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Erste Studienergebnisse: Friseure arbeiten ungesund

Vom Schildkrötennacken bis zur ständigen Wiederholung kleiner Bewegungen

Das tut schon beim Hingucken weh! Friseure geraten in ihrem Arbeitsalltag in verschiedenste ungünstige Körperhaltungen, die das Muskel-Skelett-System belasten können. Das zeigen erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt, das die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) durchführt. Im Oktober hatte die BGW im Rahmen der Studie zur Teilnahme an einer Befragung aufgerufen – jetzt gibt es einen Zwischenstand.

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) verursachen in Deutschland besonders viele Arbeitsunfähigkeitstage – und das über alle Branchen hinweg. Im Friseurhandwerk entfielen im Jahr 2011 nach den Daten von drei Krankenkassen knapp 20 Prozent der krankheitsbedingten Ausfalltage auf MSE. Und das, obwohl die meisten Beschäftigten in der Branche relativ jung sind: Gut die Hälfte der sozialversicherungspflichtig tätigen Friseurinnen und Friseure in Deutschland war 2011 jünger als 35 Jahre.


Ungünstige Körperhaltungen verursachen Gesundheitsprobleme

Zu den Ursachen von MSE könnte bei Beschäftigten im Friseurhandwerk das Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen zählen. „Dabei geht es um Haltungen und Bewegungen, bei denen sich Gelenke nicht in ihrer neutralen Position befinden“, erklärt Dania Kitzig, die das Projekt für die BGW betreut. „Die betreffenden Muskeln müssen dann oft mehr Kraft aufwenden und auch die Sehnen und Gelenke werden in solchen Haltungen stärker beansprucht.“


Schneiden, Färben, Föhnen, Waschen sind die ungesunden Haupttätigkeiten

Für die Studie wurden exemplarisch fünf Friseure während einer Arbeitsschicht gefilmt. So wollten die Forscher herausfinden, welche Tätigkeiten im Friseursalon wie häufig und wie lange ausgeübt werden und welche Körperhaltungen dabei auftreten. Zwei Drittel der Zeit verbrachten die Probanden mit den vier Haupttätigkeiten Schneiden, Färben, Föhnen und Waschen. „Damit liegt erstmals ein – wenn auch nicht repräsentativer – Gesamtüberblick über die verschiedenen Tätigkeiten im Friseurberuf und ihre zeitlichen Gewichtungen vor“, fasst Kitzig zusammen.


Vom Schildkrötennacken bis zum krummen Rücken – Fehlhaltungen gibt es viele

Ungünstige Körperhaltungen und Bewegungen fand das Forschungsteam bei den Friseuren im Bereich der Schultern, der Arme, der Hände und der gesamten Wirbelsäule. Folgende Fehlhaltungen und ungünstige Bewegungen wurden im Einzelnen beobachtet:

  • Arme zu hoch: Die Friseure hoben beim Schneiden, Färben und Föhnen häufig ihre Arme seitlich an – zum Teil höher als die Schultern und über längere Zeit. Wie stark diese Bewegung war, hing von der Frisiertechnik und vom Größenverhältnis zwischen den beteiligten Personen ab. Die Nutzung eines Rollhockers beim Schneiden wirkte sich zum Beispiel negativ auf die Armhaltung aus: Wer hier im Sitzen arbeitete, hob die Arme noch höher an als im Stehen.
  • Schildkrötennacken: Beim Waschen und beim Schneiden bekamen die Probanden häufig einen sogenannten Schildkrötennacken. Dabei verschiebt sich die Halswirbelsäule nach vorne. Manchmal wurde die Halswirbelsäule beim Waschen und Schneiden auch nach hinten überstreckt.
  • Krummer Rücken: Besonders beim Waschen und Schneiden neigten die beobachteten Friseure ihren Oberkörper teils stark nach vorne und verharrten auch länger in solchen ungünstigen Haltungen.
  • Steile Lendenwirbelsäule: Auch die Rückenhaltung beim Haareschneiden verbesserte ein Rollhocker nicht. Vielmehr verschwand im Sitzen das natürliche Hohlkreuz, so dass die Lendenwirbelsäule in eine künstliche Steilstellung geriet.


Wiederholung der Tätigkeit belastet den Körper

Auch das häufige Wiederholen kleiner Bewegungen kann Probleme verursachen. Belastungen beobachtete das Forschungsteam an den Fingern (beim Waschen und Schneiden), am Handgelenk (beim Schneiden, Rasieren, Föhnen und Färben) und am Ellenbogen (beim Färben).


Forschung geht weiter

Die aktuellen Erkenntnisse basieren auf der ersten von insgesamt vier Teilstudien. Das Forschungsteam wird nun die berufstypischen Körperhaltungen und Bewegungen von Friseuren weiter untersuchen und die Befragung von Beschäftigten der Branche zu Muskel-Skelett-Beschwerden auswerten. Praxistaugliche Maßnahmen zu entwickeln, mit denen sich im Friseurhandwerk die arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren für den Bewegungsapparat reduzieren lassen, ist definiertes Ziel der Forschung.

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