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Bauwirtschaft: Zahl der Asbesttoten steigt

Höhepunkt der Erkrankungswelle kommt erst in den nächsten Jahren

Das Ausmaß der Asbestkatastrophe wird immer deutlicher sichtbar: 1994 wurden in der Bauwirtschaft 119 Todesfälle durch Asbest verzeichnet, 2012 waren es 281! Damit gab es im Jahr 2012 am Bau über dreimal mehr Asbesttote als tödliche Arbeitsunfälle. Auch die Zahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit durch Asbest steigt nach wie vor: Von gut 900 im Jahr 1994 auf 2.038 im Jahr 2012. Und noch mehr unglaubliche Zahlen: Zwischen 1994 und 2012 starben über 4.000 Bauleute an den Folgen von Asbest. In der gewerblichen Wirtschaft insgesamt waren es 25.500 Beschäftigte. 75 Millionen Euro brachte die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) allein im Jahr 2012 für asbestbedingte Erkrankungen auf. Diese flossen in Heilbehandlungen, Renten und andere Leistungen. "Doch in diesen Zahlen kommt das qualvolle Leiden und Sterben der betroffenen Menschen nur unzureichend zum Ausdruck", sagte Bernhard Arenz, Präventionsleiter der BG BAU. Anlass der erschütternden Meldung ist der Tag für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz am 28. April.


Noch lange keine Entwarnung

Die Zahl der durch Asbest verursachten Erkrankungen und Tode in der Bauwirtschaft steigt also weiter an. Seit 1993 ist es in Deutschland zwar verboten, Asbest zu verarbeiten. Doch Anlass für Entwarnung sieht die BG BAU noch lange nicht. "Bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten kommen Beschäftigte weiterhin mit Asbest in Berührung. Bei solchen Arbeiten ist höchster Sicherheitsstandard dringend geboten", berichtet Arenz.

Auch die Prognosen sind nicht gut: Die Erkrankungsrate wird ihren Höhepunkt wohl erst in den nächsten Jahren erreichen. Erst Jahrzehnte nach der Einwirkung treten die Erkrankungen auf. Viele davon gehen auf Gefährdungen zwischen den 1960er und 1980er Jahren zurück, als die Beschäftigten noch ohne ausreichende Schutzmaßnahmen zu Werke gingen. Heute kommen die Beschäftigten beim Entfernen asbesthaltiger Zementplatten, Fußbodenbeläge oder Kleberrückstände oder bei der Wartung von Heizungsanlagen mit asbesthaltigen Dichtungen mit Asbest in Berührung. Und das sind nur einige Beispiele für Arbeiten mit dem gefährlichen Stoff.


Das richtet Asbest an

Die nadelförmigen Teilchen des Asbeststaubes sind biobeständig - sie lösen sich also nicht im Körper auf, sondern lagern sich in der Lunge ab oder durchdringen das Lungengewebe. Dadurch wird die Lunge geschädigt und das Atmen fällt immer schwerer. Das Erkrankungsrisiko steigt mit der Höhe der Faserbelastung. Die Asbeststaublunge (Asbestose) gehört heute zu den häufigsten Berufskrankheiten. Noch gravierendere Auswirkungen haben die bösartigen, durch Asbest ausgelösten Erkrankungen Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs, sowie Rippenfellkrebs. In seltenen Fällen sind das Bauchfell oder der Herzbeutel betroffen.

"Um heute den Schutz der Beschäftigten vor asbestbedingten Erkrankungen zu gewährleisten, muss vor Beginn von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, geklärt werden, ob in dem Gebäude asbesthaltige Materialien verbaut wurden. Hier ist insbesondere der Auftraggeber gefragt, Informationen zu liefern", betonte der Präventionsleiter der BG BAU. Nur auf dieser Grundlage sei es möglich, Gefährdungen durch Asbest zu erkennen und die notwendigen Schutzmaßnahmen festzulegen. "Dazu zählen insbesondere staubarme Arbeitsverfahren, eine besondere Baustelleneinrichtung und der konsequente Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung in Form von Atemschutz und Schutzanzügen. Und die Arbeiten dürfen nur unter der Aufsicht einer sachkundigen Person ausgeführt werden", so Arenz weiter. Eine weitere wichtige Maßnahme ist die individuelle arbeitsmedizinische Vorsorge, die für die Beschäftigten zu veranlassen ist. Fragen zum Thema beantwortet die BG BAU gerne.

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