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Forschung: Wie effizient sind Notduschen?

Sorgen die Normen für schnelleren Schutz?

Forschung zu Notduschen, Bild 1 (Quelle: Fraunhofer UMSICHT)

Im Notfall zählt im Labor jede Sekunde: Spritzt einem Mitarbeiter Säure oder Lauge auf den Körper, sollte eine Notdusche die gefährlichen Substanzen effizient und zuverlässig abwaschen. Doch wie effektiv sind die Duschen für den Notfall wirklich? Dies haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie BG RCI nun untersucht.


Notduschen: Effizienz ist lebenswichtig

In vielen chemischen Laboren wimmelt es vor Gefahrstoffen. Für die Mitarbeiter, die in solchen Laboren arbeiten, heißt das: Vorsicht, Kittelpflicht und festes Schuhwerk sind angesagt. Der Umgang mit Laugen, Säuren oder Lösemitteln ist gefährlich. Gelangen dennoch größere Mengen auf die Kleidung, ist schnelles Handeln gefragt. Dann heißt es: Raus aus den Textilien und ab unter die Notdusche, um die gefährliche Substanz vom Körper abzuspülen. Je schneller, desto besser. Vorgaben für Notduschen regeln, wie viel Wasser pro Minute durch den Duschkopf strömen und wie der Wasserkegel geformt sein soll. Vertiefte Studien zum erforderlichen Wasserstrom gab es bisher allerdings nur für das Löschverhalten der Duschen: Wie schnell helfen sie, wenn jemand mit brennender Kleidung darunter steht? Was das Abspülen von Gefahrstoffen angeht, war die Studienlage mau.


Erstaunliche Forschungsergebnisse

"Wir haben 15 Duschköpfe untersucht, durch die pro Minute zwischen 20 und 110 Liter Wasser floss", sagt Dr. Ulrich Seifert, Wissenschaftler bei Fraunhofer UMSICHT. Das Ergebnis: Strömt viel Wasser durch den Duschkopf, garantiert dies keineswegs eine besonders kurze Abspülzeit – viel hilft also nicht immer viel. Ebenso wenig führt die Form der Wasserverteilung – quasi wie weit der Strahl aufgefächert ist –, die in deutschen und europäischen Normen geregelt ist, zu einem schnellen Abspülen. Die Form des Sprühkegels hat nicht den Einfluss, den die Normen erwarten lassen. Besonders gut schnitten Duschen ab, deren Strahl enger war als nach Norm gefordert.

"Wie gut die Abspülwirkung einer Dusche ist, kann man besser an anderen Merkmalen ablesen, insbesondere am Benetzungsgrad: Wie gut versorgt die Dusche die Körperoberfläche der verletzten Person mit Wasser? Dieser Punkt ist in den Normen bisher nicht berücksichtigt", erläutert Seifert.


Das Prinzip der Messung

Das Prinzip der Messung: In eine Schaufensterpuppe brachten die Forscher 34 Sensoren ein. Statt die Puppe mit echten Gefahrstoffen zu übergießen, griffen die Wissenschaftler zu Salzlösungen, eine dünnflüssig, die andere zäh wie Honig. War der Dummy mit der Salzlösung "kontaminiert", stellten die Forscher ihn unter die Dusche. Die Sensoren maßen über die elektrische Leitfähigkeit an den verschiedenen Körperstellen, wie schnell dort die Salzlösung abgespült wurde. Die Höhe des Stromflusses verriet den Forschern, wie stark die Salzlösung vom Wasser bereits verdünnt worden war.

Um die Realität bestmöglich nachzustellen, bauten die Wissenschaftler ein weiteres "Extra" in ihre Untersuchung ein: "Niemand, der seinen Bauch so schnell wie möglich abspülen will, steht stocksteif und kerzengerade unter der Dusche. Man hält den betroffenen Körperteil in den Wasserstrahl und bewegt sich ein wenig. Wir haben die Bewegung der Person im Duschwasserstrahl nachgestellt, indem wir den Duschkopf über der Puppe hin und her bewegten", erklärt Seifert.

Für die meisten der durchgeführten Untersuchungen gilt: In weniger als einer Minute ist die Substanz so weit verdünnt, dass bei einer echten Säure oder Lauge kein Verätzungsrisiko mehr bestehen würde. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht und fanden bereits großes Interesse in Fachkreisen aus Industrie und Normung

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