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Gefahrstoff-Countdown: Sind Sie bereit für CLP?

Stichtag 01. Juni 2015 für Gemische

Ab 01. Juni gibt es keine Ausreden mehr! Dann müssen auch Gemische, die gefährliche Stoffe enthalten, nach der CLP-Verordnung eingestuft, gekennzeichnet und verpackt sein. Bereits seit 2009 ist die Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen ("Regulation on Classification, Labelling and Packaging of Substances and Mixtures"), besser bekannt als CLP-Verordnung, in Kraft. Seit 2012 müssen Stoffe bereits nach den neuen Regeln eingestuft, verpackt und gekennzeichnet sein. Ab 01. Juni 2015 gilt das auch für Gemische. Lediglich für den Abverkauf bestimmter Lagerbestände kann die alte Regelung noch bis 2017 erlaubt sein. Die Zubereitungsrichtlinie 1999/45/EG und die Stoffrichtlinie 67/548/EWG treten mit dem 01. Juni 2015 außer Kraft.

Auch wenn es nach einem kleinen Schritt für Formulierer, Importeure und Anwender klingt: Diese Deadline trifft deutlich häufiger als die im Jahr 2012 für Stoffe gültig gewordene, denn es sind in der EU wesentlich mehr Gemische im Umlauf als reine Stoffe. Auch in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sollte die Umstellung bis 01. Juni passiert sein – trotz des unter Umständen großen Aufwands. Dafür bietet die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) spezielle Online-Infos.

Privatpersonen werden den Auswirkungen der CLP-Verordnung jetzt ebenfalls häufiger begegnen: Schließlich sind es meist Gemische, die in den Regalen der Baumärkte und Supermärkte zu finden sind, und zwar in Form von Lacken, Desinfektionsmitteln, Sauerstoff und Flüssiggasen, Farben, Reinigern, Klebstoffen …

Übrigens: Die CLP-Verordnung basiert auf dem Globally Harmonised System (GHS), einem Vorschlag der Vereinten Nationen (UN), wie Chemikalien weltweit eingestuft und gekennzeichnet werden sollten. Ziele von GHS und CLP sind ein besserer Schutz für Anwender und Umwelt, eine bessere Einschätzung der Gefahren und dadurch eindeutigere Findung von Schutzmaßnahmen, sowie ein unkomplizierterer Handel – weltweit bzw. europaweit einheitlich.



Das bedeutet CLP für die Praxis

Einstufung: Die Einstufung nach der CLP-VO erfolgt in Gefahrenklassen, die die Art der Gefahr beschreiben. Die Gefahrenklassen wiederum sind untergliedert in Gefahrenkategorien. Es gibt derzeit 16 Gefahrenklassen für physikalische Gefahren (bspw. "Entzündbare Feststoffe", "Aerosole", "Oxidierende Gase" …), 10 für Gesundheitsgefahren (bspw. "Karzinogenität", "Aspirationsgefahr", "Schwere Augenschädigung/Augenreizung" …) und zwei für Umweltgefahren (akut und chronisch gewässergefährdend).

Eine Einstufung wie bisher nach Zubereitungsrichtlinie ist nicht empfehlenswert und führt oft zu falschen Ergebnissen. Die Datenfindung für Stoffe und Gemische ist oft kompliziert. Zwar sind im Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis bei der ECHA vorhandene Daten für Stoffe zu finden, die bei der Einstufung helfen können. Die Daten-Qualität wird aber nicht durch die ECHA geprüft und es gibt einige Stoffe, für die unterschiedliche Daten von verschiedenen Stellen gemeldet wurden. Solche Doppelmeldungen sollten eigentlich durch Kommunikation vermieden werden …

Viele gesundheits- oder umweltgefährdende Stoffe und Gemische unterliegen nach der CLP-VO einer strengeren Einstufung als es vorher der Fall war. Das gilt oft für ätzende, fruchtbarkeitsschädigende  oder sensibilisierende Stoffe und Gemische. Ein Gemisch, das zu 3% einen ätzenden Stoff enthält, muss nun beispielsweise mit dem Piktogramm für Ätzwirkung versehen werden. Vorher war ein solches Produkt weder einstufungs- noch kennzeichnungspflichtig.

Bei der Einstufung haben sich außerdem einige Begrifflichkeiten geändert. Etwa wurde aus "krebserzeugend" "karzinogen", aus "fruchtbarkeitsschädigend" wurde "reproduktionstoxisch" …


Kennzeichnung: Auch bei Gemischen ist ab dem 01. Juni 2015 eine komplett neue Kennzeichnung notwendig. Auf den Gefahrstoff-Etiketten müssen dann die neuen Gefahrenpiktogramme (schwarzes Piktogramm auf weißem Hintergrund in einem auf der Spitze stehenden Quadrat mit roter Umrandung) zu finden sein. Hier gibt es neue Symbole: Eine Gasflasche signalisiert Gefahr durch unter Druck stehende Gase. Ein menschlicher Oberkörper mit einem Stern darin zeigt eine allgemeine Gesundheitsgefahr an, die auch mit Verzögerung eintreten kann, also zum Beispiel Krebserkrankungen oder Erbgutveränderungen. Das Andreaskreuz aus der alten Kennzeichnung wird durch das Ausrufezeichen ersetzt, das zu Vorsicht wegen reizender, sensibilisierender, gesundheitsschädlicher Stoffe und Gemische mahnt.

Für die konkrete Kennzeichnung bietet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Poster als Umwandlungshilfen an, zum einen für die Einstufung und Kennzeichnung der Gesundheitsgefahren, zum anderen für physikalische Gefahren und Umweltgefahren.

Die Piktogramme können durch die Signalwörter "Achtung" für geringere Gefahren und "Gefahr" für größere Gefahren ergänzt werden.

Die Gefahren- und Sicherheitshinweise (ehemals R- und P-Sätze) heißen jetzt H-Sätze ("hazard") und P-Sätze ("precaution"). EUH-Sätze sind nur in der CLP-VO, nicht im GHS zu finden: Es handelt sich um "europäische H-Sätze", die im GHS nicht vorgesehen waren. Sie werden für Stoffe und Gemische vergeben, die zum Beispiel heftig mit Wasser reagieren (EUH 014), bei Berührung mit Wasser giftige Gase entwickeln (EUH 029) oder bei denen wiederholter Kontakt zu spröder, rissiger Haut führt (EUH 066).


Der Rattenschwanz der CLP-Verordnung

Für Unternehmen ziehen diese Änderungen im wahrsten Sinne des Wortes einen Rattenschwanz nach sich, denn es sind einige Dokumente anzupassen, vom Sicherheitsdatenblatt (SDB) über die Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisungen … natürlich müssen die neuen Kennzeichnungen auch Teil der Unterweisung sein. Hierzu bietet die International Social Security Association (issa) zum Beispiel die Unterweisungs-Vorlage "Sicherheitsunterweisung: Lagerung von Gefahrstoffen" an.

Eine vollständige Anpassung der Gefahrstoffverordnung an die CLP-VO soll im Herbst 2015 folgen. Auch hier müssen die neuen Begrifflichkeiten und Kategorien eingeführt und sämtliche Bezüge zu Stoff- und Zubereitungsrichtlinie entfernt werden ….

Sind Sie bereit für die "volle Ladung" CLP-Verordnung zum 01. Juni 2015?

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