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BGF und BGM in KMU - Gesundheitsförderung in kleinen und mittleren Betrieben

Ansätze, Ideen und nützliche Links

Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten sind die Ziele des Arbeitsschutzgesetzes. Es regelt die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Arbeitsunfälle sollen durch Mindeststandards vermieden und berufsbedingten Krankheiten soll vorgebeugt werden; seit 2013 ist ausdrücklich die Einbeziehung der psychischen Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung geregelt… Krankheiten zu behandeln und rein arbeitsmedizinisch vorzubeugen sollte heute aber nicht mehr das Maß aller Dinge sein. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) heißt das Zauberwort. Und die sollte in Unternehmen, denen ihre Mitarbeiter, ihr wirtschaftlicher Erfolg und ihr Image wichtig sind, über das gesetzliche Mindestmaß hinaus stattfinden.

Wenn Betriebe mit vereinzelten Angeboten die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern, ist das eine schöne Sache. Untersuchungen haben aber auch ergeben, dass eine nachhaltige Wirkung nur erreicht wird, wenn die Gesundheitsförderung mit System betrieben wird – in einem systematischen betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Dabei werden alle Strukturen und Prozesse im Unternehmen gesundheitsförderlich gestaltet.


Verhältnisprävention und Verhaltensprävention - zwei, die zusammen gehören

Ziele von BGF und BGM sind die Verhältnisprävention, also die individuelle Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen, etwa durch ergonomische Möbel. Hilfsmittel für den Transport von Lasten, gutes Raumklima, ideale Beleuchtung, Lärmschutz ... Aber auch die Verhaltensprävention, also das gesundheitsförderliche Verhalten jedes Beschäftigten, spielt eine große Rolle: Schließlich kann jeder nur gesund bleiben, wenn er gesund lebt – am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Eins ist also klar: Die Verantwortung für gesunde Mitarbeiter tragen alle – Arbeitgeber als auch die Beschäftigten selbst.


KMU hadern mit BGM & Co.

In großen Unternehmen sind BGM verbreitet – in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch lange nicht. Eine heikle Angelegenheit von enormem Ausmaß, wenn man bedenkt, dass nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mehr als 60% der Erwerbstätigen in KMU arbeiten und 99,3% der deutschen Unternehmen KMU sind.

Die Umsetzung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen hinkt der Einstellung der Verantwortlichen scheinbar hinterher: Ideell sehen laut einer Umfrage der B.A.D. GmbH und des Kölner Marktforschungsinstituts YouGov 63% der Verantwortlichen BGM als das zukunftsrelevanteste Thema für betriebliche Prävention – noch vor der psychosozialen und Stress-Prävention (57%) sowie der ergonomischen und alternsgerechten Arbeitsplatzgestaltung (48%). Ein Drittel der befragten Unternehmen bietet aber keinerlei BGM-Maßnahmen an. Das könnte daran liegen, dass nur 0,5% der Entscheider und Verantwortlichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz tatsächlich als Risikofaktor für ihren eigenen Betrieb sehen, wie der TÜV Rheinland in einer Risikostudie herausfand. „Deutsche Unternehmen zwischen Mut und Leichtsinn“ titelte der TÜV Rheinland damals über die enorme „Risikobereitschaft“ – böse Zungen könnten von Ignoranz gegenüber der Realität sprechen.


Das sind die Hürden - und die Erfolge

Oft lassen sich Verantwortliche von den Kosten und dem Aufwand, den gesundheitsfördernde Maßnahmen mit sich bringen, abschrecken. Gerade in KMU scheinen die Ressourcen für betriebliche Gesundheitsförderung oft zu fehlen. Doch das ist kurzfristig und nicht wirtschaftlich gedacht! Natürlich lassen sich ein Seminar über Ernährung oder ein Sportkurs nicht heute durchführen und morgen in konkreten Zahlen als Erfolg messen. Untersuchungen der unterschiedlichsten Institutionen sind sich aber einig: Gesundheitsförderung und Prävention zahlen sich aus – ob der „Return on Prevention“ wie von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) errechnet nun bei 2,2 (für jeden eingesetzten Euro bekommen Sie 2,20 Euro zurück) oder der Return on Investment nach Angaben der Felix-Burda-Stiftung sogar bei 5 bis 16 Euro liegt – Gesundheitsförderung lohnt sich. Krankenstand und Fluktuation sinken, zufriedene und gesunde Mitarbeiter sind team- und leistungsfähiger und bringen einen wirtschaftlich größeren Erfolg für den Betrieb. Ausfallzeiten und Unfallzahlen sind nicht mehr die allein wichtigen KPIs – heute zählen die Gesundheitswerte!


Vom Glück der Arbeitnehmer ...

Wie wichtig die Arbeitgeber BGM nehmen sollten, zeigt auch die Sicht der Arbeitnehmer. Damit Beschäftigte bei der Arbeit glücklich sind und die Arbeitsmoral auf Top-Niveau ist, braucht es:

  • ein gutes Arbeitsverhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten
  • flexible Arbeitszeiten
  • ein gutes Verhältnis zu Kollegen, auch über die Arbeitszeit hinaus
  • BGF und BGM

Damit liegt die betriebliche Gesundheitsförderung noch weit vor kostenlosen Getränken oder individueller Schreibtischgestaltung mit dem Bild der Liebsten. Das hat die Studie „Arbeitsmotivation 2014“ der Manpower Group ergeben, für die im Februar 2014 1.000 Bundesbürger über 18 Jahren befragt wurden.


Das könnten Sie verbessern - Beispiele

Aspekte, an denen die Gesundheitsförderung ansetzen kann, sind folgende:

  • Besonders belastende Arbeitsumstände (wie etwa Schichtarbeit, Nachtarbeit) möglichst human gestalten und auf die Bedürfnisse der Beschäftigten ausrichten; mehr Handlungsspielräume und Mitbestimmung ermöglichen
  • In Räumen ein Wohlfühlklima schaffen, das über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht
  • Gesundheitskurse anbieten, etwa Raucherentwöhnung, Entspannung, Bewegung Suchtprävention ... Was früher die Rückenschule war, ist in der modernen, mobilen, immer internationaler werdenden Arbeitswelt Meditation und Yoga. Die Bedürfnisse in der Gesundheitsvorsorge haben sich in Richtung psychische Gesundheit und "weiche Faktoren" geändert 
  • Für gesunde Ernährung sorgen, etwa durch Qualität in der Kantine, durch „Obsttage“ mit von der Firma bereitgestelltem Obst …
  • Arbeitskleidung bereitstellen oder die Anschaffung unterstützen, auch wenn keine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) erforderlich ist, zum Beispiel bequeme Schuhe für Beschäftigte in Stehberufen …
  • Ein gutes Arbeitsklima und im wahrsten Sinne des Wortes ein „gesundes Miteinander“ unter den Kollegen und zwischen Mitarbeitern und Chef schaffen, etwa durch Firmenausflüge, Sprachkurse für bessere Integration ausländischer Beschäftigter, Mitbestimmung der Beschäftigten, Verbesserung der Führungskultur ...

Einige BGM-Maßnahmen werden sogar von den Krankenkassen gefördert. Ein Steuerfreibetrag von 500 Euro pro Jahr pro Mitarbeiter gilt für Angebote im Rahmen des Präventionsleitfadens der Spitzenverbände und Krankenkassen bzw. der §§20 und 20a des Fünften Sozialgesetzbuchs.

Doch mit dem schlichten Angebot ist es nicht getan. Die Gesundheitsförderung muss im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR), einer sozial verantwortungsvollen Unternehmenskultur, auf allen Unternehmensebenen implementiert werden. Auch dem Chef muss es ernst sein mit der Gesundheit seiner Mitarbeiter. Niemand darf schräg angeschaut werden, wenn er nach flexiblen Arbeitszeiten fragt, ein Beratungsangebot wahrnimmt oder aus gesundheitlichen Gründen aus den Nachtschichten aussteigen muss. Erst vor Kurzem stärkte ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts einer Schicht arbeitenden Krankenschwester den Rücken, die wegen einer medikamentösen Behandlung nicht mehr nachts arbeiten konnte. Dem Arbeitgeber, einem Krankenhaus, sei es aufgrund seiner Größe zuzumuten, auf die Belange der Mitarbeiterin einzugehen. Eine Kündigung wurde für unwirksam erklärt.


Die grundlegenden Schritte für ein BGM

Mit folgenden Schritten implementieren Sie ein BGM:

  • Analyse, Bestandsaufnahme, Auswertung aktueller KPIs, Gefährdungsbeurteilung, Schwachstellen aufdecken; herausfinden, welche BGF-Maßnahmen ins Unternehmen passen (Qualität statt Quantität!)
  • Vorbereitung, Planung, immer die Ziele und Handlungsfelder im Blick haben, Arbeitkreis Gesundheit ins Leben rufen und Beteiligte einbeziehen
  • Prioritäten festlegen; beziehen Sie die Mitarbeiter mit ein!
  • Maßnahmen durchführen
  • Wirksamkeit prüfen
  • wenn nötig Nachbesserung und Ergänzung der Maßnahmen

Zugegeben: Es ist für KMU wirklich schwerer, sich mit BGF und BGM auseinanderzusetzen und ein solches System zu schaffen, während es dafür in großen Firmen eigene Abteilungen gibt. Deswegen gibt es viele Broschüren, Hilfen oder Tipps, wie etwa den Leitfaden „Betriebliches Gesundheitsmanagement in KMU“ vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz. Eine Checkliste vom Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der DGUV soll dabei helfen, den Status Quo des BGM im Unternehmen zu erfassen. Vorbildliche Unternehmen können sich für den Corporate Health Award (CHA) bewerben. Auch eine Fachmesse zum Thema gibt es: Die Corporate Health Convention (CHC), Fachmesse für betriebliche Gesundheitsförderung und Demografie, findet am 20. und 21. Mai zum vierten Mal statt. Hier dreht sich alles um Prävention, BGF, strukturiertes BGM. Dienstleister bieten die Planung, die Entwicklung und die Umsetzung von BGM-Maßnahmen auch speziell für KMU an.

BGM und BGF sind mit Sicherheit keine Eintagsfliegen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, in denen sich Bewerber ihre Arbeitgeber gezielter aussuchen können, werden Gesundheitsangebote zum echten Wettbewerbsfaktor. Kleine und mittlere Unternehmen können Hilfe bei der Planung und Umsetzung in Anspruch nehmen - ob kostenlos als Infos und Leitlinien im Internet oder von Dienstleistern. Unsere Gesundheit sollte es uns wert sein, dass wir uns mit dem Thema befassen!

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