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Ergonomie-Tipps für Friseure

Immer die Haltung bewahren!

Friseure arbeiten oft ungesund – das hat eine Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ergeben. Sie geraten schnell in ungünstige Körperhaltungen, wie etwa einen krummen Rücken, einen Schildkrötennacken, bei dem sich die Halswirbelsäule nach vorne verschiebt, oder eine steile Lendenwirbelsäule. Schmerzen und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind die Folge. Die BGW gibt gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) Ergonomie-Tipps, wie Friseure ungünstige Körperhaltungen vermeiden.


Auf Schultern, Nacken und Oberkörper achten

Grundsätzlich sollten Friseure bei ihrer Arbeit auf die Haltung der Schultern, des Nackens und des Oberkörpers achten. Als Faustregel für die Armhaltung gilt: Ellbogen maximal auf Höhe der Schultern anheben. Die Schultern lässt man idealerweise entspannt nach unten fallen. Die Halswirbelsäule sollte gestreckt sein und der Kopf sollte sich nicht nach vorn verschieben. Im unteren Rücken verhindert eine aufrechte Haltung mit leichtem Hohlkreuz, dass die Lendenwirbelsäule zu steil gestellt wird. Der Oberkörper insgesamt wird am besten aufrecht gehalten, häufiges oder anhaltendes Vorbeugen gilt unter Muskel-Skelett-Experten als ungünstig.


Tipps für verschiedene Tätigkeiten

Um gesund und ergonomisch am Frisierstuhl zu arbeiten, muss dieser richtig eingestellt werden. Dabei muss der Stuhl je nach Oberkörperlänge des Kunden und nach Größe des Friseurs jedes Mal individuell angepasst werden. Richtschnur: Arme und Schultern können beim Arbeiten entspannt unten bleiben. Auch der Abstand zum Kunden beeinflusst die Körperhaltung beim Arbeiten.

Beim Schneiden im Nacken und am Hinterkopf kann ein Rollhocker eingesetzt werden, der die Beine entlastet. Aber Achtung: Wer ihn nicht richtig einstellt, hebt oft die Arme zu hoch an. Und wer mit dem Rollhocker starr an einer Stelle stehen bleibt, macht schnell ungünstige Oberkörperverrenkungen nach links oder rechts. Darum gilt für den Hocker: Gezielt für Tätigkeiten im Nacken und am Hinterkopf einsetzen, die Höhe so einstellen, dass man die Ellbogen beim Arbeiten maximal auf Schulterhöhe anhebt, stets frontal arbeiten und die Fußsohlen fest auf den Boden stellen.

An der Waschanlage empfiehlt es sich, gegebenenfalls die Position zum Becken zu variieren, um eine günstige Körperhaltung zu erreichen. Helfen kann es dort zum Beispiel, die Füße nicht nebeneinander, sondern in Schrittstellung aufzustellen.


Hinweise für Saloninhaber

Damit die Einstellmöglichkeiten der Frisierstühle und Rollhocker auch konsequent genutzt werden, sollte das Mobiliar leicht zu bedienen sein. Außerdem ist es wichtig, dass die Waschanlagen genügend Platz für Beine und Füße lassen.

Unterweisungen und das Üben von ergonomischer Arbeit gemeinsam im Team sensibilisiert die Mitarbeiter. Das Einstellen des Mobiliars kann man zum Beispiel in einem Rollenspiel trainieren: Eine Person spielt den Kunden, eine weitere simuliert verschiedene Salontätigkeiten, die übrigen beobachten ihre Körperhaltung und geben Ratschläge. Anschließend werden die Rollen durchgetauscht.

Auch im Alltag können gegenseitige Tipps im Team helfen, das Bewusstsein für die Körperhaltung bei der Arbeit zu erhöhen. Wer als Saloninhaber hier mit gutem Beispiel vorangeht, die Beschäftigten immer mal wieder an die Ergonomie erinnert und für einen konstruktiven Austausch zum Thema sorgt, fördert aktiv die Muskel-Skelett-Gesundheit des gesamten Teams.

Inhaber von Friseursalons, die für die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung (BuS-Betreuung) die alternative bedarfsorientierte Form gewählt haben, können sich ferner in einen Online-Kurs auf dem BGW-Lernportal zur Ergonomie im Friseursalon fortbilden. Sie finden dort unter anderem Videos zum Thema. Weitere Informationen zu diesem Kurs gibt es unter www.bgw-lernportal.de in der Branchenrubrik „Friseurhandwerk“.