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Weste soll vor Rückenproblemen schützen

Körperliche schwere Arbeit kann bald leichter werden

Ob in Pflegeberufen, bei Bauarbeiten, Dachdeckerarbeiten oder als Müllmann: Viele Menschen müssen in ihrem Beruf schwer heben – und das bleibt nicht ohne Folgen: Knapp 10 % der Arbeitsausfälle in Deutschland sind auf Rückenprobleme zurückzuführen. Das geht aus dem Gesundheitsbericht 2014 der Techniker Krankenkasse hervor. Eine Weste, die Forscher an den Fraunhofer-Instituten für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) und Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) derzeit entwickeln, könnte Pflegekräften und anderen Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen das Leben bald wesentlich leichter machen.

Im Projekt „CareJack“ entsteht gerade eine aktive Weste für alle Berufsgruppen, die schwere Lasten bewegen, heben, tragen, umlagern müssen. Diese Orthese (kurz für: orthopädische Prothese) trägt kaum auf, ist leicht, weich und bequem zu tragen. Sie lässt sich so einfach überstreifen wie ein Mantel. Experten sprechen von Softrobotik.

"Bisher gibt es keine effizienten Unterstützungssysteme, um die schwere Arbeit im sehr vielfältigen Pflegealltag zu erleichtern", sagt IPK-Experte Henning Schmidt, der das Projekt betreut. Wer in Krankenhäusern, Altenheimen oder der ambulanten Pflege zupackt, braucht vor allem einen kräftigen Rücken. Aber wie kann man die Wirbelsäule unterstützen, ohne ihre Bewegungsmöglichkeiten einzuschränken? Ganz einfach: Das Material der Weste ist weich und behindert den Träger nicht in seinen Bewegungen, die gesamte Elektronik ist darin eingearbeitet.

Die nötige Energie erzeugt der Träger selbst durch seine Bewegungen. Beugt sich etwa ein Pfleger herunter, um einen Patienten anzuheben, speichert die intelligente ergonomische Hilfe diese Bewegungsenergie und gibt sie bei Bedarf wieder frei.


Ergonomiewunder-Weste soll falsche Bewegungsabläufe verhindern

Die Orthese soll aber vor allem dafür sorgen, dass sich die Pflegekräfte „richtig“ bewegen. Denn viele orthopädische Probleme entstehen durch falsche Bewegungsabläufe. Klassisches Beispiel: Wer eine schwere Last vom Boden anhebt, sollte nicht mit gestreckten Beinen den Oberkörper vorbeugen, sondern mit geradem Oberkörper in die Knie gehen. In der "CareJack" stecken viele Sensoren, die überwachen, wie sich der Träger bewegt. Ein Prozessor vergleicht diese Daten mit dem optimalen Bewegungsablauf. Registriert er einen Fehler, leuchtet eine Warnlampe auf. Und nicht nur das: Aktoren aus Kunststoff mit einstellbarer Steifigkeit helfen, falsche Bewegungsabläufe zu vermeiden und korrekte zu unterstützen. "Der Träger kann selbst festlegen, welchen Grad der Unterstützung er haben möchte", sagt Schmidt.

Na, neugierig geworden? Noch 2015 soll ein Prototyp der Weste fertiggestellt werden. Mit einer Serienfertigung rechnet Schmidt in ein bis zwei Jahren. Der Bedarf, sagt er, sei sehr groß.

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