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Starten Sie jetzt mit betrieblicher Suchtprävention!

Faktenblatt-Download: Sucht erkennen - Sucht bekämpfen

Sucht am Arbeitsplatz - betriebliche Suchtprävention hilft!, Bild 1 (Quelle: © panthermedia.net/Andriy Popov)

Alkoholkranke Menschen haben eine um 15 bis 20 Jahre reduzierte Lebenserwartung im Vergleich zu gesunden. Eine Studie ergab außerdem, dass Menschen, die viel arbeiten, mehr Alkohol trinken als andere, die weniger Wochenstunden arbeiten. Raucher riskieren 10 Jahre ihres Lebens wegen ihrer Sucht. Die Glücksspielindustrie macht satte 56,4% ihres Umsatzes mit Glücksspielsüchtigen. Die Medikamentensucht gilt als besonders gefährlich, weil sie „still“ verläuft und selbst Experten erst in späten Stadien eine Sucht erkennen können. Und während die Zahl der Raucher seit Jahren langsam, aber stetig abnimmt, sind so genannte leistungssteigernde „Neuro-Enhancer“ im Kommen: 6,7% der deutschen Beschäftigten „dopen“ sich durch den Arbeitsalltag. Auch harte Drogen wie Crystal Meth tauchen immer häufiger am Arbeitsplatz auf.


Sucht am Arbeitsplatz ist allgegenwärtig

Und Sie meinen, Sucht sei „Privatsache“? Irrtum! Spätestens – aber wirklich allerspätestens – wenn Sucht am Arbeitsplatz um sich greift, geht es nicht mehr um private Angelegenheiten einer Person. Sucht ist in deutschen Betrieben alltäglich und allgegenwärtig und sie bringt enorme negative Auswirkungen mit sich. Und bei Arbeitsunfällen unter Drogeneinfluss greift unter Umständen der gesetzliche Unfallversicherungsschutz nicht!

Folgende Phänomene, die Sie an Mitarbeitern oder Kollegen beobachten, können auf eine Sucht hindeuten:

  • Akute und chronische physische und psychische Erkrankungen von Süchtigen, dadurch höhere Ausfallzeiten, auch Arbeitsunfähigkeit und Frührente, 70.000 Todesopfer fordert der Alkohol jedes Jahr, beim Tabak sind es ca. 110.000
  • Verspätung, Unzuverlässigkeit, Leistungsabfall, mehr Fehler, dadurch Produktionsausfallkosten
  • höhere Unfallgefahr durch höhere Risikobereitschaft und falsche Einschätzungen von Folgen des eigenen Handelns (bei 0,5 Promille zum Beispiel verdoppelt sich das Unfallrisiko!)
  • Verhaltensänderungen (Aggressivität bei Alkohol, Überdrehtheit bei Kokain, Lethargie bei Cannabis, Stimmungsschwankungen, Isolation …)
  • Negative Auswirkungen auf Kollegen, die die Arbeit des Süchtigen mit erledigen müssen und meinen, ihn decken zu müssen; dadurch schlechtes Betriebsklima


Wo bleibt die Suchtprävention?

Genug gute Gründe, um eine Lanze für betriebliche Suchtprävention zu brechen! Für die meisten größeren Unternehmen ist Suchtprävention eine Selbstverständlichkeit. Suchtpräventions-Maßnahmen finden dort oft im Rahmen eines komplexen betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) statt. In Kleinst- und Kleinbetrieben (KKB) mit bis zu 49 Beschäftigten ist Suchtprävention dagegen weder besonders verbreitet noch besteht Interesse daran, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) berichtet. Befragungen des RKW Kompetenzzentrums ergaben, dass nur etwa 6 bis 10 % der kleinen Betriebe Suchtprävention anbieten. Während 20% der Unternehmer angaben, schon Probleme mit Sucht am Arbeitsplatz gehabt zu haben, lehnten 80% eine Prävention trotzdem ab. Bei den Beschäftigten waren es noch mehr, die Suchtsymptomatiken bei Kollegen beobachtet haben, doch auch hier spricht sich eine Mehrheit der Befragten gegen verstärkte Suchtprävention aus.

Gründe für die Ablehnung von Suchtprävention in kleinen Betrieben können sein:

  • Sucht, sowohl die anderer Personen als auch eigenes „problematisches Verhalten“, sind Tabuthemen
  • Engere persönliche Beziehungen in kleinen, familiären Unternehmen machen Gespräche schwierig – Rollenfindung, „Beziehungskonfusion“
  • Viele handeln aus Ressourcenmangel (Kostengründe, Personalmangel) erst bei akutem Problemdruck
  • Manch einer denkt, die Einführung von Suchtprävention könnte „schlafende Hunde“ wecken und ein Problem im Unternehmen vermuten lassen

Wenn Unternehmen Suchtprävention im Betrieb verankert haben, geht es meist um Alkoholsucht. Tabakkonsum, nicht stoffgebundene Süchte (Internetsucht, Spielsucht) und gerade die „stille“ Medikamentensucht werden stiefmütterlich behandelt. Dabei ist die Sache mit der betrieblichen Suchtprävention, die alle Suchtmittel einbezieht, gar nicht so kompliziert und auch nicht so teuer. Im Gegenteil: Sie bringt ausschließlich Nutzen und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) spricht von einem Return on Prevent (ROP) von 1:2,2 – für jeden in Suchtprävention investierten Euro bekommen Sie etwa 2,20 Euro zurück.

Ziele von Suchtprävention sind die Gesunderhaltung und die Gesundheitsförderung der Beschäftigten, die Vermeidung des Einstiegs in Sucht, Früherkennung und Frühintervention sowie bei bereits Süchtigen die Verringerung des Suchtverhaltens. Und – Unternehmer und Arbeitsschutzverantwortliche aufgepasst! – es geht auch um Rechtssicherheit. Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht nach der DGUV-Vorschrift 1 §7, Abs. 2 darf der Unternehmer nicht zulassen, dass Beschäftigte, die „erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit für sich oder andere auszuführen“, diese Arbeit eben doch ausführen. Der Arbeitgeber beziehungsweise der Vorgesetzte ist für diese Beurteilung verantwortlich.

Die Konsequenzen beschreibt die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medien (BG ETEM) in ihrer Broschüre „Alkohol und Arbeit – zwei, die nicht zusammenpassen“: „Wurde dem Alkoholisierten die Weiterarbeit untersagt, dann wird er entweder an einen Platz im Betrieb gebracht, wo er unter Beaufsichtigung ausnüchtern kann, oder der Vorgesetzte muss dafür sorgen, dass der Mitarbeiter sicher nach Hause kommt. Beim Heimtransport empfiehlt es sich, mindestens einen Betriebsangehörigen mit der Begleitung z. B. im Taxi zu beauftragen. Dieser kann auch verhindern, dass der Alkoholisierte das Taxi verlässt. Weigert sich der Taxifahrer, den Betrunkenen zu transportieren, ist der Heimtransport durch Betriebsangehörige zu organisieren. [...] Wird der Betrunkene allein nach Hause geschickt und z. B. von einem Auto verletzt, kann der Vorgesetzte wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen bestraft werden. Der Vorgesetzte ist als Garant für die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit seiner Mitarbeiter verantwortlich. Da der Alkoholisierte unter Umständen nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht, besteht auch nicht die Haftungsbeschränkung gemäß §§ 104, 105 SGB VII bei betrieblicher Tätigkeit, so dass der Betrunkene den Vorgesetzten für Körperschäden haftbar machen kann.“


Suchtprävention – in strukturierten Schritten zum suchtfreien Mitarbeiter

Mit folgenden Maßnahmen, die in ein Gesamtkonzept eingebunden sein sollten, sagen Sie Sucht in Ihrem Betrieb den Kampf an:

  • Betriebsvereinbarung, die den Umgang mit Suchtmitteln am Arbeitsplatz eindeutig regelt (Rauchverbot, Alkoholverbot) sowie Ansprechpartner und Unterstützungsangebote benennt
  • Veranstaltungen und Aktionen wie etwa Gesundheitstage, die aufklären
  • Bilden Sie einen Gesundheitszirkel bzw. einen Arbeitskreis, der strukturierte Maßnahmen für Suchtprävention schafft. Alle Ebenen des Betriebs sollten beteiligt sein (Arbeitnehmervertreter, Führungskräfte, Betriebsarzt, Arbeitsschutz- und Sicherheitsverantwortliche, Suchtberater). Der Gesundheitszirkel nimmt die Ist-Situation ins Auge, deckt Handlungsmöglichkeiten auf, hilft dabei, diese umzusetzen, kontrolliert das Ergebnis und entwickelt die Suchtprävention weiter
  • Bestellen Sie einen Suchtbeauftragten als innerbetrieblichen Ansprechpartner
  • Nehmen Sie Suchtgefahren in die Gefährdungsbeurteilung auf
  • Bieten Sie Hilfsprogramme, Suchtberatung oder zumindest Ansprechpartner an
  • Schulen Sie Ihre Führungskräfte im Umgang mit suchtkranken Mitarbeitern: Sie müssen Betroffene möglichst früh ansprechen, ohne Vorwürfe zu machen, und Hilfestellung bieten. Wichtig ist eine sensible Gesprächsführung
  • Verbesserung der Arbeitsumstände und Arbeitsorganisation: Beseitigen Sie wo möglich suchtfördernde Arbeitsbedingungen (Kälte, Hitze, wenig Handlungsspielraum, unsichere Arbeitsplätze, Termindruck …)
  • Tun Sie Gutes und reden Sie darüber! Machen Sie Ihre Suchtpräventionsmaßnahmen im Betrieb bekannt, damit Betroffene wissen, wo sie Hilfe finden

Standard in der strukturierten betrieblichen Suchtprävention ist laut DHS ein System aus

  • Fürsorgegespräch: bei ersten Anzeichen von gesundheitlichen, persönlichen oder sozialen Problemen, die wahrscheinlich zur Vernachlässigung arbeitsvertraglicher oder dienstrechtlicher Pflichten führen, wenn der Mitarbeiter sein Verhalten  nicht ändert
  • Klärungsgespräch: bei wiederholter Vernachlässigung arbeitsvertraglicher oder dienstrechtlicher Pflichten. Die Führungskraft soll eine Rückmeldung über das auffällige Verhalten geben, konkrete Schritte vereinbaren und Hilfsangebote benennen
  • Stufenplan: Dieser umfasst mehrere Gespräche mit dem Süchtigen, um schrittweise auf dessen Suchtverhalten zu reagieren. Bis zu 5 Interventionsgespräche plus Rückmeldung sind im Stufenplan vorgesehen


Steuern rauf – Sucht runter?

Ob die Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung erfolgreich ist, darüber scheiden sich die Geister. Während Vertreter des alternativen Suchtberichts davon ausgehen, dass eine Kriminalisierung effektive Therapien verhindert, sieht sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, auf dem richtigen Weg.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) plädieren für eine Erhöhung der Steuern auf „Alltagsdrogen“ wie Tabak und Alkohol. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) müsste eine Packung mit 19 Zigaretten, die die direkten und indirekten Kosten des Rauchens (Kosten für das Gesundheitssystem, Produktionsausfälle) ausgleichen würde, 11,30 Euro kosten. Auch die Einschränkung von Werbung für Tabak und Alkohol als auch Aufklärungsarbeit könnten laut WHO zum Erfolg führen.

Neue Therapieansätze gehen beim Alkoholmissbrauch außerdem dahin, dass auch eine Reduzierung des Suchtmittelkonsums schon ein Therapieziel sein kann. So könne die Schwelle zur Therapie leichter überwunden werden.

Übrigens: Die Infos zu betrieblicher Suchtprävention aus diesem Beitrag können Sie sich bequem kostenlos als Faktenblatt herunterladen. Sucht erkennen - Maßnahmen ergreifen - folgen Sie einfach dem Link!

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