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Sicher arbeiten an Photovoltaikanlagen

Tipps für Installation, Wartung, Rettungseinsätze

Solaranlagen gibt es in Deutschland so viele wie nirgends sonst auf der Welt. Um die Arbeit daran so sicher wie möglich zu gestalten, sind Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Wenn Licht vorhanden ist, liegt an der Photovoltaikanlage eine elektrische Spannung an. Personen, die bei der Installation und Wartung oder bei einem Rettungseinsatz mit einer Photovoltaikanlage in Kontakt kommen, sind besonders gefährdet. Der Gesetzgeber schreibt daher im Arbeitsschutzgesetz verpflichtende Sicherheitsvorkehrungen für den Umgang mit Photovoltaikanlagen vor.


Prüfung nur durch ausgebildete Fachkräfte

Wie an allen Arbeitsplätzen gilt: Zur Gefährdungsermittlung ist eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Darin wird festgehalten, welche Risiken es am Arbeitsplatz gibt und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. Ist eine Anlage installiert, misst der Installateur zur Abnahme den Strom. Die Stränge erreichen bis zu 1.000 Volt Gleichspannung, deswegen darf diese Messung nur eine dafür ausgebildete Elektrofachkraft übernehmen. „Bei Arbeiten an spannungsführenden Leitungen empfiehlt es sich immer, Isoliermatten zu nutzen“, sagt Werner Lüth, Experte für Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland.


Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz

Bei allen Dachformen besteht für den Beschäftigten Absturzgefahr. Geländer, Auffanggerüste oder Auffangnetze können sinnvolle technische Schutzmaßnahmen sein. Festes Schuhwerk mit geeigneter Sohle und Auffanggurte sollten Teil der PSA sein. Falls doch etwas passiert, muss eindeutig geregelt sein, wer die Erste Hilfe übernimmt.

Die Eignungsuntersuchung „Arbeiten mit Absturzgefahr“ ist freiwillig. Werner Lüth empfiehlt sie jedem, der an Photovoltaikanlagen auf Dächern arbeitet. Neben der Absturzgefahr spielen bei Dacharbeiten auch physikalische Einflüsse beim Einsatz von Maschinen und Werkzeug, das Wetter und Gefahrstoffe eine Rolle.


Auch die Feuerwehr muss geschult sein

Beim Brand einer Photovoltaikanlage besteht für die Feuerwehr die größte Gefahr durch herabstürzende Teile, denn die Halterung der Module kann bei 300 Grad Celsius instabil werden. Bei einer Gleichspannungsleitung bis 1.000 Volt ist außerdem ein größerer Löschabstand Vorschrift. „Beim Sprühstrahl gilt ein Meter, beim Vollstrahl fünf Meter Abstand“, erläutert Werner Lüth. Stehen der Wechselrichter, der Gleich- in Wechselstrom wandelt, oder die Gleichstromleitung unter Wasser, darf die Feuerwehr dort nicht eingreifen.


Tageslicht=elektrische Spannung

Wer sich für eine Photovoltaikanlage entscheidet, sollte sich mit der Norm VDE 0100-712 vertraut machen. Danach muss vor dem Wechselrichter ein Gleichstromfreischalter eingebaut werden. Damit wird die Gleichstromeinspeisung am Wechselrichter unterbrochen. Aber Vorsicht: Bis zum Trennschalter liegt nach wie vor die volle Gleichspannung, bis zu 1.000 Volt, an. Eine „Notausschalter“-Pflicht für Photovoltaikanlagen gibt es nicht. „Aber es besteht die Möglichkeit, die Freischaltstelle möglichst nah und gut erreichbar an der Anlage anzubringen, beispielsweise auf dem Dachboden. Dann wird der Gleichstrom nicht erst kurz vor dem Wechselrichter, der sich meist im Keller befindet, sondern schon früher unterbrochen“, erklärt Werner Lüth. Die Anlage selbst steht zwar dann immer noch unter Strom, aber die durchs Haus laufenden Leitungen nicht mehr.

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