Nachricht

Gesundheit im Betrieb: Zwei Studien schocken die Arbeitswelt

Krankenkassen legen Zahlen zu Doping und Stress am Arbeitsplatz vor

Über die Ergebnisse von zwei Studien spricht die (Arbeits-)Welt seit Tagen: Immer mehr Beschäftigte greifen bei der Arbeit zu leistungssteigernden oder stimmungsaufhellenden Medikamenten. Außerdem sorgen Stress und Druck am Arbeitsplatz dafür, dass Mitarbeiter ihre Gesundheit durch ihr Verhalten gefährden.

Die Zahlen zum "Doping am Arbeitsplatz" präsentierte die DAK-Gesundheit. Der DAK-Gesundheitsreport ergab: Die Anzahl der Beschäftigten, die am Arbeitsplatz schon einmal zu leistungssteigernden oder stimmungsaufhellenden Medikamenten gegriffen haben, ist in den letzten 6 Jahren stark gestiegen - und zwar von 4,7 auf 6,7 %! Die Dunkelziffer schätzt die DAK auf 12 %. Und es sind nicht die Top-Manager und Führungskräfte, die am Arbeitsplatz Medikamente missbrauchen. Im Gegenteil: Gerade Beschäftigte, die einfachen Tätigkeiten nachgehen und die Angst vor einem Jobverlust haben, greifen zu Drogen. 

Während Männer mit Hirndoping ihre Leistung steigern wollen, möchten Frauen mit diesem sogenannten "Neuro-Enhancement" ihre Stimmung aufbessern. Nach Angaben der DAK-Gesundheit, die für ihren Gesundheitsreport die Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten auswertete und zusätzlich 5.000 Beschäftigte zwischen 20 und 50 Jahren befragte, werden besonders gerne Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe (60,6 %) und gegen Depressionen (34 %) geschluckt.


Gesundheitsschäden sind beim Hirndoping "inklusive"

Mehr als jeder Zweite bekommt diese Medikamente verschrieben, mehr als jeder Siebte bekommt sie aus dem näheren Umfeld, jeder Zwölfte bestellt sie online ohne Rezept. Aber ganz egal, woher die Substanzen stammen, eins ist klar: "Eine Wunderpille gibt es nicht. Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Demgegenüber stehen hohe gesundheitliche Risiken, wie körperliche Nebenwirkungen bis hin zur Persönlichkeitsveränderung und Abhängigkeit“, berichtet Prof. Dr. Klaus Lieb, Facharzt und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Die möglichen kurzfristigen gesundheitlichen Folgen: Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen. Wie mögliche Langzeitfolgen aussehen, sei dagegen noch völlig unklar. 

Die DAK-Experten raten, Hände weg von Hirndoping zu lassen und stattdessen Stress lieber aktiv anzugehen, etwa mit einer positiven inneren Einstellung, einer guten Selbstorganisation, sinnvoller Freizeitbeschäftigung und ausreichend Schlaf.


Selbstgefährdendes Verhalten wegen Stress, Druck, unrealistischen Zielvorgaben

Die Gründe für solches "selbstgefährdendes Verhalten" haben die BARMER GEK und die Bertelsmann Stiftung im Rahmen ihres Gesundheitsmonitors ausgemacht. Die Befragung von 1.000 Beschäftigten hat ergeben: Steigende Zielvorgaben, Stress und Druck am Arbeitsplatz fördern selbstgefährdendes Verhalten. Ein Viertel der Befragten gab an, das bisherige Tempo im Job nicht mehr lange durchzuhalten. 18 % erreichen oft ihre Leistungsgrenzen. 23 % verzichten auf Pausen, dabei sind diese gerade besonders wichtig! Laut BARMER zeigt sich das selbstgefährdende Verhalten der deutschen Beschäftigten in diesem Verzicht auf Erholungspausen und -phasen, sowie im übermäßigen Konsum von scheinbar leistungssteigernden Substanzen (Nikotin, Medikamente) als auch darin, dass Sicherheits-, Arbeitsschutz- und Qualitätsstandards unterlaufen werden.

Sowohl Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, als auch Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, sehen die Unternehmen in der Verantwortung. Mohn rief Manager dazu auf, die Leistungskultur im Unternehmen zu betrachten und durch realistische Arbeitsziele positiv zu beeinflussen, während Straub die Studienergebnisse nutzte, um Aspekte des geplanten Präventionsgesetzes zu loben. Für ihn ist aber auch klar, dass die Unternehmen stärker engagiert sein müssten. "Wir brauchen in erster Linie keine neuen Rechtsvorschriften. Wir brauchen in Unternehmen eine Kultur, die Gesundheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg anerkennt und fördert."

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden