Nachricht

Arbeitsschutzmanagement - aber mit System!

Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) bieten Sicherheit

Mit System statt punktuell: Der Arbeitsschutz im Betrieb sollte gut strukturiert sein - sonst wird er schnell zur riskanten Glückssache. Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) helfen dabei! Ein AMS ist ein Instrumentarium, mit dem Sie Belange des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Ihrem Unternehmen führen und lenken. Sämtliche Aspekte der Arbeits- und Gesundheitsschutzorganisation werden in einem AMS zusammengefasst und systematisch statt punktuell, mit Blick auf einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, aufbereitet und dargestellt.

Sie wissen es alle: Laut Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen für den Arbeitsschutz, für die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu treffen, umzusetzen und kontinuierlich auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen (§ 3 Abs 1 Arbeitsschutzgesetz). Dafür muss er eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, alles schriftlich dokumentieren und anlass- bzw. bedarfsbezogen aktualisieren. Er muss Unterweisungen durchführen, Betriebsanweisungen erstellen, Prüfungen durchführen lassen ...


Arbeitsschutz mit System - aber wie?

Ziemlich viel Verantwortung. Um das alles umzusetzen, braucht es ein systematisches Vorgehen: ein Arbeitsschutzmanagement. Das wird vom Gesetzgeber zwar nicht gefordert, aber zunehmend von Auftraggebern verlangt (u.a. SCC in der Petrochemie, SCP bei Leiharbeitsfirmen). Die Vorteile liegen auf der Hand: Es stärkt bei der Deregulierung von Arbeits- und Gesundheitsschutzvorgaben (u.a. Anzeigepflichten, Prüffristenfestlegung) die Rechtssicherheit des Arbeitgebers, der seine Verantwortung gegenüber den Beschäftigten wahrnehmen muss. Zudem leistet es Hilfestellung, um die Sicherheit und den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb umfassend und systematisch zu organisieren, zu betreiben und zu verbessern.


Das AMS wird sinnvollerweise oftmals in das unternehmensbezogene Qualitätsmanagement- (ISO 9001), ins Sicherheits-/Risikomanagementsystem oder in Umweltmanagementsysteme (ISO 14001) integriert (IMS: Integriertes Managementsystem). Das kann sinnvoll sein, da sich Inhalte überschneiden können, zum Beispiel in den Bereichen Gefahrstoffrecht oder überwachungsbedürftige Arbeits- und Betriebsmittel.


Das AMS soll dazu dienen:

  • weniger Produktionsunterbrechungen und höhere Kosteneinsparungen infolge von Arbeits-/Beinaheunfällen, arbeitsbedingten Verletzungen und Erkrankungen zu erzeugen und generell die Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz präventiv zu schützen.
  • unfallverursachende organisatorische und Verhaltensmängel zu minimieren, um nachhaltig präventiv und motivationsfördernd zu wirken.
  • eine verbesserte Planung und Dokumentation durchführen zu können.
  • für weniger störungsanfällige und vereinfachte, optimierte betriebliche Abläufe zu sorgen und Schadensereignisse zu minimieren.
  • für klare, zugewiesene Zuständig- und Verantwortlichkeiten zu sorgen.
  • Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen finanziell besser kalkulieren und vorausschauend planen zu können, um u.a. Behördenauflagen vorzubeugen.
  • die langfristige "Erhaltung der Beschäftigten" durch betriebliche Gesundheitsförderung und umfassende arbeitsmedizinische Vorsorge zu gewährleisten.
  • die interne Kommunikation sowie das Betriebsklima und Arbeits- und Gesundheitsschutz zu verbessern (frühestmöglich, offen, transparent, ausführlich).
  • die Zusammenarbeit mit Fremdfirmen zu standardisieren und zu verbessern.
  • das Image und die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu fördern und zu verbessern (ggf. als Aufgabevergabekriterium).


Voraussetzung für die Ein- und Durchführung eines AMS (mit Gesundheitsschutzaspekten) ist

  • ein breiter Konsens im Betrieb (Mitarbeitervertretung, Fachkraft für Arbeitsschutz, Geschäftsführung und Beschäftigte), was die Einführung betrifft.
  • eine Bestandsaufnahme über bestehende Regelungen (Ist-Zustand).
  • Begleitung und eine Ansprechperson, insbesondere während der zeitintensiven Einführungsphase (z.B. zuständige Berufsgenossenschaft, Fachkraft für Arbeitssicherheit, ggf. Betriebsarzt).
  • die Bereitstellung notwendiger Ressourcen für die „Pflege“ des Systems und die klare, dokumentierte und kommunizierte Festlegung von Aufgaben, Befugnissen und Verantwortlichkeiten (insbesondere für den Beauftragten des AMS, wie etwa den Sicherheitsbeauftragten oder eine externe Person).
  • die nachhaltige Unterstützung durch Geschäftsführung und Führungskräfte.

Gerade in der Anfangsphase können weitere Handlungshilfen unterstützend sein, wie etwa Selbstbewertungs-Online-Tools mit Benchmark, Pilotbereiche und -phasen, Schulungen sowie Nachsteuerungsmöglichkeiten.


Wie bringe ich es der Belegschaft bei?

Wichtig ist auch, dass ein Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem übersichtlich strukturiert, verständlich und prägnant formuliert und dokumentiert wird. Dafür gibt es das jeweilige AMS-Handbuch. Regelmäßige Kontrollen, interne und externe Audits und mindestens ein Mal im Jahr eine schriftliche Bewertung sind sinnvoll. Kennzahlen für die Erfolgsüberprüfung können die AU-Quote, die Unfallstatistik und andere Zahlen sein.

Firmeneigene Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsysteme entsprechend BS OHSAS 18001 können beispielsweise von der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS) zertifiziert werden.


Inhaltlich sollten in einem AMS insbesondere folgende Systemelemente/Unterelemente abgebildet sein:

arbeitsschutzverantwortliche Personen und Verantwortungsbereiche: Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsarzt, Beauftragte, Sachkundige, Befähigte Personen, Koordinatoren, Erst-Helfer, Brandschutzhelfer, Arbeitsschutzausschuss, Mitarbeitervertretung, weitere Ausschüsse, Arbeitskreise, -zirkel

Führungselemente: Arbeits- und Gesundheitsschutzpolitik/Unternehmensleitbild, Organigramm, Arbeits- und Gesundheitsschutzziele, -maßnahmen, interner und externer Informationsfluss, Delegation und Überwachung von Pflichten, Kommunikation und Zusammenarbeit, Dokumentation, Bewertung durch die Unternehmensleitung

systemstützende Elemente: Beschaffung von Ressourcen; Qualifikation, Schulung, Training, Aus-, Weiterbildungs- und Unterweisungskonzept für Personal; Mitarbeiterbeteiligung, Berichtswesen, Lenkung der Aufzeichnungen, Controlling, Auditsystem, Korrekturmaßnahmen

prozessbezogene Elemente: Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsbedingungen und -gestaltung, Genehmigungsverfahren und Überwachung, Prüfungen, Verzeichnisse, Beschaffung und Einrichten, Kennzeichnung und Betriebsanweisungen, Probebetrieb, Inbetriebnahme, Wartung/Instandsetzung, Persönliche Schutzausrüstung (PSA), Begehungen, arbeitsmedizinische Vorsorge, präventive Gesundheitsschutzmaßnahmen

prozesssichernde Elemente: Vorschriften und Auflagenmanagement, Beauftragtenwesen, Fremdfirmeneinbindung, Betriebsstörungs- und Notfallsystem, Explosionsschutz, Arbeitserlaubnisscheine


Verschiedene Leitfäden und Standards beinhalten Vorgaben dazu. Nützliche Hinweise zu länder- (z.B. OHSAS 18001, OHRIS, ASCA, SCC, SCP…) und branchenbezogenen Konzepten eventuell mit Zertifizierungsmöglichkeit (z.B. „AMS-Bau“, „Gütesiegel: Sicher mit System“, „AMS-Konzept“…) sind der Toolbox "Arbeitsschutzmanagementsysteme" der BAuA sowie konkret dem Nationalen Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme sowie den Leitfäden des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LV21, LV 22) zu entnehmen.


Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden