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Strahlenschutz - das gibt es zu beachten!

Fakten von Abschirmung bis Strahlenpass

Update 02.01.2019:

Zum 01.01.2019 wurden die "alte" Strahlenschutzverordnung" und die Röntgenverordnung zu einer "neuen" Strahlenschutzverordnung zusammengefasst.


Der Strahlenschutz nach der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) und der Röntgenverordnung (RöV) hat das Ziel, Patienten, Umwelt, Ärzte und Beschäftigte vor Gesundheitsgefährdungen durch die Einwirkung von natürlichen, überwiegend aber umgangsbedingten künstlichen Strahlenquellen, wie radioaktiver Alpha-, Beta-, Gamma-, Neutronen- und Röntgenstrahlung (ionisierende Strahlen), zu schützen. Der Schutz vor Strahlung ist besonders in Krankenhäusern nötig, wo das OP-Personal, medizinisch-technische Radiologieassistenten, Nuklearmediziner oder Radiologen Strahlung ausgesetzt sind. Auch in (Zahn)-Arztpraxen, Forschungslaboren, kerntechnischen Anlagen, messtechnischen oder materialprüfenden Bereichen sowie in der medizinischen Diagnostik und Forschung, zum Beispiel bei Röntgenuntersuchungen und Strahlentherapien, sind Beschäftigte häufig Strahlung ausgesetzt oder haben Umgang damit. Unter "Umgang" wird neben der Verarbeitung von radioaktiven Stoffen auch die Bearbeitung, die Beseitigung und die Lagerung gefasst.

Zum Schutz Beschäftigter und Dritter muss das Minimierungsgebot bei der Strahlenexposition berücksichtigt werden. Grenzwerte müssen durch Dosisbegrenzungen und -reduzierungen eingehalten werden. Die Grenzwerte der effektiven Dosis im Kalenderjahr betragen nach § 46 Abs. 1 StrlSchV  für den Schutz von Einzelpersonen der Bevölkerung 1 Millisievert. Nach § 55 Abs. 1 Satz 1 StrlSchV liegt der Grenzwert für den Schutz beruflich strahlenexponierter Personen bei 20 Millisievert.

Die Aufenthaltsdauer im Bereich der Strahlung, der Abstand zur und die Abschirmung von der Strahlung sowie sonstige Anforderungen (u.a. aktuelle Fachkunde nach § 30 Abs. 1 StrlSchV oder arbeitsmedizinische Vorsorge der Kat. A oder Kat. B) sind die 4 A des Strahlenschutzes. Sie müssen unbedingt beachtet werden.


In diesen Bereichen ist Strahlenschutz beispielsweise erforderlich:

  • bei der zielgerichteten Nutzung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in manchen Arbeitsbereichen in Forschung, Medizin und Industrie, den sogenannten genehmigungs- oder anzeigepflichtigen Tätigkeiten. Arbeiten unter Belastung durch natürliche Strahlung sind keine genehmigungspflichtigen Tätigkeiten.

  • in der Luftfahrt: Kosmische Strahlung belastet das Flugpersonal. Auch das Kontrollpersonal ist Strahlung ausgesetzt.

  • gelegentlich im Bergbau oder

  • bei der Metallgewinnung und -verarbeitung

  • bei erhöhten Expositionen durch Radon 222, Uran und Thorium, etwa bei der Gebäudesanierung.


Neben der behördlichen Umgangs- oder Beförderungsgenehmigungspflicht für den …

  • Betrieb von Röntgeneinrichtungen oder Ionisationsrauchmeldern

  • Umgang, etwa die Beförderung und die Entsorgung, mit sonstigen radioaktiven Stoffen

  • Einsatz beruflich strahlenexponierter Personen

sowie der Anzeigepflicht für

  • die Beendigung des Betriebes eines Röntgengerätes

gibt es verantwortliche Personen im Betrieb. Der nachweislich schriftlich bestellte Strahlenschutzverantwortliche (SSV, § 31 Abs.1 StrlSchV) und der Strahlenschutzbeauftragte (SSB, §§ 13,14 RöV) sind für die innerbetrieblichen Überwachungs- und Kontrollaufgaben zuständig.

Ausgenommen von der Genehmigungspflicht sind die sogenannten genehmigungsfreien Tätigkeiten, die explizit in Anlage I, Teil A und B, der StrlSchV genannt sind.


Das muss arbeitgeberseitig beachtet werden:

  • In der Gefährdungsbeurteilung muss das Thema „Strahlung“ bewertet worden sein.

  • Dabei müssen beim Mutterschutz und beim Jugendarbeitsschutz besondere Dosisgrenzwerte beachtet werden.

  • Die Strahlenexposition am Arbeitsplatz muss vom Arbeitgeber ermittelt worden sein.

  • Die Anlagen und Geräte müssen vor Inbetriebnahme geprüft worden sein (u.a. TÜV-Abnahmeprotokoll).

  • Die behördliche Anzeige-/Genehmigungspflicht bei der Strahlenschutzabteilung der zuständigen Behörde muss erfüllt sein.

  • Strahlenschutzbereiche müssen gekennzeichnet sein, Röntgen-Einrichtungen auch, allerdings nur in allseitig umschlossenen Räumen.

  • Es müssen regelmäßige Prüfungen, jährliche Unterweisungen und eine Koordination mit Fremdarbeitern durchgeführt werden. Für externe Arbeitskräfte wird die Dosis in einem Strahlenpass erfasst, damit der Überblick nicht verloren geht. Bei einer effektiven Dosis von mehr als 1 Millisievert pro Kalenderjahr sind die Arbeiten nach § 15 Strahlenschutzverordnung genehmigungsbedürftig.

  • Strahlenschutzanweisungen (z. B. ein Betriebshandbuch) müssen vorliegen.

  • Die erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorge durch besonders ermächtigte Ärzte nach Strahlenschutz- bzw. Röntgenverordnung muss vorgenommen worden sein.

  • Aktuelle Fachkundebescheinigungen und Anerkennungen von Strahlenschutzkursen müssen vorliegen. Die Fachkundebescheinigung muss alle fünf Jahre aktualisiert werden.


Und noch ein Hinweis für Patienten: Sie sollten sogenannte Röntgenpässe führen und vor jeder Röntgenuntersuchung vorlegen, um unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden. Nach §28 Abs. 2 Röntgenverordnung sind ärztliche Praxen oder Institutionen, in denen Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden, verpflichtet, Röntgenpässe bereit zu halten und den Patienten anzubieten. Sie können aber auch beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angefordert werden. Denn Strahlenschutz gilt nicht nur in der Arbeitswelt!


Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

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