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Beleuchtung am Arbeitsplatz - nur so geht Ihnen ein Licht auf!

Planung von Betriebsstätten mit ausreichend (natürlichem) Licht

Tageslicht ist die ideale Beleuchtung am Arbeitsplatz - so viel ist sicher. Über die Vorteile von Tageslichtbeleuchtung und vor allem von ausreichender Beleuchtung gibt es zahlreiche Erkenntnisse.

Hier nur einige:

  • Unfall- und Gesundheitsgefahren können durch mangelhafte Beleuchtung erhöht werden.
  • Fehlzeiten, die durch Lichtmangel am Arbeitsplatz hervorgerufen werden, steigen. Wird die notwendige Dosis Tageslicht nämlich nicht erreicht, können Lichtmangelerkrankungen auftreten. Probleme tauchen überwiegend jahreszeitabhängig im Herbst und im Winter auf, wenn Menschen an Arbeitsplätzen ohne (ausreichendes) Tageslicht arbeiten.

Angemessene Beleuchtungsstärken führen dagegen zu

  • besserer Leistung
  • geringerer Ermüdung
  • weniger Ausschuss
  • zu einem Rückgang der Zahl der Arbeitsunfälle

Doch natürlich können Arbeitsplätze in Gebäuden nicht ausschließlich mit Tageslicht versorgt werden. Generell gilt: Bei der Arbeitsplatzbeleuchtung gibt es Vorschriften zu beachten. Für die Gesundheit der Mitarbeiter und die Sicherheit am Arbeitsplatz!

Tageslicht ist der sichtbare Teil des Lichts im Bereich zwischen 380 und 780 nm. Es hat gegenüber Kunstlicht Vorteile in Bezug auf die

  • Beleuchtungsstärke (Benutzer werden auch bei hohen Beleuchtungsstärken nicht geblendet)
  • Leuchtdichteverteilung (keine hohen Spitzenleuchtdichten, harmonischere Leuchtdichteverteilung, geringere erforderliche Leuchtdichten)
  • Blendung
  • Lichtfarbe und Farbwiedergabe
  • Spiegelungen auf dem Bildschirm

Primär entscheiden Planer, Architekten, Errichter und Ladenbauer, ob und wie die Vorteile des Tageslichts ausgenutzt und in der Beleuchtung von Innenräumen umgesetzt werden.

Eine der jeweiligen Arbeitsaufgabe angemessene Beleuchtung am Arbeitsplatz dient zunächst einmal dazu, dass die Beschäftigten ausreichend Licht haben, um ihre Arbeitsaufgaben gut erfüllen zu können. Sie trägt dazu bei, Fehler zu vermeiden, beugt vorzeitiger Ermüdung vor und hilft, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.

Übrigens: Laden Sie sich über den Link die Checkliste für eine gute Arbeitsplatzbeleuchtung herunter - kostenloses PDF!

Darüberhinaus ist unstrittig, dass gerade die gleichmäßig  über den  Tag verteilte Tageslichtdosis einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter hat. Viele lebenswichtige Körperfunktionen - etwa der Schlaf-/Wachrhythmus (Chronobiologie) oder die Vitamin-A- und Vitamin-D-Synthese - laufen nur dann optimal ab, wenn über die Haut und die Augen eine bestimmte Dosis an Tageslicht aufgenommen wurde.

Ein angemessener Tageslichteinfluss am Arbeitsplatz hat konkrete gesundheitsfördernde Folgen, etwa:

  • weniger anstrengendes Sehen
  • besseres räumliches Sehen
  • eine besonders gute Farbwiedergabe sowie
  • eine geringere Müdigkeit und Reizung der Augen

Eine auf die Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, Arbeitssituation sowie auf das individuelle Sehleistungsvermögen (zum Beispiel bei älteren Arbeitnehmern) abgestimmte Beleuchtung ist erforderlich, um Arbeitsbedingungen optimal zu gestalten.

Ausreichendes Licht benötigen die Beschäftigten auch, um eventuelle Unfallgefahren frühzeitig zu erkennen und Unfälle zu vermeiden, aber auch, um sich etwa im Falle von Übergriffen bemerkbar zu machen und gesehen zu werden.

Im Rahmen der arbeitsschutz- sowie baurechtlichen Bewertung wird für die Beschäftigten in Arbeitsstätten ausreichend Tageslicht gefordert.

Die landesbezogenen Bauordnungen verlangen auch eine ausreichende Belichtung der Aufenthaltsräume. Sie müssen Fenster mit einem Rohbaumaß der Fensteröffnungen von mindestens einem Zehntel bis einem Achtel (je nach landesbezogener Bauordnung) der Nettogrundfläche des Raumes einschließlich der Nettogrundfläche verglaster Vorbauten und Loggien aufweisen.

Die Arbeitsstättenverordnung (Ziff. 3.4 Anhang zur ArbSättV) legt die Vorschriften fest. Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, hier: ASR A 3.4 sowie die BGI/GUV7007, konkretisieren die Arbeitsstättenverordnung.


Arbeits- und Pausenräume müssen demnach

  • eine Sichtverbindungsfläche (Tageslicht) von mindestens 10 % der jeweiligen Raumgrundfläche aufweisen. Für Räume mit höheren Sichtanforderungen ist von  einem Verhältnis von 1:5 auszugehen (besondere Randbedingungen erforderlich, z.B. keine Verbauung)
  • außerdem wird ein Tageslichtquotient am Arbeitsplatz von 2% gefordert.

Die BG-Regel „Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten“ (BGR 131) greift diese Forderungen auf und betont zudem die Bedeutung der Sichtverbindung nach außen.

Kassenarbeits-, Kommissionier-,  Vorbereitungs-, Küchen-, Lager- und Archivarbeitsplätze sowie Pförtnerlogen sind demnach in unmittelbarer Nähe von durchsichtigen Sichtverbindungen nach außen einzurichten. Ebenfalls ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob indirekte Sichtverbindungen, etwa auch für Kassenbüros, möglich sind.

Um das zu erreichen, sollten ausreichend Fensterflächen, Kontaktfenster, Türen, Wände, Oberlichter aus farbneutralen Verglasungsmaterialien (in Arbeitsbereichen bruchsicher), gegebenenfalls mit transparenter UV-Schutzfolie oder verstellbaren Jalousien wirkungsvoll eingesetzt bzw. im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens eingeplant  werden. Die künstliche Beleuchtung sollte sich dann, vor allem aus Energiespargründen, dem durch die Witterung beeinflussten Tageslichteinfall anpassen. Ein gesundheitsförderliches Pausenangebot (zum Beispiel Bänke im Freien auf dem Betriebsgelände) sowie Tageslichtarbeitsplatzlampen, können die Tageslichtdosis positiv beeinflussen. Helle Decken, Wände und Bodenbeläge tragen ebenfalls zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei.

Die Einrichtung ständiger Arbeitsplätze (die mehr als > 2 Std./Tag bzw. mehr als 30 Tage pro Jahr genutzt werden) ohne ausreichende Sichtverbindung nach außen wird von den Gewerbeaufsichtsämtern im Regelfall nicht genehmigt. In Räumen ohne ausreichendem Tageslicht dürfen also keine ständigen Arbeitsplätze errichtet werden (§ 3 ArbStättV i.V.m. Ziff. 3.4 des Anhanges zur ArbStättV)!

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber zwar von den Technischen Regeln abweichen, er muss aber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (insbesondere § 3 ArbStättV) nachweisen, dass er den geforderten Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter mit anderen Maßnahmen sicherstellen kann. Weniger (indirekte) Sichtverbindungen nach außen machen die Erfüllung der Forderung nach ausreichendem Tageslicht aber fast unmöglich.

Oft werden bestehende Sichtverbindungen oder Fensterflächen, etwa im Zuge von Umbaumaßnahmen, zu Werbezwecken, zum Schutz von Lebensmitteln oder aus anderen Gründen mit Folien beklebt. Damit wird die Tageslichtzufuhr reduziert, sodass die  arbeits- und gesundheitsschutz- oder baurechtlichen Anforderungen für  die Beschäftigten nicht mehr gewährleistet sind.

Bedenkt man die Nachteile und Gefahren, die durch zu wenig Tageslicht für den menschlichen Körper und die Arbeitssicherheit entstehen, kann einer Beantragung für das  Bekleben bzw. Folieren vorhandener Sichtverbindung nach außen im Regelfall nicht oder nur eingeschränkt zugestimmt werden. Achtung: Bekleben Sie solche Flächen, ohne es vorher beantragt und genehmigt bekommen zu haben, kann es sein, dass Behörden eine gebührenpflichtige Beseitigung der Klebefolien fordern!

Als Arbeitshilfe können Sie sich kostenlos über den Link im rechten Bereich die Checkliste für Ihre Arbeitsplatzbeleuchtung herunterladen - im PDF-Format. Darauf müssen Sie achten!

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

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