Nachricht

Firmenfeier und Betriebsausflug - Vorsicht, Fettnäpfchen!

Sicherheits-Tipps, Benimm-Regeln, Fallstricke

Der Sommer ist die ideale Zeit für Betriebsfeiern, Betriebsausflüge und andere Festivitäten mit den lieben Kollegen. Für den einen ist schon der Gedanke an die sommerliche Firmenfeier purer Stress, der andere freut sich schon das ganze Jahr darauf. Damit die Betriebsveranstaltung allen in guter Erinnerung bleibt, niemand in riesengroße Fettnäpfe tritt und keine Unfälle geschehen, gilt es, einige Vorschriften und Regeln, manchmal auch ungeschriebene, zu beachten. Damit alle sicher wieder nach Hause kommen und damit boxende Kängurus oder nachgestellte Hinrichtungen den Ruf der Firma nicht komplett ruinieren, erhalten Sie hier wertvolle Tipps.


Sicherheit auf Betriebsfeiern

Teilnehmer einer Betriebsfeier stehen in der Regel unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz. Dabei gibt es allerdings einige Punkte zu beachten!

  • Die Unternehmensleitung muss die Feier organisieren, fördern oder zumindest billigen. Davon kann ausgegangen werden, wenn das Unternehmen zum Beispiel die Kosten trägt oder die Freistellung während der Arbeitszeit gewährt. Ein kurzes „Viel Spaß“ vom Chef - ein netter Wunsch für die ansonsten privat organisierte und finanzierte Feier - reicht hier nicht aus.
  • Die Feier muss im Unternehmensinteresse liegen und betrieblichen Zwecken dienen. Ein betrieblicher Zweck ist es zum Beispiel, die Verbundenheit zwischen den Teilnehmenden zu steigern.
  • Alle Beschäftigten müssen zur Feier eingeladen sein und teilnehmen dürfen. Der wohl größte Betriebsausflug der Welt eines chinesischen Unternehmens im Jahr 2014 hätte in Deutschland vermutlich nicht unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz gestanden: Zugegeben war die Einladung des Unternehmers für 6.000 Mitarbeiter sehr großzügig. 6.000 weitere Beschäftigte waren aber gar nicht gefragt worden. In großen Unternehmen sind allerdings auch Abteilungsfeiern oder Bereichsfeiern versichert. Laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) müssen mindestens 20% der Belegschaft sowie der Arbeitgeber oder ein Beauftragter anwesend sein.
  • Die Feier muss noch offiziell im Gange sein. Ist in der Einladung ein Veranstaltungsschluss angegeben und ist dieser überschritten, sieht es mit dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz brenzlig aus. Auch wenn der Chef oder sein Vertreter die Feier schon verlassen haben, kann sie aus versicherungstechnischer Sicht als beendet gelten.
  • Hin- und Rückweg müssen direkt sein, damit sie vom gesetzlichen Unfallversicherungsschutz abgedeckt sind. Umwege, vor allem für private Angelegenheiten, unterbrechen den Versicherungsschutz. Nur für Fahrgemeinschaften ist es zulässig, einen Umweg zu wählen.
  • Ein eventueller Unfall darf nicht ursächlich durch zu viel Alkoholkonsum herbeigeführt worden sein. Ansonsten sind alle Aktivitäten, die im Rahmen der Veranstaltung stattfinden, versichert - auch tanzen und lustige Spiele. Auch beim Aufbau und Abbau der Festivität sind Helfer versichert.
  • Mitfeiernde Familienangehörige oder Gäste sind nicht gesetzlich unfallversichert.
  • Die Dauer der versicherten Betriebsveranstaltung ist nicht automatisch begrenzt. Im Rahmen eines Betriebsausflugs oder einer Incentive-Reise kann sie mehrere Tage umfassen.


Benimm-Regeln für die Betriebsveranstaltung

2015 meinten Mitarbeiter der britischen Großbank HSBC, eine Hinrichtung nachspielen zu müssen. Das Video davon kursierte im Netz, die Mitarbeiter erhielten die Kündigung. Doch es reicht schon viel weniger plumpes Fehlverhalten, damit es für Beschäftigte peinlich wird, sich am nächsten Morgen in der Firma wieder blicken zu lassen. Generell gilt: Weniger ist oft mehr.

Alkohol: Kennen Sie Ihre Grenzen! Niemand muss auf dem Betriebsfest abstinent sein, aber betrunkene Kollegen, Mitarbeiter oder Chefs sind dann doch meist peinliche Kollegen, Mitarbeiter oder Chefs.

Smalltalk: Nutzen Sie die Feier, um auch mal mit Kollegen zu sprechen, mit denen Sie sonst nicht so viel zu tun haben! Netzwerken Sie! Aber selbst wenn Sie in einer Firma arbeiten, halten Sie sich bitte an Small-Talk-Regeln: keine Lästereien, keine zotigen Witze, keine Miesmacherei der Veranstaltung, keine zu privaten, politischen, religiösen oder sonstigen  heiklen Themen. Alkoholisch bedingte Duz-Angebote könnten am nächsten Tag vergessen sein.

Partyfotos veröffentlichen: Bevor lustige Partyfotos im Intranet oder gar im Internet veröffentlicht werden, sollte der Arbeitgeber die Erlaubnis der Abgelichteten einholen. Sonst können Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter verletzt werden.

Kleidung: In der Regel gilt für Betriebsfeiern kein „Dresscode“, es sei denn, es ist einer auf der Einladung vorgegeben oder es steht ein Galaabend auf dem Programm. Mit legerer Kleidung sollte man aber auch beim ungezwungenen Grillfest nicht übertreiben. Gerade wenn Spiele und körperliche Aktivitäten vorgesehen sind, können bauchfreie Tops und zu kurze Röcke schnell peinlich werden.

Büffet: Auch wenn es noch so gut aussieht: Stürzen Sie sich nicht ausgehungert auf das Büffet! Essen und trinken Sie in Maßen.


Fallstricke für Arbeitgeber und Veranstaltungsorganisatoren

Vorsicht sollte angesagt sein, wenn freie Mitarbeiter zur Betriebs-Sommerparty oder zum Firmenjubiläum eingeladen sind. Dann kann der Verdacht der Scheinselbständigkeit entstehen.

Auch wenn es sich bei Ihrem Betriebsfest um eine „öffentliche“ Feier handelt, kommen Fallstricke ins Spiel: So könnten Sie zum Beispiel GEMA-gebührenpflichtig werden.

Wenn mehr als 200 Gäste zu einer Veranstaltung in einem Raum erwartet werden oder mehr als 1000 Gäste im Freien, muss in der Regel ein Sicherheitskonzept erstellt werden - wobei die Regelungen hier ungenau und länderspezifisch sind. Die Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättV) hat für Länder nur empfehlenden Charakter. Ein Sicherheitskonzept behandelt Rettungswege, Beleuchtung oder Brandschutzmaßnahmen, die Art der möglichen Störungen und Krisenfälle sowie den Umgang damit als auch viele weitere sicherheitstechnische Aspekte. Eines zu erstellen, schadet auch bei kleineren Veranstaltungen nicht.

Veranstaltet ein Unternehmen drei Jahre in Folge eine Betriebsfeier in ähnlicher Form, entsteht die sogenannte betriebliche Übung. Das heißt, Mitarbeiter haben ab dann Anspruch auf eine jährliche Feier. Nur ein Freiwilligkeitsvorbehalt, beispielsweise in der Einladung, kann das verhindern. Das Gleiche gilt bei Freizeit zu bestimmten Zeiten, etwa an Fastnacht oder Weihnachten.

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden