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DUH und IG BAU: Filterpflicht für Baumaschinen muss her!

Messungen in Berlin zeigen Luftbelastung durch Baumaschinen

Saubere Luft auf deutschen Baustellen – das fordern die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die konkrete Forderung: Partikelfilterpflicht für Baumaschinen – deutschlandweit.

Mit Luftmessungen nahe der Großbaustelle zum John F.-Kennedy-Haus in Berlin legten sie dar, dass die Luft im Arbeitsumfeld von Baumaschinen ohne Partikelfilter um bis zu 20 Mal mehr mit gefährlichen Abgasen belastet ist als die Luft rund um Baumaschinen mit Partikelfilter. Folgerung: Die Abgasreinigung bringt einen effektiven Schutz für Betroffene mit sich - und der ist lebenswichtig. Dass die ultrafeinen Partikel von Dieselabgasen Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Atemwegskrankheiten und Allergien verursachen, ist längst erwiesen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jedes Jahr sieben Millionen Menschen infolge der Luftverschmutzung.


Baustellenarbeiter besonders gefährdet

Der Arbeitsmediziner von der Berliner Charité, Prof. Xaver Baur, erläuterte, warum die Abgase so gefährlich für die menschliche Gesundheit sind: „Die ultrafeinen Partikel im Dieselabgas bestehen vorwiegend aus Kohlenstoff, transportieren toxische Stoffe an ihrer Oberfläche und dringen aufgrund ihrer geringen Größe über die Lunge und die Alveolen bis in die menschliche Blutbahn ein und schädigen dort die Gesundheit. Da Baustellenarbeiter in besonderem Maße Dieselabgasen ausgesetzt sind, leiden sie nahezu doppelt so häufig an Lungenkrebs und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen wie die Allgemeinbevölkerung.“ Baur betonte, dass keine Wirkungsschwelle bekannt sei, unterhalb derer keine Gefährdung bestehe. Es sei deshalb für den Arbeitsschutz und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten dringend notwendig, die Emissionen aus Dieselmotoren immer so gering wie möglich zu halten.

„Vor zwei Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Dieselabgase als klar krebserregend eingestuft. Die Gefahren waren auch schon Jahre davor bereits bekannt. Trotzdem unternimmt die Politik nichts, um die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu schützen, die tagtäglich in der Abgasfahne von dieselbetriebenen Maschinen arbeiten“, bemängelte Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, die Situation. „Solange es keine verbindliche Filterpflicht für Baumaschinen gibt, wird das Recht der Arbeiter auf den Baustellen auf Arbeitsbedingungen, die ihre Gesundheit nicht gefährden, verhöhnt.“


To-dos für Arbeitsschutz und Umweltschutz

Erforderlich sind laut DUH und IG BAU sowohl eine Überarbeitung der Technischen Regeln für Gefahrenstoffe 554, die den Schutz der Arbeiter auf halboffenen und geschlossenen Baustellen über einen verpflichtenden Einsatz von geschlossenen Dieselpartikelfiltern regeln, sowie die Aufnahme von Baumaschinen in die Bundesimmissionsschutzverordnung (35. BimSchV).

Regelungen für öffentliche Ausschreibungen von Bauvorhaben existieren seit Kurzem und bislang nur auf Landesebene. Im November 2013 forderten die Länder den Bund in einem gemeinsamen Beschluss der Umweltministerkonferenz auf, nationale Leitlinien für die öffentliche Ausschreibung zu formulieren. Diese müssen nach Auffassung von DUH und IG BAU eine Filterpflicht für alle Maschinengrößen sowohl bei Bestands- als auch Neufahrzeugen enthalten.

„Wir fordern eine flächendeckende Filterpflicht für alle Baumaschinen in Deutschland. Aus diesem Grund müssen der Berliner Senat und die Deutsche Bahn ihre Regelungen für Ausschreibungen so überarbeiten, dass eine einheitliche Filterpflicht für alle Maschinen besteht. Gleiches gilt für die Landesministerien in Bremen und Baden-Württemberg, die derzeit an Vorgaben für den Einsatz emissionsarmer Baumaschinen arbeiten und eine tatsächliche Filterpflicht für alle Baumaschinen von Beginn an vorschreiben müssen“, erklärte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Fazit von Axel Friedrich, der die Messungen mit einem mobilen Partikel-Anzahlmessgerät durchführte: Die derzeit von der Europäischen Union gesetzlich vorgeschriebene Abgasnorm reduziere über einen Grenzwert zwar die Partikelmasse. Dabei berücksichtige sie jedoch nicht die ultrafeinen, besonders gesundheitsgefährdenden und klimarelevanten Partikel, die sehr klein und leicht sind. Dagegen sei in anderen Ländern wie der Schweiz sowie in bestimmten Bereichen des Arbeitsschutzes bereits seit Jahren eine Filterpflicht gesetzlich verankert.

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