäudes einrichten und gut beleuchten.


•    Bringen Sie an Lager-, Außen- und Kassenbürotüren Türspione an.


•    Ordnen Sie die Kassenarbeitsplätze so an, dass Ein- und Ausgänge von dort aus immer eingesehen werden können.


•    Berücksichtigen Sie eine (stille) Alarmauslösung durch die Kassiererin über eine versteckte Taste oder mobile Alarmauslösung (zum Beipsiel mittels einer Armbanduhr)


•    Bürofenster sollten mit Verbundsicherheitsglas (Widerstandsklasse WK2/RC2 oder WK3/RC3) gesichert sein.


•    Sehen Sie davon ab, größere Fensterflächen mit Folien zu verkleben, damit eine Einsichtsmöglichkeit von außen besteht.


•    Verhindern Sie den unbemerkten Zugang in Nebenräume, wie Personal- und Lagerräume, durch einen Alarmknopf oder durch Knaufbeschläge; SVP-Schlösser verriegeln automatisch, Zutrittskontrolle an der Durchgangstür.


•    Schätzen Sie anhand der Gefährdungsbeurteilung die Notwendigkeit des Einsatzes von Wachpersonal ein.


•    Ersetzen Sie einfache Geldschränke durch das System „Safe-im-Safe“ (mindestens Widerstandgrad 2) und berücksichtigen Sie dessen Mauerverankerung.

•    Nur das Transportunternehmen hat den Schlüssel, das heißt Mitarbeiter können den Safe nicht öffnen beziehungsweise eine Zeitautomatik verhindert das Öffnen des Safes.


•    Prüfen Sie die Möglichkeit des Einsatzes automatischer Kassen.


•    Weisen Sie gut sichtbar darauf hin, dass der Laden gut gesichert ist, die Kasse wenig Bargeld enthält und sich ein Überfall nicht lohnt.


•    Die Benutzung von Personaltoiletten durch Kunden sollte nicht erlaubt sein.


•    Bei Ihrer zuständigen kriminalpolizeilichen Beratungsstelle können Sie eine Beratung für eine vor Einbruch schützende Ausstattung Ihres Betriebes bekommen.



Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biol.


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