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Rundum-Fakten zu Weihnachten im Betrieb

Fest der Freude oder Fest des Grauens?

Gerade zur Weihnachtszeit gibt es viele Fettnäpfchen, in die Arbeitgeber und Arbeitnehmer treten können. Wer schenkt wem was? Welches Verhalten ist bei Weihnachtsfeier & Co. angebracht? Unter Umständen kann es sogar um Fragen des Versicherungsschutzes und des Brandschutzes gehen. Die Arbeitsschutz-Portal-Redaktion hat für Sie die wichtigsten Fakten rund um Advent und Weihnachten im Betrieb zusammengestellt!

Übrigens: Wichtige Tipps zur Weihnachtsfeier im Betrieb und zur Weihnachtsdeko am Arbeitsplatz finden Sie über den Link im rechten Bereich kostenlos zum Herunterladen!


Firmen-Weihnachtsfeier – Himmel oder Hölle?

Ganz egal, ob Sie ein Fan der Betriebs-Weihnachtsfeier sind oder nicht, es gibt ein paar Regeln, an die Sie sich alle halten sollten.

  • Gehen Sie hin! Auch wenn die Weihnachtsfeier für Sie eher Hölle als Himmel bedeutet, so ist sie doch eine Einladung des Chefs oder des Abteilungsleiters. Immerhin ¾ der deutschen Unternehmen richten eine Weihnachtsfeier aus. Es gibt zwar keine Verpflichtung, sich auf der Weihnachtsfeier blicken zu lassen, aber ein Besuch ist doch eine Geste des gegenseitigen Respekts. Darauf pfeift offensichtlich das gute Viertel der Kollegen, das sich in der Regel um die Weihnachtsfeier drückt.
  • Beschäftigte, die die Weihnachtsfeier „bestreiken“, dürfen nicht einfach nach Hause gehen, wenn die Weihnachtsfeier in die Arbeitszeit fällt. Sie müssen dann ihre Arbeit machen, sofern die Abwesenheit der Kollegen das nicht unmöglich macht.
  • Organisator der Feier sollte der Chef, der Abteilungsleiter oder eine von der Führungsebene beauftragte Person sein. Nur wenn es sich um eine offizielle Weihnachtsfeier des Unternehmens, oder in großen Unternehmen der Abteilung, handelt, greift der gesetzliche Unfallversicherungsschutz. Wie groß eine Abteilung allerdings sein muss, damit ihre Abteilungs-Weihnachtsfeier als offizielle Weihnachtsfeier gilt, ist strittig. Selbst wenn ein Vorgesetzter von einer Team-Veranstaltung weiß und sich positiv äußert, ist dies keine offizielle Weihnachtsfeier, wie das Bundesozialgericht geurteilt hat. Die Teilnehmer einer privat unter Kollegen organisierten Feierlichkeit sind auf jeden Fall nicht gesetzlich unfallversichert.

Regelmäßig zu Weihnachten weisen die Berufsgenossenschaften außerdem darauf hin, dass es weitere Voraussetzungen für die Durchführung einer Weihnachtsfeier gibt, damit der gesetzliche Unfallversicherungsschutz greift:

  • Der Unfallversicherungsschutz besteht nur, wenn die Feier noch offiziell im Gange ist. Wenn nur noch ein Rest der Belegschaft feiert, ist dieser nicht versichert. Wann eine Feier genau beendet ist, ist allerdings nicht 100%ig klar. Wenn der Firmenchef oder der Vorgesetzte nach Hause gehen, kann die Weihnachtsfeier beispielsweise als beendet angesehen werden.
  • Zu einer Weihnachtsfeier müssen alle Beschäftigten eingeladen sein und das Programm muss dazu geeignet sein, den Gemeinschaftsgedanken und die Verbundenheit der Belegschaft untereinander zu fördern.
  • Vorbereitungen und Aufräumarbeiten sind versichert.
  • Mindestens ein Fünftel der Belegschaft muss an der Feier teilnehmen.
  • Ist Alkohol die Ursache eines Unfalls, greift der gesetzliche Unfallversicherungsschutz nicht. Wer sich aber nach einem Glas Grog beim Tanzen den Knöchel verknackst, dürfte geschützt sein.
  • Ja, auch Unfälle beim Tanzen sind gesetzlich unfallversichert, weil alle Tätigkeiten, die dem Gesamtzweck der Veranstaltung dienen, versichert sind.
  • Direkte Wege zur Feier oder von der Feier sind versichert. Sobald Beschäftigte einen Umweg fahren, erlischt der Schutz.
  • Externe Gäste, zum Beispiel Lebenspartner oder ehemalige Angestellte, stehen nicht unter gesetzlichem Unfallversicherungsschutz.

Arbeitgeber bzw. die Weihnachtsfeier-Organisatoren müssen ebenfalls einiges beachten:

  • Pro Kopf dürfen 110 Euro für Speisen, Getränke und musikalische/künstlerische Unterhaltung pro Feier ausgegeben werden. Bei Kosten von mehr als 110 Euro pro Person müssten Arbeitnehmer den Betrag als Arbeitslohn versteuern. Achtung: die 110-Euro-Grenze gilt nur für 2 Feiern im Jahr!
  • Bei einer Weihnachtsfeier in den Unternehmensräumen muss der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchführen oder veranlassen, die die besondere Situation im Vergleich zum Arbeitsalltag betrachtet. "Juristisch gesehen handelt es sich bei einer offiziellen Weihnachtsfeier um eine betriebliche Situation", erklärt Dieter Berndt, Experte für Veranstaltungssicherheit bei TÜV Rheinland. "Deshalb gilt auch da das Arbeitsrecht. Vor der Veranstaltung sollten der Brandschutzbeauftragte und die Fachkraft für Arbeitssicherheit prüfen, ob alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind", rät Dieter Berndt. Demnach muss ab 200 Personen die Versammlungsstättenverordnung (VStättVo) eingehalten werden.
  • Wenn sowieso schon alle unter (Weihnachts-)Hochspannung stehen und das Arbeitspensum im alten Jahr kaum schaffen, lohnt es sich, darüber nachzudenken, die Weihnachtsfeier einfach in eine gemütliche, entspannte Feier im neuen Jahr umzuwandeln.


Weihnachtsdeko im Betrieb

Die einen lieben Adventskränze und den Duft von Tannen im Büro, die anderen sind Weihnachtsmuffel. Zwei Welten prallen aufeinander. Hier gilt ganz einfach: Der Chef entscheidet. Er kann jede Form von "Weihnachts-Schnickschnack" verbieten. Da der Unternehmer für den Brandschutz am Arbeitsplatz verantwortlich ist, dürften wohl in den wenigsten Betrieben echte Kerzen erlaubt sein. Schließlich ist jede Kerze eine offene Feuerstelle, die über der Flamme bis zu 750 Grad Celsius heiß werden kann.

Sollte der Vorgesetzte ein Freund von Weihnachtsdeko sein, empfiehlt sich Folgendes:

  • Verzichten Sie auf echte Kerzen. Die Brandgefahr ist einfach zu groß. Außerdem tragen Beschäftigte auch eine Verantwortung: Sie dürfen Kerzen zum Beispiel nicht unbeaufsichtigt brennen lassen.
  • Wenn es doch echte Kerzen sein müssen, stellen Sie sie auf festen, sicheren Untergrund, löschen Sie sie rechtzeitig, bevor sie komplett heruntergebrannt sind, halten Sie sie von Adventsgestecken und Tannenzweigen fern. Besonders wenn diese trocken sind, sind sie hochentzündlich.
  • Halten Sie ein entsprechendes Löschmittel bereit (Wassereimer, funktionierende Feuerlöscher). Die Mitarbeiter müssen wissen, wo diese zu finden sind (Unterweisung!)

Auch bei elektrischen Lichterketten gibt es Sicherheitsvorkehrungen zu beachten:

  • Verwenden Sie Indoor-Lichterketten niemals im Freien.
  • Achten Sie auf Prüfzeichen für die Sicherheit, etwa das VDE-Gütesiegel oder eine GS-Kennzeichnung.
  • Achten Sie beim Austausch von Leuchtmitteln darauf, dass sie die gleiche Wattzahl haben.
  • Verwenden Sie Lichterketten mit beschädigten Kabeln nicht mehr.


Darf’s ein bisschen Weihnachtsgeld sein?

Etwa jeder zweite Beschäftigte erhält Weihnachtsgeld. Die Höhe liegt zwischen 45 und 100% eines Monatseinkommens. Wenn das nicht in einem Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten ist, gibt es darauf allerdings keinen Anspruch. Erfolgt die Zahlung einer Weihnachtsgratifikation durch den Arbeitgeber freiwillig, kann höchstens durch „betriebliche Übung“ ein Rechtsanspruch entstehen. Das ist der Fall, wenn das Weihnachtsgeld drei Mal gezahlt wurde, ohne dass darauf verwiesen wurde, dass es eine freiwillige Leistung (Freiwilligkeitsvorbehalt) ist.

Vertraglich geregeltes Weihnachtsgeld kann ebenfalls durch einen Freiwilligkeitsvorbehalt ausgesetzt werden. Außerdem kann ein Widerrufsvorbehalt dafür sorgen, dass der Arbeitgeber die vertraglich vereinbarte Zahlung eines Weihnachtsgeldes widerrufen kann – etwa weil die wirtschaftliche Situation des Unternehmens eine solche Zahlung nicht erlaubt oder weil das Verhalten des Beschäftigten eine Streichung rechtfertigt.


Darf’s ein kleines Weihnachtsgeschenk sein?

Immerhin 10% der Beschäftigten beschenken ihre Arbeitskollegen. Auch Geschenke für Geschäftskunden oder zwischen Chefs und Angestellten sind keine Seltenheit. Die Grenze zwischen kleiner Aufmerksamkeit und Bestechung ist allerdings fließend – eine gesetzliche Wertgrenze, bis wann ein Geschenk ein Geschenk ist, existiert nicht. Der TÜV gibt einen Richtwert von 25 Euro an. Ausnahmen gelten für Selbständige.

So empfiehlt der TÜV etwa, kleine Sachgeschenke statt Geldgeschenke als Aufmerksamkeit zu verteilen. Auch eine betriebsinterne Regelung kann Sinn machen. Im öffentlichen Dienst gibt es meist strenge Vorgaben. Angestellte der Müllabfuhr dürfen je nach Bundesland zum Beispiel gar keine Geschenke annehmen. In größeren Unternehmen kann die Bestellung eines Compliance-Beauftragten sinnvoll sein, der die Einhaltung solcher Vorschriften überwacht. Bei Bestechlichkeit reichen die Strafen von Kündigung bis zu Gefängnis.

Eins ist sicher: Die Weihnachtszeit sollte auch in Ihrem Betrieb kein Grund für einen Herzinfarkt sein. Der Stress und die Anspannung rund um die eigentlich besinnlichen Tage sorgen dafür, dass an Weihnachtstagen etwa ein Drittel mehr Menschen wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus eingeliefert werden, als dies im Jahresdurchschnitt der Fall ist, wie die DAK herausgefunden hat. Gesellen Sie sich lieber zu den 60% der Menschen, für die die Weihnachtszeit eine schöne Zeit ist, um sich zu entspannen.

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