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Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz: Enttabuisierung hilft!

Tipps und Links für Betroffene

Schreie, Schläge, Bedrohung mit Waffen: Berufstätige werden am Arbeitsplatz immer wieder mit Aggressionen und Gewalt konfrontiert. Beschäftigte in Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Krankenhäusern, ärztlichen und therapeutischen Praxen, Beratungsstellen und Apotheken sind häufig betroffen. Systematische Prävention und Hilfe für Betroffene sind nur möglich, wenn das heikle Thema enttabuisiert wird. Darauf weist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hin.


Enttabuisierung - über Vorfälle sprechen

"Sowohl Betroffene als auch Betriebe tun sich zum Teil schwer, mit dem Thema offen umzugehen", berichtet Dr. Heike Schambortski, Präventionsexpertin der BGW. "Gerade im Gesundheits- und Sozialbereich bewerten Beschäftigte Gewalterfahrungen manchmal als persönliches Versagen, schweigen aus Scham- oder Schuldgefühlen." Sorgen ums Image verhinderten auf betrieblicher Ebene die systematische Vorbeugung. "Dabei gewinnen alle Beteiligten, wenn sie die Tabus aufbrechen", fährt Dr. Schambortski fort: "Opfer von Übergriffen erhalten professionelle Hilfe und der Betrieb gewinnt wichtige Erkenntnisse für die künftige Vorsorge." Die Expertin empfiehlt, auch kleinere Vorkommnisse zu besprechen. "Eine wichtige Rolle für die Kommunikation im Betrieb spielen die Führungskräfte", erklärt sie weiter. "Da es bei Gewaltvorfällen vermutlich eine hohe Dunkelziffer gibt, sollten sie das Thema immer mal wieder ansprechen – etwa in Teamsitzungen."


Gefährdungen beurteilen

Wie bei anderen Gefahren beginnt der Arbeits- und Gesundheitsschutz auch beim Thema Gewalt mit der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung. In sieben definierten Schritten hat die Unternehmensleitung zu ermitteln, welchen physischen und psychischen Risiken ihre Beschäftigten bei der Arbeit ausgesetzt sind und wie sich diese minimieren lassen. Die Arbeitsschutz-Verantwortlichen sorgen damit nicht nur für strukturierten Schutz für ihre Beschäftigten, sondern sie sichern sich mit einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung auch rechtlich gegen etwaige Haftungsrisiken ab.


Präventionsmaßnahmen treffen

Beim Vorbeugen von Gewalt und daraus resultierenden (physischen und psychischen) Verletzungen greifen technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen eng ineinander.

  • Fluchtmöglichkeiten, Rückzugsräume, die Beleuchtung und/oder das Vermeiden gefährlicher Gegenstände spielen auf der technischen Seite eine Rolle. Bei gefährlicher Alleinarbeit kann sich der Einsatz von Personen-Notsignal-Geräten anbieten.
  • Alarmierungssystem, Notfallplan und Rettungskette sind bei der Organisation zu beachten. Weitere Themen sind hier die Handlungsspielräume der Beschäftigten zur Deeskalation, Fachkonzepte zur Betreuung spezieller Personengruppen wie etwa demenziell Erkrankter, die Erstbetreuung nach Vorfällen sowie das systematische Auswerten von Vorfällen.
  • Personenbezogen gilt es unter anderem, Know-how zu deeskalierendem Verhalten aufzubauen und die Beschäftigten regelmäßig zum Umgang mit Gewalt zu unterweisen. Wo häufiger mit Übergriffen zu rechnen ist, kann das Erlernen von Abwehr- und Befreiungstechniken sinnvoll sein. "Aber Vorsicht", warnt Dr. Schambortski: "Falsche Abwehrtechniken bei Übergriffen bergen ein hohes Verletzungsrisiko für alle Beteiligten. Reine Selbstverteidigung ist im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege nicht das Richtige. Besser eignen sich hier spezielle Techniken, die das therapeutische Verhältnis zwischen Beschäftigten und Betreuten berücksichtigen."

Die BGW bietet auf ihrem Webportal "Umgang mit Gewalt und Aggression" Hilfe und Tipps. Über "Gewaltprävention in der Pflege" informiert das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

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