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BG BAU: Besonders Jugendliche müssen vor Hörschäden geschützt werden

Freizeitlärm + Lärm am Arbeitsplatz sind zu viel

„Lärm - voll nervig“, so lautete das Motto des Tages gegen Lärm 2015. Ein Slogan, der zahlreiche Bauleute anspricht, denn an vielen Arbeitsplätzen in der Bauwirtschaft ist es so laut, dass die Gesundheit der Beschäftigten leidet. Besonders junge Beschäftigte sind gefährdet, an Lärmschwerhörigkeit zu erkranken – die übrigens die häufigste Berufskrankheit ist. Gerade sie gönnen ihren Ohren auch in der Freizeit keine Ruhe, sondern setzen sich zusätzlich Lärm durch Musik aus, die oft nicht leiser ist als Baulärm.

Lärmschwerhörigkeit ist nicht nur weit verbreitet, sondern verursacht nach asbestbedingten Erkrankungen und Hautkrankheiten auch die meisten Kosten. Rund 118 Millionen Euro zahlten die Gewerblichen Berufsgenossenschaften 2013 für die Behandlung lärmbedingter Berufserkrankungen und Renten an fast 39.700 Lärmgeschädigte. Allein die BG BAU zahlte 2013 über 17 Millionen Euro an mehr als 6.200 Betroffene. Fast die Hälfte (47 Prozent) aller Berufskrankheiten haben Hörschäden als Ursache. Die BG BAU betont: Diese Zahlen machen deutlich, dass die Beschäftigten künftig noch wirksamer gegen Lärm geschützt werden müssen.


Lärm am Arbeitsplatz

Wer ungeschützt einem Schallpegel über 85 Dezibel ausgesetzt ist, kann unheilbare Schäden davontragen, die sich schleichend im Laufe von Jahren einstellen. Wenn man bedenkt, dass ein Bohrhammer zum Beispiel schon über 100 Dezibel (dB (A)) erreicht, wird deutlich, wie gesundheitsschädlich der Lärm auf Baustellen sein kann … Bei einem Knall von 140 Dezibel bei Richtarbeiten, können Hörschäden sogar sofort eintreten.

Arbeitsplätze ab einer durchschnittlichen täglichen Lärmbelastung von 85 Dezibel müssen deswegen als Lärmbereiche gekennzeichnet werden. Der Arbeitgeber muss hier technische und organisatorische Maßnahmen treffen. Bei Bedarf unterstützen Fachleute der BG BAU ihre Mitgliedsbetriebe  bei der Auswahl lärmgeminderter Anlagen und Maschinen, wie lärmreduzierter Sägen oder Trennscheiben. Denn an erster Stelle steht der Lärmschutz an der Quelle, der durch den Einsatz möglichst leiser Maschinen und Werkzeuge erreicht wird. Sind dabei aber alle Möglichkeiten ausgeschöpft, müssen die Lärmquellen gedämmt oder eingekapselt werden. Erst wenn Lärm nicht zu vermeiden ist, kommt Persönliche Schutzausrüstung (PSA), wie Gehörschutzkapseln oder Gehörschutzstöpsel, zum Einsatz. Übersteigt der Lärmpegel den Wert von 80 Dezibel, sind die Betriebe in der Pflicht, Gehörschutz bereitzustellen, der von den Beschäftigten auch getragen werden muss. Außerdem kann jeder Arbeitnehmer an einem kostenlosen Hörtest des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes (ASD der BG BAU) teilnehmen. So kann man frühzeitig erkennen, ob sich eine Lärmschwerhörigkeit entwickelt.


Auch in der Freizeit gibt's zu viel auf die Ohren

Die BG BAU befürchtet, dass die Erkrankungszahlen in den nächsten Jahren noch ansteigen, denn im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge des ASD werden bei vielen jüngeren Beschäftigten, die in Lärmbereichen arbeiten, schon zu Beginn ihrer Berufstätigkeit erste Anzeichen einer Lärmerkrankung diagnostiziert. Neben beruflichen dürften auch private Belastungen wie der oben genannte laute Musikkonsum eine Rolle spielen. Wenn junge Leute Arbeitslärm ausgesetzt sind und auch in der Freizeit keine Lärmpause eintritt, fehlt dem Gehör die notwendige Regeneration und es kann noch schneller zu Gehörschäden kommen. Die Lautstärke in Clubs, auf Konzerten und in Diskotheken erreicht locker 110 Dezibel und mehr. MP3-Player und Handys ohne Pegelbegrenzung kommen leicht auf 90 Dezibel. Und wer etwa bei einem Musikevent 2,5 Stunden einem Schallpegel von 104 Dezibel ausgesetzt ist, fährt die gleiche Lärmdosis ein wie jemand, der 40 Stunden lang ungeschützt 92 Dezibel ertragen musste. Die Schwerhörigkeit oder ein Tinnitus sind vorprogrammiert.

Die Zunahme von Hörstörungen bereits bei Kindern und Jugendlichen ist inzwischen „eindeutig belegt“, wie die Bundesärztekammer Ende 2014 feststellte. Schon 2013 wurde im Rahmen der OHRKAN-Studie im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit festgestellt, dass etwa ein Viertel aller Jugendlichen ihre Abspielgeräte so laut und häufig nutzt, dass langfristig das erhöhte Risiko eines Hörverlustes besteht. Jetzt haben erste Ergebnisse einer Nacherhebung aus den Jahren 2012 bis 2014 ergeben, dass die Belastung durch Freizeitlärm noch zugenommen hat.

Neben Schwerhörigkeit kann ständiger Lärm zu Herz- und Kreislaufproblemen führen. Forscher der Universität Münster haben in einer Studie nun Anzeichen dafür gefunden, dass durch die lauten Geräusche sogar Nervenzellen geschädigt werden.

Die BG BAU schließt daraus, dass der Gesundheitsschutz gerade in jungen Jahren wichtig ist. Deshalb weist sie Arbeitgeber in Betrieben darauf hin, wie sie ihre Beschäftigten schützen können. Neben älteren Arbeitnehmern beraten die Betriebsärzte im ASD besonders auch den Nachwuchs.

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