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Baustellen - Arbeitsplätze der besonders gefährlichen Art

Viele Gefahren - viele Arbeitsschutzvorschriften

Gefahrstoffe, Arbeiten in der Höhe, Witterung, Verkehr … die Arbeit auf Baustellen birgt viele Gefahren und noch dazu wandeln sich die Arbeitsbedingungen je nach Fortschritt auf der Baustelle. Bei der Planung und Einrichtung von Baustellen sind zum Schutz der rund 2,5 Millionen Beschäftigten in erster Linie die derzeit umstrittene Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellenverordnung – BaustellV), die die Pflichten des Bauherrn beschreibt, zu beachten. Für Straßenbaustellen, an denen die Beschäftigten im Grenzbereich zum Straßenverkehr arbeiten, ist die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A5.2 „Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege auf Baustellen im Grenzbereich zum Straßenverkehr - Straßenbaustellen“ die Vorgabe, an die es sich zu halten lohnt. Sie beschreibt Mindestabstände zwischen Arbeitern und vorbeifließendem Verkehr, Mindestbreiten von Arbeitsplätzen oder Wegen oder Höchstgeschwindigkeiten. Wie drängend Arbeitsschutz- und Sicherheitsmaßnahmen auf Baustellen sind, zeigt allein die Tatsache, dass die ASR A5.2 im Mai 2014 schon vor der Bekanntmachung im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) veröffentlicht wurde – wegen drängender Probleme, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) damals begründete. Die offizielle Bekanntmachung im GMBl ist bis heute nicht erfolgt.

Je nach Tätigkeit können aber noch weitere Vorschriften und Regelungen greifen, wie etwa die Gefahrstoffverordnung oder das Abfallrecht (Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG, Verpackungsverordnung oder Nachweisverordnung). Auch Vorsorge im Rahmen der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) kann bei bestimmten Tätigkeiten auf Baustellen notwendig sein. Wer bei der Baustelleneinrichtung, bei der Baustellenplanung und während der Bauzeit arbeitsschutzrechtlich auf der sicheren Seite sein will, sollte sich an die Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB) halten. Diese konkretisieren die Arbeitsschutzvorschriften, besonders natürlich die Baustellenverordnung, und beachten dabei den neuesten Stand der Technik von Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen.


Unfälle, Gesundheitsschäden, Berufskrankheiten bei Bauarbeitern besonders oft

Zwar geht die Zahl der Arbeitsunfälle auf Baustellen seit Jahren zurück – 2013 verunglückten nach Angaben der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) bei der Arbeit auf deutschen Baustellen fast 4.000 Personen weniger als im Vorjahr. Doch 105.248 Unfälle sind immer noch 105.248 Unfälle zu viel. Als häufigste Unfallursachen nennt die BG BAU Stolpern, Kontrollverlust über Werkzeuge und Unfälle an Leitern, Trittleitern und Gerüsten. Besonders betroffene Berufsgruppen sind Gerüstbauer, Dachdecker, Maler, Lackierer, Zimmerer.

Doch nicht nur Unfälle, auch Berufskrankheiten oder Frühverrentungen treten bei Beschäftigten im Hochbau, im Tiefbau oder auch in Ausbauberufen oder bei Bauhilfsarbeitern im Durchschnitt häufiger auf als bei Beschäftigten in anderen Branchen. Im Vergleich zu Beschäftigten in anderen Berufen, von denen 16% angeben, an der Leistungsgrenze zu arbeiten, sind es bei Baustellenarbeitern 29%, die sich am Limit sehen.


Gesundheitsgefährdungen und Unfallgefahren auf Baustellen

Die größte Unfallgefahr birgt der Verkehr, sowohl innerhalb der Baustelle als auch bei der Arbeit an Straßen. Bei der Arbeit mit Erd- und Straßenbaumaschinen sind die Sichtverhältnisse oft schlecht, aber auch Bauarbeiten direkt am vorbeifließenden Straßenverkehr sind gefährlich.

Staub, Rauch oder Partikel, die bei Abbrucharbeiten, beim Schweißen, Fräsen, Schneiden, aber auch einfach beim Fahren auf sommerlich-staubigen Baustellenwegen entstehen, können die Gesundheit der Beschäftigten schädigen. Bei größeren Bauvorhaben kann ein Staubminderungskonzept Pflicht sein. Bauarbeiter sind zudem häufig den Abgasen von Baumaschinen direkt ausgesetzt. Der Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und die IG BAU fordern deswegen eine Partikelfilterpflicht für Baumaschinen.

Die Arbeit mit belasteten Baustoffen oder Materialien, wie zum Beispiel Lacken, kann den Umgang mit Gefahrstoffen zum wichtigen Arbeitsschutz-Thema auf Baustellen machen. Auch die Gefährdungen durch den einstigen "Wunderbaustoff" Asbest sind nach wie vor präsent. Der Höhepunkt der Erkrankungswelle wird erst in den nächsten Jahren erwartet. Nach wie vor sind Bauarbeiter täglich asbesthaltigen Materialien ausgesetzt.

Die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen, dazu gehören Prüfungen, Messungen, Fehlersuche, der Austausch von Teilen oder die Reinigung, müssen oft an laufenden Maschinen durchgeführt werden - Gefahr für Leib und Leben! Auch Manipulationen an Schutzeinrichtungen für Maschinen sind keine Seltenheit.

Lärm von Werkzeugen, Maschinen, aber auch vom vorbeifließenden Verkehr an Straßenbaustellen kann eine enorme Belastung für Beschäftigte auf Baustellen sein.

Absturzgefahr besteht bei Arbeiten in Höhen und an Gruben.

Verschüttetwerden oder Versinken sind ebenfalls Gefährdungen, die auf Baustellen auftreten können. Tätigkeiten, bei denen die Gefahr des Verschüttetwerdens oder des Versinkens besteht, sind nach BauStellV, Anhang II sogar als "besonders gefährliche Arbeiten" einzustufen.

Lasertechnik wird auf Baustellen häufig für die Vermessung eingesetzt. Eine Blendung durch Laser kann Beschäftigte irritieren und sogar das Auge schädigen. Arbeiten mit strahlungsintensiven Lasern müssen bei der BG Bau angezeigt werden und es wird ein Laserschutzbeauftragter benötigt.

Ergonomische Gefährdungen treten durch Arbeit in Zwangshaltungen, etwa im Bücken, im Hocken oder im Stehen, durch Hand-Arm-Arbeiten mit sich ständig wiederholenden belastenden Bewegungen, durch das Heben und Tragen von schweren Lasten, durch Ganzkörpervibration (GKV) und Hand-Arm-Vibration (HAV) bei der Arbeit auf und mit Maschinen auf. Während 72% der Erwerbstätigen in Bauberufen schwere Lasten heben und tragen müssen und 64% häufig in Zwangshaltungen arbeiten müssen, sind dies in anderen Berufen nur 21% beziehungsweise 17%.

Nicht nur vor Sommerhitze müssen sich Bauarbeiter schützen: Seit neue Baumaterialien und moderne Technologien Winterbaustellen möglich machen, wird vermehrt die Arbeit auf Baustellen bei Kälte, Eis und Schnee zum Arbeitsschutz-Thema. Extreme klimatische Bedingungen können krank machen und bei Eis und Schnee besteht Rutschgefahr! Übrigens: Seit Anfang 2015 kann weißer Hautkrebs unter bestimmten Bedingungen mit der BK-Nr. 5103 als Berufskrankheit anerkannt werden.

Psychische Fehlbelastungen können durch Leistungsdruck, einen geringen Handlungsspielraum oder monotone Tätigkeiten entstehen. Auch Sprachbarrieren können belastend sein.

Kurzum: Die Unfallgefahr ist für Beschäftigte auf Baustellen etwa doppelt so hoch wie für andere Beschäftigte und auch Berufskrankheiten und die Berufsunfähigkeit sind keine Seltenheit. Baustelleneinrichtung, Arbeitsschutz und die Baustellensicherung wollen also gut geplant sein, damit die Gefährdungen so weit wie möglich reduziert werden können. Je nach Größe und Arten der Arbeit muss der Bauherr, wenn er nicht selbst die benötigte Ausbildung besitzt, einen Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator (SiGeKo) bestellen. Wann ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGePlan) Pflicht ist, steht in der Baustellenverordnung geschrieben und hängt ebenfalls mit der Größe der Baustelle, der Anzahl der beteiligten Unternehmen und der Gefährlichkeit und Dauer der Bauarbeiten zusammen.


Praxishilfen und nützliche Links

Hilfen für die sichere Baustellenplanung oder zumindest erste wichtige Informationen gibt es bei renommierten Anbietern im Internet. Die Offensive Gutes Bauen von der INQA bietet Checks und Unterstützung für Bauherren, Praxishilfen für Handwerksbetriebe und Unterstützungsangebote für Planer und Projektleiter.

Das Thema "Ergonomie bei Bauarbeiten" wird immer zentraler. Das gleichnamige Webportal von der BG BAU befasst sich damit. Hier erfahren Sie mehr über ergonomische Produkte, körperliche Belastungen, Klima, Lärm, Vibrationen und über Präventionsangebote von der BG BAU, wie das bauspezifische Rückentraining oder das Kniekolleg.

Die BG BAU bietet außerdem Arbeitsschutz-Prämien für ausgewählte Arbeitsschutzmaßnahmen rund um die Bauwirtschaft. Eine Förderung von bis zu 2.000 Euro gibt es für Maßnahmen in der Sachprävention sowie in der Verhältnis- und Verhaltensprävention.

Auch die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) hat sich mit ihrem Arbeitsprogramm Bau (2008 bis 2012) den vielfältigen Gefahren am Arbeitsplatz Baustelle gewidmet. Informationsmappen, Merkkarten oder Checklisten können Sie dort herunterladen.

Wer eine sichere Baustelle will, muss früh - nämlich bei Baustellenplanung und Baustelleneinrichtung anfangen. Damit Arbeitsschutz und Sicherheit auf Baustellen funktionieren, gilt es, dass alle mitmachen und sich bewusst verhalten. Nur die Kombination aus sicherer Umgebung und sicherem Verhalten kann dazu führen, dass Unfälle, Gesundheitsschäden und Berufskrankheiten so gut wie möglich vermieden werden.

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