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Mief im Büro - Staub in der Produktion

Raumklima als Gesundheits- und Wirtschaftsfaktor

Stickige Luft im Großraumbüro, Mief im Besprechungszimmer, Späne, Staub und Gase in der Produktion – was tun, wenn die Luft am Arbeitsplatz so richtig schlecht ist? Ein Großteil der Arbeitnehmer in Deutschland hält sich den ganzen Tag in geschlossenen Räumen auf – ob in der Produktionshalle, im Büro, im Lager ... Da sollten ein gutes Raumklima und saubere Atemluft selbstverständlich sein. Manchmal ist auch für die zuverlässige Produktion eine bestimmte kontrollierte Luftqualität erforderlich - Stichwort "Reinraum". Doch wie erkennen Sie, ob das Raumklima an Ihrem Arbeitsplatz so ist, wie es sein sollte? Und wenn es das nicht ist, wie ändern Sie das? Hier finden Sie Tipps!

Im Bereich Gesundheitsschutz ist das Raumklima - neben Beleuchtung und Akustik - Teil der Ergonomie am Arbeitsplatz. Es sollte bei der Arbeitsplatzgestaltung beachtet werden.

Laut der Arbeitsstättenregel ASR A3.6 „Lüftung“ muss in umschlossenen Arbeitsräumen „gesundheitlich zuträgliche Atemluft“ herrschen. Die ASR A3.5 „Raumtemperatur“ schreibt für Arbeitsräume ohne betriebstechnisch spezifische raumklimatische Anforderungen eine „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ vor. Nein, der Arbeitsplatz muss keine Wellness-Oase sein – sondern gesundheitliche Probleme sollen vermieden werden. Psyche, Wohlbefinden und Gesundheit leiden unter einem schlechten Raumklima.


Folgen eines schlechten Raumklimas

Ein schlechtes Raumklima, stickige Luft, Hitze, lassen das Leistungsvermögen sinken und führen nicht selten zu ernsten gesundheitlichen Problemen. Zu trockene Luft kann bei Neurodermitis- oder Schuppenflechte-Patienten einen Krankheitsschub auslösen. Sind die Schleimhäute aufgrund zu trockener Raumluft ebenfalls trocken, macht das Krankheitserregern den Weg frei. Trockene Augen, juckende Haut, allergische Reaktionen, Kopfschmerzen oder Reizhusten können die Folgen schlechter Raumluft sein. Bei einer Schadstoffbelastung der Luft, etwa durch Geräteemissionen, Ausdünstungen von Möbeln oder Materialien oder gar Schimmelpilzbefall können Erkrankungen der Atemwege bis hin zu Krebs begünstigt werden. Bei begründetem Verdacht ist eine Schadstoffmessung also unerlässlich!


So geht gute Luft im Büro

Um ein gesundes Raumklima im Büro herzustellen, gilt es, folgende physikalische Faktoren zu beachten:

-    Die Temperatur sollte zwischen 20 und 22 Grad Celsius liegen. Sie sollte in Kopfhöhe und in mindestens 1 Meter Entfernung von der Wand gemessen werden. Eine Temperatur-Differenz von mehr als 4 Grad zwischen Fuß- und Kopfhöhe sollte vermieden werden.

-    Die Luftgeschwindigkeit sollte höchstens 0,15 m/s betragen – sonst besteht die Gefahr eines Zugs. Gemessen wird die Luftgeschwindigkeit übrigens mit einem Anemometer.

-    Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 60% liegen. Gemessen wird sie mit einem Hygrometer.

-    Wärmestrahlung kann von außen kommen, also etwa im Sommer durchs Fenster, aber auch Geräte strahlen Wärme ab, genauso wie der menschliche Körper. Bei zu viel Wärmestrahlung sollten Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Die eben genannten objektiven, messbaren Faktoren werden allerdings sehr unterschiedlich empfunden. Bestimmte persönliche Eigenschaften des Mitarbeiters (Gewicht, Geschlecht, psychische Faktoren) oder besondere Eigenschaften seiner Tätigkeit (zum Beispiel Körperhaltung, Schwere der Arbeit) haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie das Raumklima empfunden wird. Weitere Einflussgrößen sind die Anzahl und Ausrichtung von Fensterflächen, die Art von Baumaterialien und die Verwendung von Maschinen und Geräten.


Sick-Building-Syndrom

Treten bei mehreren Mitarbeitern im Gebäude die gleichen Symptome auf (Halskratzen, trockene Augen …), die aber keiner konkreten Gefahrenquelle zugeordnet werden können, spricht man oft vom Sick-Building-Syndrom. In der Broschüre „Innenraumarbeitsplätze – Vorgehensempfehlung für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld“ der DGUV finden Sie Hilfe, wie Sie solchen Symptomen auf den Grund gehen und Abhilfe schaffen können.


So bleiben Sie im Winter-Büro fit und gesund

Sie können selbst einiges dafür tun, dass Sie den Winter im Büro gut überstehen: Sorgen Sie für die nötige Frischluftzufuhr. Stoßlüften ist hier das Zauberwort. Als Anhaltswert wird in Büroräumen eine Lüftung nach 60 Minuten, in Besprechungsräumen nach 20 Minuten empfohlen – so steht es in der ASR A3.6 geschrieben. Wie lange Sie lüften sollten, hängt von der Außentemperatur ab. Als Faustregel gilt:

Sommer: bis zu 10 Minuten

Frühling und Herbst: 5 Minuten

Winter: 3 Minuten

Generell ist die Lüftung einer Klimatisierung vorzuziehen.

Außerdem sollten Sie sich selbst genug Bewegung verschreiben und darauf achten, ausreichend zu trinken. Auch wenn man es in der kalten Jahreszeit nicht merkt: Der Körper verliert Flüssigkeit und die muss durch ausreichendes Trinken wieder „aufgefüllt“ werden.


Schadstoffe – Gefahr in der Luft

Wenn Sie in einem Bereich arbeiten, in dem Schadstoffe entstehen – beispielsweise in der Metall- oder Holzbearbeitung, im Bau, in der Produktion … –, muss der Arbeitgeber für ein besseres Raumklima und die Einhaltung von Grenzwerten (TRGS 900: "Arbeitsplatzgrenzwerte“) sorgen. Mittel der Wahl sind hier die Prävention, also die Anschaffung emissionsarmer Maschinen auf dem neuesten Stand der Technik, oder die Substitution gefährlicher Stoffe. Sollten diese Möglichkeiten ausgeschöpft sein, sollten technische Maßnahmen angewendet werden: Absaugen, Abpumpen und Abscheiden sind hier die Mittel der Wahl. Sollten auch diese Möglichkeiten nicht die nötige Besserung bringen, dann muss der Arbeitgeber geeignete Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung stellen.

Vorschriften, die hier greifen können, sind neben dem grundlegenden Arbeitsschutzgesetz die Biostoffverordnung, die Gefahrstoffverordnung, die ATEX-Richtlinie bzw. auf nationaler Ebene die Explosionsschutzverordnung (Stäube und Gase können explosiv sein!), REACH oder CLP …

Informationen sind hier natürlich wichtig. Welche Gefahrstoffe entstehen? Wie können sie vermieden werden? Wie muss mit ihnen bei der täglichen Arbeit umgegangen werden? Ein Best-Practice-Beispiel für ein solches Informationsportal ist das Gefahrstoff-Informationssystem GISBAU der BG BAU. Hier finden sich Informationen über Gefahrstoffe beim Bauen und Reinigen, Gefahrstoff-Broschüren zum Herunterladen, Hilfen für die Gefährdungsbeurteilung, Expositionsbeschreibungen, entschlüsselte Produkt-Codes auch per App …


Sonderfall Reinraum

In einigen Bereichen der Produktion und der Industrie ist es mit der schnöden Messung der oben genannten Parameter für ein gesundes Raumklima nicht getan. Für spezielle Fertigungsverfahren, etwa in der Halbleiterherstellung, in der Optik- oder der Lasertechnologie, in der Raumfahrttechnik, in Medizin, Labor und Forschung ist es oft nötig, einen Reinraum einer bestimmten Reinraumklasse herzustellen. Im Reinraum wird die Konzentration luftgetragener Teilchen, etwa die Partikelanzahl oder die Anzahl von Keimen in der Luft, genauestens kontrolliert. Auch Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Druck werden meist konstant gehalten, um die Bedingungen im Raum einheitlich zu gestalten. Dies geschieht mit sogenannter Reinraumtechnik. Einrichtung, Anlagen, Geräte und Kleidung der Mitarbeiter müssen hier spezielle Bedingungen erfüllen. Der Zugang zum Reinraum erfolgt meist über Schleusen. Filterung und Absaugung sorgen für den gewünschten Zustand im Reinraum.

Maßnahmen für ein gutes Raumklima und reine Luft am Arbeitsplatz gibt es also je nach Problemlage einige: Lüften, Schadstoffe absaugen, Sonnenschutzvorrichtungen anbringen, Emissionsquellen beseitigen, isolieren, Arbeitsschwere reduzieren, atmungsaktive leichte Kleidung oder PSA tragen … Sorgen Sie für gute, reine Luft am Arbeitsplatz!

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