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Ist die Lüftungsanlage in Ihrem Betrieb eine Gesundheitsgefahr?

Wartungs- und Instandhaltungspflichten

Lüftungsanlagen sollen für die in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) geforderte "gesundheitlich zuträgliche Atemluft" am Arbeitsplatz sorgen. Sie können also wichtige Lüftungstechnik sein - wenn der Betreiber, also der Unternehmer, die Regeln und Vorschriften für den Betrieb von Lüftungsanlagen befolgt. Lüftungsanlagen werden nämlich von der wichtigen Lüftungshilfe ganz schnell zum Krankmacher!

Ein gutes Raumklima ist die Pflicht des Arbeitgebers und ist Grundlage für gute, sichere, gesunde Arbeit. Die "gesundheitlich zuträgliche Atemluft" gilt dann als hergestellt, wenn die Raumluft im wesentlichen Außenluftqualität entspricht (Ziffer 3.6 des Anhangs zur ArbStättV). Je nach Arbeitsbereich und Gegebenheit werden allerdings unterschiedliche Anforderungen an die Qualität und Reinheit der Zuluft gestellt (z.B. Halbleiterfertigung, OPs).

Der Arbeitgeber hat bereits vor dem Errichten oder Anmieten einer Arbeitsstätte im Rahmen der zu erstellenden betrieblichen Gefährdungsbeurteilung (§§ 4,5,6 ArbSchG i.V.m. §3 ArbStättV, §3 BetrSichV) zu prüfen, ob die Lüftungsanlage wirksam ist und dem Stand der Technik entspricht. Dabei sind Prüf- und Wartungsintervalle festzulegen, für die die Angaben des Lüftungsanlagenherstellers zu beachten sind. Ziel der Wartung ist es, die technischen, hygienischen und raumlufttechnischen  Eigenschaften und den sicheren Betrieb der Anlage während der gesamten Betriebszeit sicherzustellen (§ 4 Abs.3 ArbStättV).

Übrigens: Die Arbeitsstättenregel ASR A 3.6 „Lüftung“ gibt nähere Erläuterungen zu Lüftungseinrichtungen in Arbeitsräumen.

Eine unzureichende oder falsche Lüftung ist eine akute Gesundheitsgefahr! Sind Luftfeuchte, Temperatur, Luftführung, Entrauchung, Raumluftgeschwindigkeit, Außenluftvolumenstrom, Abluftnutzung, Filterung nicht ideal, können verschiedenste Gefahren entstehen. Gefahrstoffe (u.a. CO2 ), luft- oder aerosolgetragene lebende Keime sowie Stoffwechsel- und Abbauprodukte, MVOC von Mikroorganismen (Bakterien, Schimmelpilze, Legionellen) stellen akute Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten dar. Vor allem gesundheitlich sowieso beeinträchtigte Personen, wie Asthmatiker oder Allergiker, können von falsch oder nicht gewarteten Lüftungsanlagen krank werden.

Zu den Unternehmerpflichten gehört es, die aktuellen Herstellerunterlagen der Lüftungsanlagen, das Inbetriebnahmeprotokoll, weitere Mess- und Prüfungsprotokolle/Hygieneinspektionen (entsprechend VDI 6022) und Betriebsanweisungen jederzeit vorweisen zu können. Darüber hinaus muss der Arbeitgeber in der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen und deren Umsetzung für den Fall planen, dass die Lüftungsanlagen ausfallen. Wird mit Gefahrstoffen oder mit gefährlichen Substanzen in Laboren gearbeitet, muss die Lüftung jederzeit gewährleistet sein.

Beschäftigte sollten bei Betriebsbegehungen, unter Einbeziehung des bestellten Betriebsarztes, regelmäßig zu den raumklimatischen Bedingungen befragt werden. So können gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Atemwegsprobleme (Bronchitis, asthmatische Anfälle), Bindehautentzündungen oder Schleimhautreizungen früh erkannt und angemessene Maßnahmen frühzeitig geplant und umgesetzt werden. Solche Gesundheitsprobleme sollten auf keinen Fall als Überempfindlichkeit abgetan werden.

Fragen zur Beurteilung des Wartungs- und Hygienezustandes von Lüftungsanlagen sind:

  • Treten bei ein oder mehreren Beschäftigten gesundheitliche Beschwerden, wie etwa Augenreizungen, Kopfschmerzen, tränende Augen, Niesreiz, verstopfte Nase, trockener Rachen, Husten oder Atembeschwerden in Zusammenhang mit dem Betrieb der Lüftungsanlage auf?
  • Wird die Luft im Arbeitsraum als schlecht oder stickig empfunden?
  • Müssen zusätzlich intensivere Be- und Entlüftungsmaßnahmen des Arbeitsbereichs durchgeführt werden, um die Raumluftqualität zu verbessern?
  • Wird die Lüftungsanlage regelmäßig (gemäß Herstellerangaben) gewartet?
  • Gibt es derzeit erkennbare Beschädigungen an der Lüftungsanlage oder stärkere Geruchsentwicklung?
  • Haben kürzlich Arbeiten mit Gefahrstoffen durch eigene oder Fremdfirmenmitarbeiter stattgefunden?
  • Handelt es sich bei der Lüftungsanlage um eine Anlage geringer räumlicher Ausdehnung, ausschließlich mit Filter oder Beheizung?
  • Handelt es sich bei der Lüftungsanlage um eine umfangreiche Anlage oder eine Anlage mit Befeuchter, Entfeuchter, Kühler, Wärmetauscher oder Wärmerückgewinnung?

Doch nicht nur für die Beschäftigten sind nicht funktionierende oder nicht gewartete Lüftungsanlagen eine Gefahr für die Gesundheit. Auch die Wartung von Lüftungsanlagen an sich hat ihre Tücken. Insbesondere in Befeuchtern/Befeuchterwasser, Luftfiltern, Kühlern, Kühlerkondensat, Rückkühlwerken, Ionenaustauschern, Dichtungsmaterialien, Schalldämpfern und auf sämtlichen Anlageteilen mit Staub oder Wassereintrag kann mikrobielles Wachstum auftreten. Reinigungs- und Wartungstätigkeiten an Lüftungsanlagen sind daher unter Berücksichtigung biologischer Gefährdungen als nicht gezielte Tätigkeiten nach der Biostoffverordnung (BioStoffV) zu bewerten. Entsprechend §§ 4,6 BioStoffV ist für das Wartungs-/Instandhaltungspersonal eine Gefährdungsbeurteilung beim nicht gezielten Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen unter Beachtung des Drittschutzes sowie bei Hygiene-, Schutz- und Reinigungsanforderungen durchzuführen.

Um sicherzustellen, dass an Lüftungsanlagen sachkundig gearbeitet wird, ist qualifiziertes, unterwiesenes, erforderlichenfalls arbeitsmedizinisch vorsorgeuntersuchtes Personal (Hersteller, Sachkundige für Hygienetätigkeiten nach VDI-Richtlinie 6022 bei Wartungsfirmen, Hygienekontrolleure, Hygieneinspektoren) erforderlich.

Wenn der Arbeitgeber seine Pflichten bezüglich der Wartung und Instandhaltung der Lüftungsanlage im Betrieb einhält, ist eine große Voraussetzung für ein gesundes "Betriebsklima" schon erfüllt.


Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

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