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Erkrankungen durch Epoxidharze - Tausende sind betroffen

Beschäftigte müssen sich schützen - Heimwerker sollten die Chemikalie verbannen

Immer mehr Beschäftigte in der Bauwirtschaft entwickeln Allergien auf Epoxidharze. Seit 15 Jahren steigt die Zahl der Erkrankungen stark an. Knapp 250 neue Fälle registrieren die gewerblichen Berufsgenossenschaften jedes Jahr, wie die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) berichtet. Die BG BAU mahnt deswegen zu besseren Arbeitsschutz-Maßnahmen und professionellem Umgang mit Epoxidharzen.

„Epoxidharze werden in der Bauwirtschaft und anderen Branchen zunehmend eingesetzt. Wegen der guten technischen Eigenschaften sind sie inzwischen Standardwerkstoffe. Die Schattenseite: Immer mehr Berufstätige leiden unter Epoxidharz-Allergien. Zahlreiche Beschäftigte müssen ihren Beruf deswegen aufgeben.“ Das sagte Hansjörg Schmidt-Kraepelin, Mitglied der Geschäftsführung der BG BAU auf einer Fachtagung im April in Köln. Auch Baumärkte und Discounter bieten Epoxidharze an, die von Heimwerkern genutzt werden - und das nicht immer fachgerecht.


Wunderwerkstoff Epoxidharz?

Die technischen Eigenschaften von Epoxidharzen sind hervorragend, etwa bei der Boden- und Wandbeschichtung, als Schutz von Fassaden, gegen Korrosion und Säuren oder zum Beschichten von Industriefußböden. Eine Ausweichmöglichkeit auf alternative Baustoffe gibt es meist nicht. Zusammen mit Härtern reagiert die Harzkomponente zu einem vielseitig einsetzbaren Formstoff, der eine hohe Beständigkeit gegen viele Chemikalien und Feuchtigkeit aufweist. Mit von Baumärkten oder Discountern angebotenen Epoxidharz-Produkten können im privaten Bereich schadhafte Stellen im Bad - etwa an Fliesen oder Badewannen - erneuert oder Wasserrohre abgedichtet werden. Immer mehr Beschäftigte und Heimwerker kommen also mit Epoxidharzen in Kontakt. Die Risiken sind vielen Anwendern und Betrieben aber oft kaum bekannt.

Epoxidharze sind hochreaktive Chemikalien, für deren Umgang Fachkenntnisse notwendig sind. Unternehmen haben darauf zu achten, dass ihre Mitarbeiter die Vorgaben der Betriebsanweisungen und Sicherheitsdatenblätter beachten. Die Produktinformationen auf den Verpackungen und Gebinden müssen genau berücksichtigt werden - private Nutzer sind hier überfordert.

Ergebnisse einer Untersuchung der Ursachen, warum Beschäftigte erkranken - durchgeführt von der Berufsgenossenschaft und der niederländischen ARBOUW (Wissens- und Dienstleistungsinstitut für Arbeitsbedingungen im Bauwesen) -, bestätigen die Mahnungen der BG BAU. Die wichtigsten Ergebnisse: Bei den Erkrankten fehlten chemikalienbeständige Handschuhe; die Arbeitskleidung war ungeeignet - beispielsweise kurzärmlige Hemden; die Epoxidharze wurden ohne Schutz kniend verarbeitet; Beschäftigte duschten nicht am Arbeitsplatz oder wechselten ihre Arbeitskleidung nach Arbeitsschluss erst am Wohnort. Bei den Erkrankten fand außerdem viel seltener eine Einweisung durch den Arbeitgeber statt als bei der Kontrollgruppe. „Diese Untersuchung macht den hohen Stellenwert eines professionellen Umgangs mit Epoxidharzen deutlich“, sagte Schmidt-Kraepelin.


Schlimme Gesundheitsschäden in nur wenigen Tagen

Die Epoxidharze und Härter können bereits nach wenigen Tagen Verätzungen an Händen, Beinen und im Gesicht sowie schlimme und dauernde Hautallergien auslösen. Wie Prof. Dr. med. Johannes Geier vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) ausführt, schließt der IVDK aus den vorliegenden Untersuchungswerten, dass in Deutschland etwa 200.000 Menschen gegen Epoxidharz sensibilisiert sind.

„Daher sind die Kenntnis der Gefahren sowie Schutzmaßnahmen im Beruf unerlässlich. Und im privaten Bereich haben Epoxidharze gar nichts zu suchen“, betonte Dr. Reinhold Rühl, Leiter des Bereichs Gefahrstoffe der BG BAU


Das sind die notwendigen Schutzmaßnahmen

„Zudem ist bei der Arbeit für eine ausreichende Lüftung zu sorgen. Bei Spritzverfahren und beim Einsatz von lösemittelhaltigen Produkten muss zusätzlich Atemschutz verwendet werden“, so Rühl. Insbesondere sei es wichtig, einen direkten Hautkontakt mit Epoxidharzen zu vermeiden, das gelte auch für das Mischen der Komponenten Harz und Härter. Am besten sei es, die Gebinde in geschlossenem Zustand zu mischen. Um den Hautkontakt zu verhindern, gebe es Verarbeitungsgeräte mit Spritzschutz, langstielige Roller, Wisch- und Verteilgeräte sowie Handrührwerke mit stufenlos regelbarer Rührgeschwindigkeit.

Beschäftigte müssen geeignete Schutzanzüge, wie Overall, Schutzhose oder eine Schürze, tragen, ebenso wie Schutzbrillen und spezielle Handschuhe. Bei lösemittelhaltigen Epoxidharzen sind oft nur Handschuhe aus Fluorkautschuk geeignet. Für die Arbeit mit lösemittelfreien Epoxidharzen empfiehlt die BG BAU spezielle Chemikalienschutz-Handschuhe, die mehrfach am Tag zu wechseln sind.

„Bereits vor Beginn der Arbeit“, so Rühl, „müssen sich die Beschäftigten einer arbeitsmedizinischen Vorsorge unterziehen“. Und die Betriebe seien in der Pflicht, ihre Mitarbeiter über Gefahren und Schutzmaßnahmen zu unterweisen.

Für Heilbehandlungen, Rehabilitationen und Renten von durch Epoxid bedingte Erkrankungen zahlten die Berufsgenossenschaften in den Jahren zwischen 1999 und 2013 über 54,6 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Dermatologen ist das jedoch nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Beschäftigte arbeiten trotz Hauterkrankungen weiter und zeigen ihre Berufskrankheit nicht an. Oder sie gehen mit allergischen Hauterkrankungen lediglich zum Hausarzt.

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