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Mehr Arbeitsschutz im Straßen- und Brückenbau

15.000 Unfälle sind zu viel!

Die Gefährdungen beim Straßen- und Brückenbau sind vielseitig – deshalb sind Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz hier besonders wichtig – darauf weist die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) hin. "Daher ist es wichtig, dass Straßenbaubehörden, Planer, Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinatoren abgestimmt mit Unternehmern und den betrieblichen Spezialisten für den Arbeitsschutz handeln." Das betonte Frank Werner, stellvertretender Leiter der Abteilung Prävention der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), im Rahmen der Fachtagung "Arbeitsschutz bei Straßen- und Brückenbaustellen" am 17. März 2014 in Hannover.

Allein um Straßen und Brücken in gutem Zustand zu erhalten, sind künftig viele Baustellen zu erwarten. Wie wichtig es ist, Gefährdungen vorausschauend zu beurteilen und die Arbeitsschutz-Vorschriften einzuhalten, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Rund 15.000 Arbeitsunfälle von Beschäftigten im Straßenbau registrierte die BG BAU jeweils in den Jahren 2012 und 2013. "Die Folgen sind Leid für die Betroffenen und hohe Kosten für die Gemeinschaft der versicherten Unternehmen", so Werner. Nach einem schweren Arbeitsunfall entstehen Aufwendungen für Heilbehandlung und medizinische sowie berufliche Rehabilitation, deren Kosten im sechsstelligen Bereich liegen können.


Gefährlich: Arbeit neben fließendem Verkehr

Beschäftigte auf Straßenbaustellen müssen oft direkt neben dem fließenden Verkehr arbeiten. Dort sind sie durch zu hohe Geschwindigkeiten, zu enge Fahrstreifen oder unbeabsichtigte Lenkbewegungen der Autofahrer stark gefährdet. Immer wieder sind schwere und tödliche Unfälle die Folge. "Dabei haben auch die Beschäftigten im Straßenbau ein Anrecht auf sichere Arbeitsplätze. Für qualitativ hochwertige Arbeit benötigen sie genügend Platz und einen zusätzlichen Sicherheitsabstand zum vorbeirauschenden Verkehr", sagte Horst Leisering, Leiter des Sachgebiets Tiefbau der BG BAU.

Die im Dezember 2013 vom Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) beschlossene Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR A5.2) "Straßenbaustellen - Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege auf Baustellen im Grenzbereich zum Straßenverkehr" setzt nun Standards fest. Die Veröffentlichung wird für die erste Jahreshälfte 2014 erwartet. Die ASR enthält beispielsweise die erforderlichen Maßangaben zum seitlichen Abstand zwischen Arbeitsplätzen und vorbeifließendem Verkehr sowie Mindestbreiten von Arbeitsplätzen und Verkehrswegen - in Abhängigkeit von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und den eingesetzten Arbeitsmitteln und -verfahren. Ein praktisches Hilfsmittel, um Straßenbaustellensicherer planen und auszuführen zu können.


Gefährlich: Arbeit mit Erd- und Straßenbaumaschinen

Auch beim Einsatz von Erd- und Straßenbaumaschinen können Unfallrisiken gemindert werden. Auftraggeber können durch Vorgaben in der Leistungsbeschreibung festlegen, dass nur Baumaschinen und Lkw zum Einsatz kommen, deren Sichtverhältnisse zuvor im Hinblick auf tote Winkel geprüft wurden. "Fahrzeuge, die diesen Test nicht bestehen, sollten die eingeschränkte Sicht durch Kamera-Monitorsysteme ausgleichen", erläuterte Leisering. Zusätzlich müssen die Beschäftigten bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen sowie in der Dunkelheit gesehen werden können. Saubere Warnkleidung, etwa Warnhosen oder Warnjacken, mit großen Reflex-Streifen ist dafür nötig.


Gefährlich: Einsatz von Lasertechnik

Zudem ergeben sich durch den Einsatz von Lasertechnik auf Baustellen Gefährdungen, die oft unterschätzt werden. Lasergeräte werden hier vor allem zur Vermessung eingesetzt, so beim Einmessen von Schalungen, Planierarbeiten oder im Tunnelbau. Inzwischen verwenden Unternehmen auch starke Laserdioden. Wenn diese nicht fachgerecht eingesetzt werden, können sie die Augen von Beschäftigen schädigen oder sie blenden. Mögliche Folgen sind Verkehrsunfälle oder Abstürze. Deswegen müssen Unternehmer den Einsatz strahlungsintensiver Laser (Klassen 3 und 4) bei der BG BAU anzeigen und einen fachkundigen Laserschutzbeauftragten bestellen.


Gefährlich: Arbeiten in der Höhe

"Mit häufig schweren Verletzungen der Beschäftigten oder sogar tödlichem Ausgang sind außerdem einstürzende Traggerüste, umfallende Konstruktionen und kollabierende Tragsysteme verbunden. Speziell im Straßen- und Brückenbau ist aufgrund exponierter Höhen-Arbeitsplätze die Gefahr eines Absturzes von Mensch und Material überdurchschnittlich hoch". Darauf wies Dr. Marco Einhaus, Leiter des Sachgebiets Hochbau der BG BAU, hin. Betonierarbeiten an Schalungen mit anschließender Betonverdichtung werden in der Baupraxis immer noch häufig von unsicheren Standplätzen ausgeführt. Bei solchen Tätigkeiten sind sicherheitstechnische Aspekte schon in die Planung einzubeziehen. Die Unternehmen in der Pflicht, die sicherheitstechnischen Anforderungen zu beachten.


Arbeitsschutz für alle

"Dem präventiven Arbeitsschutz dient auch der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (Si-Ge-Plan), den Bauherren oder von ihm beauftragte Dritte für Baustellen erstellen müssen, wenn dort Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden oder besonders gefährliche Arbeiten anfallen", erklärte Frank Werner. Darin werden unter anderem die räumliche und zeitliche Zuordnung der Arbeitsabläufe und die Maßnahmen zur Gefährdungsverringerung geregelt. Ergänzt wird das in der Praxis regelmäßig durch eine Baustellenordnung, die den störungsfreien Bauablauf unterstützt.

Falls trotz aller Präventions-Maßnahmen Unfälle eintreten, muss es ein funktionierendes Rettungskonzept geben. Durch eine Gefährdungsbeurteilung kann zum Beispiel ermittelt werden, welche Rettungs-Transportmittel und Rettungsgeräte während der verschiedenen Bauphasen auch an besonders unzugänglichen Orten, beispielsweise auf Brückenpfeilern oder in tiefen Baugruben bereitzuhalten sind. Dazu Werner: "Durch die Dynamik von Straßen- und Brückenbaustellen können sich die Bedingungen ständig verändern. Daher sind die Konzepte im Rahmen des SiGePlans regelmäßig zu überprüfen und bedarfsgerecht anzupassen."


Erhöhtes Gesundheitsrisiko im Straßenbau

Gesundheitsrisiken drohen aber nicht nur durch Unfälle. Wie Untersuchungen des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes der BG BAU bei knapp 1.500 Arbeitnehmern zeigten, leiden Straßenbauer häufiger als Beschäftigte der Baubranche insgesamt unter Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sowie unter Lärmbelastungen. Außerdem sind sie oft einer hohen Staubbelastung ausgesetzt. Stäube entstehen im Straßenbau vor allem bei Abbrucharbeiten, bei Fräsarbeiten und auf den Baustellen-Fahrstraßen. "Bei Abbrucharbeiten ist deshalb vor allem darauf zu achten, dass die Fahrerkabinen geschlossen sind. Auf den Fahrstraßen der Baustellen wird überwiegend an trockenen Tagen von den Baumaschinen und Lkw viel Staub aufgewirbelt, der durch Bewässerung mit Zusätzen im Wasser nachhaltig gebunden werden kann", ergänzte Werner.

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