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Trainings-Turm für Absturzprävention eröffnet

Höhenretter aus ganz Deutschland werden erwartet

Szenario 1: Auf einem Windrad bringt eine Böe einen Monteur ins Straucheln. Er verstaucht sich den Fuß und kann nicht mehr selbständig nach unten steigen. Ein Rettungstrupp muss ihn abseilen.

Szenario 2: Ein Lader ist über eine Böschung 60 Meter in die Tiefe gestürzt. Für den Notarzt gibt es nur einen Weg, um zu dem eingeklemmten Fahrer zu gelangen: Er muss sich abseilen lassen.

Szenario 3: Bei der Inspektion eines undichten Hallendaches tritt der zuständige Mitarbeiter auf einen Lichtausschnitt. Der Kunststoff bricht – die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) rettet ihm das Leben.


„Wer für solche Szenarien nicht gewappnet ist, macht die Risiken nur noch größer. Deswegen ist ständiges Training unverzichtbar, und deswegen haben wir diesen Trainings-Turm gebaut“, erklärt Ulrich Meesmann, Mitglied der Geschäftsführung der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI). Er spricht von dem neu eröffneten Trainings-Turm für Absturzprävention in Leipzig, der Höhenrettern ideale Übungsbedingungen bieten soll.

„Der Turm ist in Deutschland einmalig. Man kann darin ganzjährig und witterungsunabhängig trainieren. Das ist ein Riesenvorteil.“ 23 Meter ist der Trainings-Turm hoch, die Grundfläche beträgt 8 mal 10 Meter, 76,7 t Stahl und 6.423 Schrauben wurden verbaut. „Die Südseite des Turms ist geneigt und steht oben über. So können sich die Höhenretter ohne Wandkontakt frei abseilen“, so Meesmann.

Dipl.-Ing. Jens Schulz, Leiter des Standorts Leipzig des Kompetenz-Center Notfallprävention der BG RCI, hat Erfahrung auf diesem Spezialgebiet: „Noch vor ein paar Jahrzehnten hat man sich mit einfachen Seilschlingen gegen Absturz gesichert. Dann kam der berühmte ‚Radeberger Haken‘, der das Auf- und Abseilen erleichterte. Jetzt haben wir den Turm.“ Für ihn sind die richtige Auswahl und die sichere Anwendung der PSAgA die entscheidenden Faktoren, wenn es um die Sicherheit geht. Hinzu kommen die Personenrettung an Steigleitern, Windentechnik, Plattformrettung und Schrägabseilungen, vertikale Personenrettung sowie das Retten aus Behältern und engen Räumen.

Bisher kommen jedes Jahr rund 1.000 Trainingsteilnehmer aus ganz Deutschland nach Leipzig. Mit dem Turm soll die Zahl deutlich steigen. Schulz erläutert: „Wir können Übungsszenarien für viele Branchen abbilden, ob Chemie, Energie, Steinbruch oder andere Gewerbezweige. Außerdem gibt es hier Trainingsangebote von Herstellern spezieller Ausrüstungen. Jeder ist herzlich willkommen.“

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