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Sommer, Sonne, Kreislaufkollaps

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Der Duft von Sommer liegt in der Luft, die Sonne setzt Glückshormone frei, die Freibad-Saison ist in vollem Gange … Glück dem, der frei hat. Doch für alle, die arbeiten müssen, kann die Sommerzeit richtig unangenehm sein. Besonders die Arbeit im Freien birgt echte Gesundheitsgefahren. Das bekommen Beschäftigte in der Forstwirtschaft, im Baugewerbe, in der Landwirtschaft oder in der Fischerei jedes Jahr aufs Neue zu spüren. In Deutschland sind es mehr als 2,5 Millionen Beschäftigte, die bei Wind und Wetter draußen arbeiten – und die zur aktuellen Jahreszeit die hohen Temperaturen und die Kraft der Sonne verkraften müssen.

Nein, wir möchten nicht jammern, dass es zu heiß ist, kaum dass der Sommer Einzug gehalten hat. Wir bieten Ihnen lediglich Fakten und Daten rund um die Arbeit im Freien bei Sommerhitze. Und wir geben Ihnen Tipps für die richtigen Schutzmaßnahmen an die Hand.


Akute und chronische Gesundheitsschäden durch Arbeit im Freien

Wer schon einmal zu viel Sonne ausgesetzt war, kennt das Gefühl: Sonnenbrand auf der Haut, eventuell Übelkeit, in schlimmen Fällen sogar Schüttelfrost – und man fühlt sich richtig krank. Akute Schäden durch ultraviolette (UV-)Strahlung und Hitze sind Sonnenbrand und sogar Hitzekollaps oder Hitzschlag. Chronische, langfristige Schäden sind eine vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs.

„Bei Menschen, die im Freien arbeiten, steigt aufgrund der erhöhten UV-Belastung das Risiko, an hellem Hautkrebs zu erkranken, um bis zu 77 Prozent“, berichtet Prof. Dr. Swen Malte John, Dermatologe an der Universität Osnabrück, im Magazin "HautInform" vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) im Juni 2014. Hautkrebs ist die weltweit am häufigsten auftretende Krebserkrankung. In Deutschland gibt es jährlich etwa 250.000 Neuerkrankungen. Jeder achte Bundesbürger erhält im Alter bis zu 75 Jahren die Diagnose „Hautkrebs“. Etwa 30.000 Menschen erkranken jährlich am sogenannten Malignen Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Bei der Mehrheit der Betroffenen, nämlich bei 230.000, wird heller Hautkrebs diagnostiziert. Die Zahl der Fälle von schwarzem Hautkrebs hat sich seit den 1980er mehr als verdreifacht. Auslöser sind oft kurze und plötzliche Sonneneinwirkung, wie etwa im Strandurlaub.


Übrigens: Wer denkt, dass gebräunte Haut besonders gesund ist, der irrt! Die Bräunung der Haut ist bereits ein hauteigener Schutzmechanismus. Eine Schutzschicht aus Zellen und dem Farbstoff Melanin soll helfen.


Auch die Augen können geschädigt werden, wenn sie der Sonne zu lang oder zu intensiv ausgesetzt sind. Hornhaut- und Bindehautentzündung sind nur zwei der Krankheiten, die sie davontragen können. Wenn sechs bis acht Stunden nach der Arbeit im Freien, starke Augenschmerzen auftreten, sollten Sie gewarnt sein. Die langjährige Einwirkung von UV-Strahlen auf das Auge kann sogar Grauen Star begünstigen.


Sonnenstich & Co.

UV-Strahlung und Hitze können neben Hautkrankheiten auch Sonnenstich und Hitzekollaps auslösen. Beim Sonnenstich schwellen durch die UV-Strahlung die Hirnhäute an, die dann auf das Gehirn drücken. Anzeichen für einen Sonnenstich sind ein roter Kopf, Schwindelgefühl, Benommenheit, ein steifer Nacken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, manchmal auch Ohrgeräusche. Die Betroffenen haben kein Fieber. Die Symptome können auch erst einige Zeit nach Beendigung der Arbeit im Freien auftreten.

Beim Hitzekollaps führt starkes Schwitzen zu einem Flüssigkeits- und Salzverlust. Den Betroffenen wird schwarz vor Augen, ihnen wird schwindelig. In schweren Fällen von Hitzekollaps sind sie verwirrt oder werden sogar ohnmächtig.

Der Hitzschlag ist wesentlich gefährlicher als der Sonnenstich. Rund 90 Fälle von Hitzschlag zählten die gewerblichen Berufsgenossenschaften bei den Beschäftigten im Jahr 2012. Das körpereigene Temperaturregulationssystem fällt wegen Überanstrengung in der Hitze komplett aus. Die Körpertemperatur ist erhöht – bei 40 Grad und mehr besteht Lebensgefahr! Symptome sind Krämpfe und sogar Bewusstseinsstörungen. Betroffene müssen in allen Fällen sofort aus der Wärme raus und mit kühlem Wasser übergossen werden. Rufen Sie bei einem Hitzschlag den Notarzt!


Übrigens: Die BG BAU bietet eine Hitzenotfallkarte mit den richtigen Verhaltensweisen an!


Heller Hautkrebs als Berufskrankheit

1992 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Sonnenstrahlen als Ursachen für bösartige Hauterkrankungen ein. Heute, im Jahr 2014, steht die Anerkennung von bestimmten Arten von Hautkrebs als Berufskrankheit kurz bevor. Heller Hautkrebs, genauer gesagt Plattenepithelkarzinome und multiple aktinische Keratosen (die als Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms gelten), können seit 2013 bereits als „Wie-Berufskrankheit“ anerkannt werden. Die Gefahr, daran zu erkranken, erhöht sich mit der kontinuierlichen UV-Belastung und der lebenslangen UV-Dosis, Sonnenbrände in der Kindheit sind besonders gefährlich. Doch auch zu langer UV-Kontakt ohne Sonnenbrand kann Auslöser für weißen Hautkrebs sein. Bei der BK-Anerkennung wird die lebenslange Dosis genau ausgerechnet. Nur wer aus berufsbedingten Gründen  einer ausreichenden Dosis ausgesetzt war, bekommt die Anerkennung.

Bei der nächsten Aktualisierung der Liste der Berufskrankheiten werden „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut oder flächig ausgedehnte aktinische Keratosen durch natürliche UV-Strahlung“ als BK 5103 aufgenommen. Bei einem Plattenepithelkarzinom, mehr als fünf aktinischen Keratosen oder aktinischen Keratosen mit einer Fläche von mehr als 4 Quadratzentimetern ist die Anerkennung als BK möglich, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Das betroffene Hautareal muss bei der Arbeit der UV-Strahlung auch tatsächlich ausgesetzt gewesen sein und die UV-Belastung des Betroffenen muss die übliche UV-Belastung eines Menschen um mindestens 40% übersteigen. Um das zu beurteilen, erfolgt eine festgelegte Berechnung. Dabei wird davon ausgegangen, dass jemand, der nicht im Freien arbeitet, in einem Jahr circa 130 Standard-Erythemdosen (SED) ausgesetzt ist. Bei jemandem, der ganztägig und ganzjährig im Freien arbeitet, ist von 170 SED auszugehen. In die Berechnung werden der Ort der Tätigkeit, die Tageszeiten und weitere beeinflussende Faktoren einbezogen.

Die Anerkennung als BK bringe Veränderungen in der Prävention und der Arbeitsorganisation mit sich, vermutet Dr. John. „Schulungen und Schutzmaßnahmen, die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, können viel dazu beitragen, Hautkrebs vorzubeugen.“ Outdoorworker könnten außerdem häufiger ein Hautkrebsscreening bekommen als alle 2 Jahre.


Gesund durch den Sommer

Ob nun Hauterkrankung oder Hitzekollaps – angemessener Schutz vor Sonne und Hitze ist der einzige Trick, um bei der Arbeit unter freiem Himmel heil durch den Sommer zu kommen. Eine Gefährdungsbeurteilung sollte auch die witterungsbedingten Gefahren beleuchten und Schutzmaßnahmen des Arbeitgebers ergeben.

Doch auch jeder Beschäftigte sollte auf ausreichend Schutz bei der Arbeit im Freien achten. Zunächst einmal sollten die Maßnahmen dem Hauttyp angepasst sein: Der Hauttyp I (helle Haut, blonde oder rote Haare, blaue oder grüne Augen) braucht besonders viel Schutz. Die Schutzmaßnahmen beim Hauttyp IV (dunkle Haut, bräunt schnell, bekommt erst nach 40 Minuten einen Sonnenbrand) – können geringer ausfallen. Außerdem sollten sie auf den UV-Index achten, der die "höchste sonnenbrandwirksame Bestrahlungsstärke, die von der Sonne während des Tages auf einer horizontalen Fläche hervorgerufen wird", angibt. Der UV-Index ist in Stufen eingeteilt. Kritisch wird es bei einem UV-Index ab 3 - bereits dann wird leichter Schutz empfohlen. Ab einem UV-Index von 8 sollte man sich zumindest während der Mittagsstunden nicht im Freien aufhalten.


Arbeit im Freien – Schutz vor Hitzekollaps & Co.

Hier eine Übersicht mit den wichtigsten Tipps. So schützen Sie sich vor den Folgen von zu viel Sonne und zu viel Sommer bei der Arbeit im Freien.


Übrigens: Die 11 wichtigsten Tipps, wie Sie sich bei der Arbeit im Freien schützen, bekommen Sie als kostenlosen PDF-Download. Ein Service von Ihrer Arbeitsschutz-Portal-Redaktion - einfach jetzt herunterladen!


  • Gewöhnung: Gewöhnen Sie die Haut wenn möglich langsam an die Sonne und steigern Sie die Zeit, die Sie in der Sonne arbeiten, langsam.
  • Trinken – viel hilft viel! Trinken Sie mehr als bei niedrigen Temperaturen. Schließlich schwitzen Sie gerade bei körperlicher Arbeit im Freien enorm viel Flüssigkeit, und damit auch Mineralstoffe, aus. Trinken Sie Wasser, kalte Tees oder Fruchtschorlen. Ein Spritzer Zitrone sorgt für Geschmack, ein bisschen Honig für Süße. Wichtig ist auch, dass Sie immer kleine Mengen und langsam trinken. Und greifen Sie zur Flasche, bevor Sie durstig sind. Durst ist schon ein Warnsignal Ihres Körpers.
  • Essen: Wählen Sie leichte, nicht zu scharfe Mahlzeiten und essen Sie mehrmals täglich etwas Kleines.
  • Sonnencreme – auch hier gilt das Motto "viel hilft viel"! Um die auf der Verpackung angegebene Schutzwirkung zu erreichen, müssten Sie 2 Milligramm Sonnenschutzmittel pro Quadratzentimeter Haut auftragen. Cremen Sie sich mindestens 30 Minuten, bevor Sie sich der Sonne aussetzen, ein und erneuern Sie die Sonnencreme-Schicht regelmäßig. Die BG BAU rät in ihren „Bausteinen“ dazu, sich alle 2 Stunden neu einzureiben. Egal ob Creme oder Spray: wichtig ist der richtige Lichtschutzfaktor für Ihren Hauttyp und für die Stärke und Art der Sonneneinwirkung. Bei Arbeiten in der Höhe wirken die Sonnenstrahlen mehr. Am stärksten ist die Strahlung zwischen 11 und 15 Uhr. In dieser Zeit gehen knapp 80 bis 90% der UV-Strahlung nieder.
  • Kleidung: weit und leicht sollte sie sein. Die Arbeit „oben ohne“, also oberkörperfrei, sollte tabu sein – zu aggressiv ist die UV-Strahlung besonders für helle Hauttypen. Wählen Sie möglichst weite und leichte Kleidung und vermeiden Sie Synthetikmaterial. Je mehr Teile Ihres Körpers bedeckt sind, desto besser geschützt sind Sie. Dunkle Kleidung schützt besser als helle. Auch nach UV Protection Factor (UPF) gekennzeichnete Kleidung mit UV-Schutz kann sinnvoll sein.
  • Kopfschutz und Augenschutz sind ein Muss: Eine Kappe oder ein Hut schützen Ihren Kopf vor zu viel Sonne, wenn Sie nicht sowieso einen Kopfschutz als PSA tragen müssen, der natürlich auch eine Sonnenschutzfunktion erfüllt. Schützen Sie Ihre Augen mit einer Sonnenbrille mit seitlichen Abdeckungen und mit UV-Schutz-Funktion.
  • Beachten Sie die Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Medikamente haben fotosensibilisierende Nebenwirkungen, machen die Haut für eine Reaktion auf UV-Strahlung also besonders anfällig. Neben Bluthochdruckmedikamenten oder Psychopharmaka gehört zum Beispiel auch der natürliche und nicht verschreibungspflichtige "Stimmungsaufheller" Johanniskraut dazu.
  • Sonnenterrassen nicht vergessen! Ohren, Hände, Kopfhaut und Nacken sind die sogenannten Sonnenterrassen, die in der Regel nicht durch Kleidung bedeckt und besonders empfindlich gegen UV-Strahlung sind. Wenn die Sonnenterrassen des Körpers nicht bedeckt sind, sollten Sie zumindest auf ausreichend Sonnencreme an diesen Stellen achten! Der Kopf ist im Vergleich zur Brust beispielsweise um bis zu 400% stärker UV-belastet. Je nach Arbeitshaltung können noch weitere bzw. andere Körperteile der Sonne besonders intensiv ausgesetzt sein.
  • Wenn es doch zu viel Sonne war – verwenden Sie ein Après-Produkt: Betreiben Sie bei sonnenverbrannter Haut zumindest Schadensbegrenzung und kühlen Sie mit Quark, Joghurt oder Après-Produkten aus der Drogerie.
  • Abkühlung: Duschen Sie nicht eiskalt! Das bringt den Kreislauf erst richtig in Schwung und Sie ins Schwitzen.
  • Früherkennung: Besonders der helle Hautkrebs ist im Frühstadium gut heilbar. Nutzen Sie also die angebotene Vorsorge: Ab dem 35. Lebensjahr steht Ihnen alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening zu, das die Krankenkasse bezahlt. 


Übrigens: Nicht nur die direkte Sonneneinstrahlung kann gesundheitsschädlich sein. Verwenden Sie bereits im Frühjahr Sonnenschutzmittel!


Arbeitsschutz: technische und organisatorische Maßnahmen haben Vorrang

Bevor persönliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden, sollte der Arbeitgeber alle technischen und organisatorischen Arbeitsschutz-Maßnahmen ausschöpfen. Zu den organisatorischen Maßnahmen gehört zum Beispiel, dass Arbeit in der Mittagssonne vermieden wird, dass zusätzliche kurze Pausen erlaubt sind oder dass die Beschäftigten rotieren und jeder für kurze Zeit in der Sonne arbeitet. Auf chronisch Kranke sollte zusätzlich Rücksicht genommen werden. Für die Arbeitssicherheit sollten Personen an hitzebelasteten Arbeitsplätzen nicht alleine arbeiten. Kollegen können aufeinander aufpassen und im Notfall handeln.

Als technische Schutzmaßnahmen könnten Sonnensegel angebracht oder Überdachungen und Unterstände zum Schutz vor der Sonnenstrahlung eingerichtet werden.


Übrigens: Arbeitgeber sollten ihre Beschäftigten unterweisen – sowohl was den Sonnenschutz angeht als auch zu Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Hitzeerkrankungen.

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