Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser. weitere Infos OK
Nachricht

Gefahrstoffe im Betrieb - Sicherer Umgang mit kleinen Mengen

Kostenlose Downloads: Muster-Gefahrstoffverzeichnis und Checkliste!

80.000 bis 100.000 verschiedene gefährliche Stoffe, Gemische und Erzeugnisse kommen Schätzungen zufolge in Gewerbebetrieben zum Einsatz. Vor allem in Handwerksbetrieben ist das Bewusstsein für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen noch verbesserungsbedürftig. Hier finden Sie wichtige Hinweise und Eckpunkte + ein Muster-Gefahrstoffverzeichnis und eine Checkliste für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen als kostenlose Downloads!

Stoffe oder Gemische gelten dann als gefährlich, wenn sie eines der 15 in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) genannten Gefährlichkeitsmerkmale aufweisen:

  • explosionsgefährlich
  • brandfördernd
  • hochentzündlich
  • leichtentzündlich
  • entzündlich
  • sehr giftig
  • giftig
  • gesundheitsschädlich
  • ätzend
  • reizend
  • sensibilisierend
  • krebserzeugend (kanzerogen)
  • fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch)
  • erbgutverändernd (mutagen)
  • umweltgefährlich

Der Arbeitgeber hat unabhängig von der Zahl der Beschäftigten im Rahmen der  Gefährdungsbeurteilung (siehe § 6 GefStoffV, i.V.m. TRGS 400) festzustellen

  • inwieweit die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben und wenn ja, in welchem Umfang (auch Ab- und Umfüllarbeiten).
  • inwieweit inhalative, dermale, physikalisch-chemische, toxische Gefährdungen durch die Anwendung der Gefahrstoffe bestehen und wenn ja, in welchem Ausmaß.
  • bei welchen Tätigkeiten Gefahrstoffe entstehen oder freigesetzt werden können (Dämpfe, Gase, Rauche, Stäube).
  • ob eine arbeitsmedizinische Vorsorge für die Beschäftigten vor Tätigkeitsbeginn erforderlich ist (insbesondere Hautschutz, Fahr-/Steuer-/Überwachungstätigkeiten).
  • ob Brand- und Explosionsgefahren bestehen. Gegebenenfalls ist ein  Ex-Schutz-Dokument anzufertigen.
  • ob Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Gefahrstoffen erforderlich und wenn ja, ob diese wirksam sind.

Eine Gefährdungsbeurteilung muss also erstellt werden, egal wie viele Beschäftigte der Betrieb hat. Die notwendigen Informationen über die Gefahrstoffe hat sich der Arbeitgeber aufgrund seiner Ermittlungspflicht beim Hersteller, beim Inverkehrbringer oder über andere zugängliche Quellen zu beschaffen. Die Gefahrstoffinformationen müssen um die Randbedingungen der betrieblichen Verwendung (Menge, Dauer, Kontakt, örtliche Gegebenheiten) ergänzt werden.


So funktioniert die Gefährdungsbeurteilung

Auf Grundlage dieser Informationen hat eine fachkundige Person eine Bewertung vorzunehmen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen im Sinne des Minimierungsgebotes festzulegen. Bei fehlender oder unzureichender Fachkenntnis ist es erforderlich, die Fachkraft für Arbeitssicherheit (FaSi, SiFa) und den Betriebsarzt für die Ermittlung der Vorsorgemaßnahmen beratend hinzuzuziehen. Entsprechende Schutzleitfäden oder das Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bieten gute Hilfestellungen.

Die Gefährdungsbeurteilung ist schriftlich zu dokumentieren. Dabei ist das „S-T-O-P-Prinzip“ (Substitution, Technische, Organisatorische, Persönliche Maßnahmen) für die Festlegung von Schutzmaßnahmen zu beachten.

Nur bei einer geringen Gefährdung (etwa bei einer geringen verwendeten Stoffmenge) kann auf eine detaillierte Gefährdungsbeurteilung verzichtet werden, wenn ansonsten die vorhandenen Gegebenheiten und getroffenen allgemeinen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten ausreichen.


Was muss ich als Arbeitgeber beachten?

  • Führen Sie die Gefahrstoffe in einem aktuellen Gefahrstoffverzeichnis gemäß § 6 (10) GefStoffV auf. Laden Sie sich dafür einfach das Muster über den Link herunter!
  • Bestellen Sie gegebenenfalls einen Gefahrstoffbeauftragten/ Gefahrgutbeauftragten, z.B. den Lagerleiter.
  • Fragen Sie Hersteller und Lieferanten regelmäßig nach weniger gefährlichen Ersatzstoffen (Substitution).
  • Teils geben die Hersteller in den Sicherheitsdatenblättern, die übrigens reachkonform sein müssen, in mitgelieferten Gefährdungsbeurteilungen die zugelassenen Verwendungen des Gefahrstoffes an. Prüfen Sie wenn nötig mit einem Expositionsszenario, ob Ihre Anwendung inbegriffen ist.
  • Gefährliche Stoffe, Gemische und Produkte, die nach der GefStoffV kennzeichnungspflichtig sind, müssen auch beim innerbetrieblichen Verwenden eindeutig und dauerhaft gekennzeichnet sein (s. §8 (2) Nr.2 GefStoffV und TRGS 201).
  • Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass Apparaturen und Rohrleitungen, die Gefahrstoffe enthalten, so gekennzeichnet sind, dass mindestens die enthaltenen Gefahrstoffe sowie die davon ausgehenden Gefahren eindeutig identifizierbar sind
  • Verwenden Sie geeignete Behälter und geeignetes Verpackungsmaterial. Gefahrstoffe dürfen wegen Verwechslungsgefahr niemals in Lebensmittelverpackungen abgefüllt werden (Füllen Sie beispielsweise niemals Nitroverdünnung in einer Mineralwasserflasche)!
  • Bei Ab- und Umfüllmaßnahmen müssen ensprechende geprüfte Absaugungen vorhanden sein.
  • Jede Person, die Gefahrstoffe transportiert, sollte nach G25 vorsorgeuntersucht sein.
  • Im Zuge der Ermittlung ist auch zu klären, ob durch andere, gleichzeitig anwesende Personen oder Beschäftigte von Fremdfirmen gegenseitige Gefährdungen bestehen. Auf Baustellen ist das häufig der Fall. Die Gefährdungen sind zu minimieren, etwa durch Ein- und Unterweisungen.
  • Äußere Einwirkungen wie Feuer, Hitze, Kälte, Wasser, Strahlung oder Eingriffe Unbefugter müssen wirkungsvoll verhindert werden.
  • Beschäftigte müssen nachweislich ein- und regelmäßig fachkundig unterwiesen werden (u.a. darin, dass sie beim Umgang mit Gefahrstoffen nicht essen, trinken oder rauchen dürfen).
  • Verständliche Betriebsanweisungen für Gefahrstoffe sind zur Einsicht an geeigneter Stelle zur Verfügung stellen.
  • Geeignete und ausreichende Lösch- und Bindemittel und andere Notfallmaßnahmen (u.a. Telefonnummer der Giftnotrufzentrale, des Durchgangsarztes, Gefahrstoffdatenbank, Sammelpunkt) sind zur Verfügung stellen.
  • Sind technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten ergriffen und ist trotzdem noch Persönliche Schutzausrüstung (PSA) notwendig, ist diese individuell geeignet für die Beschäftigten zur Verfügung zu stellen (Bsp: Hautschutz-, Handschuhplan, Hautschutz-,-reinigungs-, -pflegemittel, Augenspülflasche, -einrichtung)
  • Veranlassen Sie wenn notwendig eine Gefahrstoffmessung. Hier ist eine Rücksprache mit der Berufsgenossenschaft und/oder dem Gewerbeaufsichtsamt sinnvoll. Lassen Sie einen Gefahrstoffbeauftragten schulen und bestellen Sie ihn schriftlich.
  • Lagern und verwenden Sie Gefahsrtoffe sachgerecht und entsorgen Sie nicht mehr benötigte Gefahrstoffe zeitnah.
  • Beachten Sie Beschäftigungseinschränkungen für besondere Personengruppen, wie etwa werdende Mütter oder Jugendliche.

 

Sichere Lagerung von Gefahrstoffen

„Sichere Lagerung“ von Chemikalien bedeutet, dass Beschäftigte und Dritte sowie Tiere, Pflanzen und andere Sachen möglichst umfassend vor den Gefahren, die vom Lagergut ausgehen können, geschützt werden. Grundlage dafür sind abgetrennte, übersichtlich gehaltene und entsprechend gekennzeichnete Räume. Die Lagerbereiche sollten unter anderem trocken und ausreichend belüftet und beleuchtet sein. Es können separat belüftete Schränke, Regale oder Flächen, eine explosionsgeschütze Einrichung (Steckdosen, Lampen) an entsprechenden Standorten im Gebäude notwendig sein. Zusammenlagerungsge-/verbote sind zu beachten. So dürfen zum Beispiel Gasflaschen und entzündliche Flüssigkeiten nicht zusammen gelagert werden (Lagerabschnitte nach TRGS 510). Die Lagerbereiche sollten kontrolliert genutzt und gegen den Zutritt Unbefugter gesichert werden (TRGS 510).

Noch mehr Tipps:

  • Legen Sie angesichts der Höchstlagermenge maximale Bestellmengen fest. Beachten Sie die Kleinmengenregelung: Als Kleinmenge gilt die Lagerung von insgesamt nicht mehr als 50 kg netto. Für Gefahrstoffe in diesem Mengenband sind keine separaten Lager erforderlich, sie dürfen auch in anderen Räumen einschließlich Arbeitsräumen gelagert werden.
  • Beachten Sie weitere Mengenschwellen und entsprechnede Vorkehrungen gemäß TRGS 510 (200 kg /1000 kg)
  • Brennbare Flüssigkeiten müssen bei mehr als 5 Litern in einem Stahlschrank gelagert werden; mehr als 20 Liter sollten in einem Schrank mit einer Feuerwiderstandsdauer von mehr als 15 Minuten gelagert werden.
  • Die Behälter müssen in geeigneten Auffangwannen stehen und bei möglichem Auftreten von explosionsfähiger Atmosphäre geerdet werden.
  • Für Druckgaskartuschen und Aerosolpackungen gilt eine maximale Anzahl von 50 Stück.
  • Gasflaschen müssen in separaten, verschließbaren und gekennzeichneten Gasflaschenschränken für den Innen- und/oder Außenbereich oder in Gitterboxen im Außenbereich gegen Umfallen gesichert und gelagert werden.
  • Giftige, sehr giftige und krebserzeugende Stoffe müssen immer unter Verschluss gehalten werden.
  • Oxidierende Stoffe dürfen nicht in unmittelbarer Nähe von akut toxischen und entzündbaren Stoffen gelagert werden.
  • Bei der Lagerung und Verwendung im Arbeitsbereich darf  lediglich der Tagesbedarf gefährlicher Stoffe in entsprechend gekennzeichneten Gefahrstoffgebinden vorgehalten werden.
  • Ab 01.06.2017 müssen Altgebinde auch bei innerbetrieblicher Verwendung nach dem GHS/CLP-System neu gekennzeichnet werden; achten Sie auf rechtskonforme deutschsprachige Etiketten.
  • Im Einzugsbereich des Lagers müssen leicht erreichbare Feuerlöscher vorhanden sein, um Entstehungsbrände löschen zu können.

Ist die Lagerung in einem speziellen Lagerraum erforderlich, ist dieser baurechtlich als Nutzungsänderung genehmigungsbedürftig. Teilen Sie dem Planer bei der Planung von Neubauten und dem Lieferanten von Lager- und Schutzeinrichtungen (Auffangwannen, Trichtern, Fasspumpen, Absaugung, Be- und Entlüftung, undurchlässigem Fußboden, Rückhaltemöglichkeiten, Sicherheitsschränken, Tanks, Überfüllsicherungen, ggf. Brandmelde- und Löschanlagen …) frühzeitig mit, welche Stoffe in welchen Mengen wo gelagert werden sollen und welche Eigenschaften diese haben. Darüber hinaus ist es sinnvoll der ortsansässigen Feuerwehr Ihr aktuelles Gefahrstoffverzeichnis zu übermitteln und im Lager regelmäßig unbrauchbare Gefahrstoffe auszusortieren und fachgerecht entsorgen zu lassen.


Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren: