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Revision der Umweltmanagement-Norm DIN EN ISO 14001

Was ändert sich für das zertifizierte Umweltmanagement?

Die internationale Norm für Umweltmanagement ISO 14001 wird derzeit überarbeitet - die geänderte Version wird voraussichtlich im Juli 2015 in Kraft gesetzt. Die Umweltschutz-Verantwortlichen der etwa 250.000 Unternehmen in aller Welt, die nach dieser Umweltnorm zertifiziert sind, fragen sich: Welche Änderungen wird es geben? Was muss beachtet werden?


Voraussichtliche Änderungender Umweltmanagement-Norm

Der Entwurf Draft International Standard (DIS) ISO/DIS 14001:2014 aus Juli 2014 zeigt, dass eine wesentliche Neuerung die Struktur Norm betrifft. Die Revision wird der sogenannten „High Level Structure“ folgen – das ist eine einheitliche Struktur für alle Managementsysteme sowie ein einheitlicher Gebrauch von Kerntexten und Begriffen. Normen sollen so besser verstanden und Kombizertifizierungen effizienter werden.

 

Erwartete Entwürfe und Übergangsfristen der ISO 14001

Der aktuelle Entwurf (DIS) wird voraussichtlich Mitte 2015 vom Final Draft (FDIS) abgelöst. Der FDIS ist die letzte Vorstufe der endgültigen Version, die für Juli 2015 erwartet wird. Wenn der FDIS erst einmal vorliegt, sind weitere technische oder inhaltliche Änderungen an der Umweltmanagement-Norm unwahrscheinlich. Der TÜV Rheinland empfiehlt Betroffenen und Interessierten, sich bereits jetzt mit der neuen Norm auseinanderzusetzen.

Zeitleich mit der Veröffentlichung der Norm ISO 14001:2015 werden die Internationale Standardorganisation (ISO) und das Internationale Akkreditierungsforum (IAF) die Übergangsfrist festlegen. Unternehmen, die nach ISO 14001:2004 bzw. der Korrekturversion aus 2009 zertifiziert sind, können laut TÜV vermutlich mit einer Frist von 3 Jahren rechnen, um ihr Umweltmanagementsystem auf die ISO 14001:2015 umzustellen. Zum Ablaufdatum dieser Umsetzungsfrist, also voraussichtlich Ende Juli 2018, werden alle Zertifikate gemäß ISO 14001:2004 ungültig.


Lohnt sich jetzt die Erstzertifizierung?

Eine Zertifizierung nach der alten Version der Norm ist noch möglich, was besonders für Organisationen interessant sein dürfte, die sich gerade im Zertifizierungsprozess befinden. Sie haben aber auch die Möglichkeit zu warten, bis die Anforderungen der neuen Norm im FDIS feststehen. Etwa 18 Monate nach Inkrafttreten der ISO 14001:2015 sind nur noch Erstzertifizierungen nach der neuen Version möglich.

Der TÜV Rheinland bietet weitere interessante Infos zur neuen Normen-Version. zum Beispiel zeigt er die zehn Abschnitte der ISO 14001:2015

  1. Anwendungsbereich
  2. Normative Verweisungen
  3. Begriffe und Definitionen
  4. Kontext der Organisation
  5. Leitung
  6. Planung
  7. Unterstützung
  8. Betrieb
  9. Leistungsbewertung
  10. Verbesserung


Auch wichtige Neuerungen in den einzelnen Kapiteln der Norm hat der TÜV Rheinland zusammengefasst:

  • Kapitel 4: Kontext der Organisation „Mehr Stakeholder-Management “

Nach diesem neuen Kapitel sollen Unternehmen die externen Belange und damit Einflüsse in ihrem Umweltmanagementsystem stärker berücksichtigen. Die Erfordernisse und Erwartungen „interessierter Parteien“ sollen besser verstanden und dahingehend bewertet werden, ob aus ihnen konkrete Anforderungen erwachsen.

  • Kapitel 5: Leitung „Verantwortung übernehmen und sinnvoll delegieren“

Das Top-Management soll unter anderem für die Effektivität des Managementsystems sowie die Integration des Umweltmanagements in die Geschäftsprozesse mehr Verantwortung übernehmen. Die Umweltpolitik soll auch eine Verpflichtung zum Schutz der Umwelt über die Unternehmensgrenzen hinaus enthalten.

Ein Beauftragter des Managements wird explizit nicht mehr gefordert, jedoch müssen adäquate Verantwortlichkeiten und Kompetenzen im Unternehmen sichergestellt werden.

  • Kapitel 6: Planung „Umweltrisiken auch über den Tellerrand hinaus bewerten“

Der Planungsprozess im Umweltmanagement wurde neu strukturiert und soll zukünftig stärker die Umwelteinflüsse von Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen „unter Berücksichtigung einer Lebenszyklusperspektive“ umfassen. Die Umweltbewertung muss zwar nicht explizit z.B. eine Ökobilanzierung von Produkten und Prozessen umfassen. Es sollen jedoch neben bedeutenden Umweltaspekten auch alle einzugehenden Verpflichtungen (rechtlich, kundenspezifisch, etc.) sowie die mit Gefahren und Chancen verbundenen Risiken beurteilt werden.

  • Kapitel 7: Unterstützung „Tue Gutes und rede darüber“

Auch in der Kommunikation sollen die eingegangenen Verpflichtungen zum Umweltschutz stärker als bisher beachtet werden.

Die externe Darstellung und Berichtserstattung muss geregelt sein. In Bezug auf Dokumente und Aufzeichnungen wird nur noch der Begriff der „dokumentierten Information“ verwendet. Damit wird den modernen Aufzeichnungsmedien Rechnung getragen.

  • Kapitel 8: Betrieb „Von der Wiege bis zur Bahre“

In der Ablaufplanung und -kontrolle sollen auch vor- und nachgelagerte sowie insbesondere ausgelagerte Prozesse stärker berücksichtigt werden. Dies schließt die Umwelteinflüsse von Produkten und Dienstleistungen bis zu deren Nutzungsende mit ein.

  • Kapitel 9: Leistungsbewertung „Umweltleistung messbar machen“

Aufbauend auf der erweiterten Umweltbewertung (s. Kap. 6) werden nun auch die Ansprüche an die Bewertung der Umweltleistung erhöht.

Schon bei der Festlegung der Umweltziele (Kap. 6) sollen Indikatoren verwendet werden, an denen sich die Zielerreichung und damit die Umweltleistung messen lassen.

Dazu wird u.a. auf die Norm ISO 14031 „Umweltmanagement – Umweltleistungsbewertung“ verwiesen. Die Arbeit mit Kennzahlen soll somit auch im Umweltmanagement Einzug halten.

Überwachung und Messung schließen jetzt explizit auch alle sonstigen Verpflichtungen und Risiken des Unternehmens in Bezug auf die Umweltleistung mit ein.

  • Kapitel 10: Verbesserung „Auf breiter Front besser werden“

Die Korrektur von Abweichungen sowie der Verbesserungsprozess sind jetzt stärker auf das Umfeld der Organisation sowie die Verbesserung der Umweltleistung insgesamt fokussiert.


Empfehlung des TÜV Rheinland für Unternehmen, die bereits nach ISO 14001 zertifiziert sind

  1. Führen Sie eine GAP-Analyse durch und identifizieren Sie notwendige Änderungen in der Organisation. Sind Schulungen erforderlich? Müssen grundlegende Dokumente oder die Managementsystemdokumentation angepasst werden?
  2. Intensivieren Sie Ihre Betrachtungen zu Umweltauswirkungen in der Wertschöpfungskette Ihrer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen (z.B. betreffend Rohstoffe, Lieferanten, Nutzungsphase durch Kunden, Entsorgung).
  3. Verfolgen Sie die öffentliche Diskussion zur Norm und zur Interpretation ihrer Anforderungen.
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