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Bereitstellung und Nutzung von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA)

Pflichten für Arbeitgeber und Beschäftigte

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) kann Leben retten. Das ist klar. Doch wer muss PSA wann zur Verfügung stellen? Und wer muss sie wann tragen? Themen, die immer wieder zu Unstimmigkeiten in Betrieben führen. Dabei ist die Rechtslage ganz klar: Welche die besten Maßnahmen gegen arbeitsplatzbezogene Gefährdungen sind, geht aus der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung (§§ 5,6 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG, § 3 Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV, § 3 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV, § 6 Gefahrstoffverordnung - GefStoffV, § 4 Biostoffverordnung - BioStoffV) hervor. Wenn Gefahrstoffe eingesetzt werden, sind reachkonforme Sicherheitsdatenblätter (insbesondere Abschnitt 8) bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung eine wichtige Bewertungsgrundlage. Jeder Arbeitgeber hat alle möglichen und sinnvollen technischen und organisatorischen Arbeitsschutzmaßnahmen sowie bei Gefahrstoffen das Substitutionsgebot zu verfolgen. Erst wenn diese ausgeschöpft sind, muss er individuelle Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu zählt auch die Verwendung von PSA am Arbeitsplatz.

Diese Rangordnung wird im Arbeitsschutz als S-T-O-P-Prinzip bezeichnet.

  • S ubstitution von Gefahrstoffen
  • T echnische Arbeitsschutzmaßnahmen, wie Kapselung, Gerüste, Absperrungen …
  • O rganisatorische Arbeitsschutzmaßnahmen, wie Zutrittsbeschränkungen, Unterweisungen …
  • P ersönliche Arbeitsschutzmaßnahmen, wie Sicherheitsschuhe, Handschuhe, Helme …

Übrigens: Arbeitskleidung bietet keine besonderen ausgelobten Schutzfunktionen. Unter Schutzkleidung versteht man dagegen Kleidung, die gegenüber bestimmten Gefahren bzw. Risiken einen Schutz bietet. Schutzkleidung wird in einem Labor geprüft und anschließend zertifiziert. Ihr Einsatz ist laut Gesetz auf ein Mindestmaß zu beschränken, denn er bedeutet immer Einschränkungen des Beschäftigten und setzt eine hohe Trageakzeptanz voraus. Die Kosten für Arbeitskleidung müssen im Gegensatz zur Schutzkleidung im Regelfall nicht vom Arbeitgeber übernommen werden.


Der Arbeitgeber muss seinen Beschäftigten nach § 3 ArbSchG geeignete PSA bzw. Schutzkleidung, die der 8. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (8. ProdSV) entspricht, kostenlos zur Verfügung stellen. Er ist außerdem für Wartung, Pflege, Lagerung und Ersatz verantwortlich. Bei Praktikanten ist die Schule in der „Bereitstellungspflicht“, bei Zeitarbeitnehmern meist der Verleiher.

Zur PSA gehören

  • Kopfschutz
  • Absturzsicherung
  • Atemschutz
  • Handschutz
  • Hautschutz
  • Gehörschutz
  • Augen- und
  • Gesichtsschutz
  • Schnitt- und Stechschutz
  • Fuß- und Knieschutz
  • Schutzkleidung

Bevor ein Beschäftigter PSA zum ersten Mal verwendet, muss der Arbeitgeber mit dem Betriebsarzt klären, ob arbeitsmedizinische Vorsorge notwendig ist. Dies gilt besonders beim Einsatz von Atemschutz und PSA gegen Absturz (PSAgA). Bei Änderungen der Arbeitsprozesse oder bei Grenzwertanpassungen muss der jeweilige Arbeitsplatz neu evaluiert und die bestehende PSA auf ihre Eignung für die veränderten Bedingungen überprüft werden.


Rechtliche Grundlagen für die Bereitstellung und den Einsatz von PSA

Die Grundlage für die Bereitstellung neuer PSA auf dem Markt ist die Richtlinie 89/686/EWG (Richtlinie des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen). Hersteller müssen diese „PSA-Richtlinie“ seit dem 1. Juni 1995 anwenden. Sie regelt die Bedingungen für das Bereitstellen auf dem Markt und den freien Verkehr innerhalb der Europäischen Union als auch die grundlegenden Sicherheitsanforderungen, die die PSA erfüllen muss, um die Gesundheit der Benutzer zu schützen und deren Sicherheit zu gewährleisten (Anhang II der PSA-Richtlinie).

Übrigens: Die PSA-Richtlinie wird derzeit überarbeitet. Im April 2014 hat die Europäische Kommission einen Entwurf für eine „PSA-Verordnung“ veröffentlicht und ein Dokument herausgegeben, das die wichtigsten Änderungen zusammenfasst. Die Regelungen zu PSA sollen mit einer neuen PSA-VO eindeutiger, einfacher und praxisrelevanter werden und für besseren Arbeitsschutz sorgen. Laut der Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) dürfte die PSA-VO allerdings frühestens Anfang 2016 verabschiedet werden.


Folgende Vorschriften, sowohl aus nationalem als auch aus staatlichem Recht, gelten für den Bereich der PSA:

  • Das Arbeitsschutzgesetz regelt die Bereitstellung und Benutzung als auch die Unterweisungspflicht (§§ 3,4 und 15).
  • Die PSA-Benutzungsverordnung befasst sich ebenfalls mit der Bereitstellung durch den Arbeitgeber und die Benutzung durch den Beschäftigten.
  • Das Produktsicherheitsgesetz regelt das Inverkehrbringen.
  • Die Betriebssicherheitsverordnung macht Vorgaben zu Bereitstellung und Prüfung von PSA.
  • Aus dem autonomen Recht der Unfallversicherungsträger ist die Unfallverhütungsvorschrift BGV A1, §§ 29-31, zu beachten.


Was wird als Persönliche Schutzausrüstung bezeichnet?

Persönliche Schutzausrüstung nach § 1 Abs. 2 PSA-BV ist: „… jede Ausrüstung, die dazu bestimmt ist, von den Beschäftigten benutzt oder getragen zu werden, um sich gegen eine Gefährdung für ihre Sicherheit und Gesundheit zu schützen, sowie jede mit demselben Ziel verwendete und mit der persönlichen Schutzausrüstung verbundene Zusatzausrüstung.“ PSA schützt vor physikalischen, chemischen und biologischen Einwirkungen und bietet einen wirkungsvollen Schutz vor Unfällen oder Berufskrankheiten.

Die PSA-Richtlinie unterscheidet drei Zertifizierungskategorien:

  • Kategorie I: Hier sind alle einfachen PSA erfasst, deren Wirksamkeit gegenüber geringfügigen Risiken der Benutzer selbst beurteilen kann, z. B. Gartenhandschuhe oder Knieschützer. Hersteller oder Bevollmächtigte müssen eine EG-Konformitätserklärung erstellen.
  • Kategorie II: PSA, die nicht in Kategorie I und III fällt, zum Schutz vor mittleren Risiken, wie etwa Industrieschutzhelme. Der Hersteller oder sein Bevollmächtigter muss eine EG-Konformitätserklärung erstellen, nachdem eine notifizierte Stelle eine Baumusterprüfbescheinigung ausgestellt hat.
  • Kategorie III: Hierzu zählt komplexe PSA, die vor tödlichen Gefahren oder ernsten und irreversiblen Gesundheitsgefahren schützen soll, wie etwa Atemschutzgeräte, PSAgA, PSA zum Retten aus Höhen und Tiefen, PSA bei Hitze über 100 °C, Kälte von -50 °C oder Tauchgeräte. Eine CE-Kennzeichnung mit der vierstelligen Nummer einer benannten Stelle ist erforderlich! Für diese PSA muss der Hersteller oder sein Bevollmächtigter eine EG-Konformitätserklärung erstellen, nachdem eine notifizierte Stelle eine Baumusterprüfbescheinigung ausgestellt und eine Fertigungskontrolle durchgeführt hat. Dieses Vorgehen nennt man „Qualitätssicherungsverfahren“.

PSA der Kategorien II und III müssen also vor der Präsentation auf Messen und vor der Bereitstellung auf dem Markt grundsätzlich nach der PSA-Richtlinie Anhang II geprüft worden sein.

In regelmäßigen Unterweisungen sollten Abläufe wie das sichere An- und Ausziehen etwa von Chemikalienschutzhandschuhen und -anzügen, die Deutung von Piktogrammen auf PSA oder das effektive Eincremen geübt werden. Bei PSA der Kategorie III muss die Unterweisung zu einem größeren Teil praktische Übungen beinhalten.

Jeder PSA muss eine Gebrauchsanleitung des Herstellers beigefügt sein. Neben Namen und Anschrift des Herstellers müssen daraus folgende wichtige Informationen hervorgehen:

  • Hinweise zur Lagerung, zum Gebrauch, zu Reinigung und Wartung der Ausrüstung
  • Hinweise zur Überprüfung der Verwendbarkeit, Desinfizierung, Reinigung und Transport
  • Zulässiges Zubehör oder Ersatzteile
  • Schutzklassen und Verwendungsgrenzen
  • Falls notwendig: Verfallsdatum, Haltbarkeitskriterien, Tragzeitangaben, Durchbruchszeiten
  • Bedeutung von Kennzeichnungen auf den Ausrüstungen

Der Arbeitgeber sollte eindeutige Gebotszeichen und Betriebsanweisungen in den Arbeitsbereichen anbringen, die daran erinnern, dass und wie PSA zu tragen ist.

Achtung! Käufer von PSA der Kategorie III sollten auf die CE-Kennzeichnung achten. Nur PSA mit CE-Kennzeichen ist zulässige, geprüfte PSA!


Umgang mit Persönlicher Schutzausrüstung

Wenn der Arbeitgeber seiner Pflicht nachgekommen ist – nämlich die PSA zur Verfügung zu stellen und die Beschäftigten im Umgang damit zu unterweisen –, dann ist es an den Beschäftigten, ihre Pflichten zu erfüllen. Diese beinhalten die

  • bestimmungsgemäße Benutzung der PSA
  • regelmäßige Reinigung und Pflege ihrer PSA
  • Sicht- und Funktionsprüfung vor jeder Benutzung
  • unverzügliche Meldung festgestellter Mängel

Die Beschäftigten sollten sich zum Tragen gegenseitig motivieren – Eigenverantwortung und die Verantwortung für Kollegen sind Voraussetzungen für sichere Arbeitsplätze.

Übrigens: Auch externen Kunden, Besuchern oder Behördenvertretern muss bei der Sicherheitseinweisung vor dem Betreten sicherheitsrelevanter Bereiche PSA zur Verfügung gestellt werden. Ob es sich um einen Helm, eine Schutzbrille oder eine Warnweste handelt: Bei Nichteinhaltung von Tragepflichten beziehungsweise Sparen am falschen Ende kann es teuer werden, und zwar für beide Seiten!


Schutzfunktion geht vor Geld

Wichtig ist, dass die PSA eines Mitarbeiters für ihn individuell geeignet und auf die jeweilige Arbeitssituation zugeschnitten ist, zum Beispiel auf eine maritime Umgebung bei Offshore-Anlagen. Das steigert die Trageakzeptanz. Mehrere PSA-Arten sind so aufeinander abzustimmen, dass die Schutzwirkungen der einzelnen Ausrüstungsgegenstände nicht beeinträchtigt werden. Je nach Belastung und Beanspruchung müssen Prüf- und Wartungsintervalle für die PSA festgelegt werden. Insbesondere bei Schutzschuhen oder Gehörschutz ist es oft sinnlos, Produkte „von der Stange“ zu kaufen, denn damit kommt nicht jeder gleichermaßen gut zurecht. Am besten ist es, wenn der zukünftige PSA-Träger in die Auswahl seiner PSA eingebunden ist. Doch der Beschäftigte selbst ist nicht der Einzige, der da ein Wörtchen mitreden sollte. Sie können auch den Hersteller, den Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, die Mitarbeitervertretung, staatliche Aufsichtsbehörden und Berufsgenossenschaften oder den DGUV-Fachbereich PSA beratend einbeziehen. Hilfestellung bietet orientierend auch das Internet, zum Beispiel die GISBAU-Handschuhdatenbank oder die IFA-Gehörschutzauswahl.

Wenn Sie in Arbeitsschutzausschusssitzungen Kostenvoranschläge vergleichen oder bei Betriebsbegehungen Detailfragen in die Betriebsanweisungen aufnehmen, sollte gesichert sein, dass Sie die passende PSA finden und bestmöglich für einen sicheren Einsatz sorgen.


Persönliche Handicaps und PSA

Nach § 2 (4) PSA-Benutzerverordnung muss die PSA den ergonomischen Anforderungen und gesundheitlichen Erfordernissen der Beschäftigten entsprechen. Das heißt, dass jeder, der bereits eine ergonomische Hilfe braucht, zum Beispiel eine Brille oder orthopädische Einlagen, auf seine Bedürfnisse zugeschnittene PSA bekommen muss. Der Betriebsarzt sollte in solchen Fällen beratend mit einbezogen werden. Bescheinigt er, dass zum Beispiel eine angepasste Schutzbrille, eine sogenannte Korrektionsschutzbrille, gesundheitlich erforderlich ist, oder dass jemand, der am Bildschirm arbeitet, eine „PC-Brille“, auch Computerbrille genannt, mit seiner Sehstärke braucht, muss der Arbeitgeber zahlen. Hersteller können in der Regel auf individuelle Bedürfnisse eingehen.


Topmodern ist nicht immer das Nonplusultra

Man muss nicht jede Mode mitmachen … trotzdem kann es sich lohnen, einen Blick auf die neuesten Entwicklungen in Sachen „intelligente Schutzkleidung“ zu haben. PSA mit UV-Schutz, Körperfunktionssensoren, Ortungssensoren oder Farbumschlagsensorik könnten für den einen oder anderen Arbeitsplatz hilfreiche Schutzfunktionen bieten. Neu entwickelte PSA ist in der Regel leichter, technisch auf dem neuesten Stand und hat modernere und damit oft bessere Schutzfunktionen. Meist können Ausrüstungsgegenstände vor einer endgültigen Entscheidung in Probephasen ausprobiert werden.

Treffen Sie außerdem eine innerbetriebliche Nachschubregelung, damit die notwendigen Materialien nicht auf einmal leer sind! Regeln Sie, wer für Nachbestellungen zuständig ist. Sie können Auswahl und Nachbestellmenge von PSA übrigens optimieren, indem Sie Unfallhäufigkeiten beobachten und anhand dieser Kennzahlen Unfall-Schwerpunkte analysieren. Treten häufig Schnittverletzungen an den Händen auf? Oder gibt es viele Fälle von Hautekzemen? Wenn Sie im Betrieb außerdem ein offizielles PSA-Lager haben, weiß jeder Beschäftigte, an welchem Ort er seine Arbeitsschutz-Produkte findet.


PSA – kurz und knapp: Das sollten Sie beachten

Auswahl: Mitsprache der Beschäftigten individuelle Eignung der PSA Angebot nach Preis und Qualität

Bereitstellung: Unterweisung in Benutzung erforderliche Anzahl Nachschub/Ersatz sicherstellen

Pflege/Reinigung/Entsorgung: Sicht-/Funktionsprüfung nach Gebrauch schonend reinigen Einmalartikel ordnungsgemäß entsorgen

Wartung/Reparatur: festgelegte Prüfintervalle unverzügliche Mängelmitteilung ggf. Wartungsvertrag

Lagerung: trockener, sicherer Ort Verwendungsdaten beachten abgelaufenes Material entsorgen

Unser Service für Sie: In einer kostenlosen Checkliste haben wir für Sie übersichtlich zusammengefasst

  • was zu PSA gehört
  • Muster einer Dokumentation zum Umgang mit PSA
  • PSA kurz und knapp: Das sollten Sie bei Auswahl, Bereitstellung usw. beachten.

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