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Betriebsbegehungen - gut organisiert und sinnvoll durchgeführt - Teil 1

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Wann gab es in Ihrem Betrieb die letzte Begehung? Wenn das Wort „Betriebsbegehung“ bei Ihnen ein Gefühl des „Gegängeltwerdens“ auslöst, lassen Sie sich gesagt sein: Dafür gibt es keinen Grund! Mit gut strukturierten Betriebsbegehungen können Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz rechtssicher umgesetzt und kontinuierlich verbessert werden. Außerdem: Betriebsbegehungen sind Pflicht – sie müssen regelmäßig durchgeführt werden, egal wie groß der Betrieb ist und wie viele Mitarbeiter es gibt!

Unfallgefahren als auch Belastungen von Beschäftigten und sich daraus ergebende gesundheitliche Gefährdungen sollten im Fokus einer solchen Begehung stehen. Die beteiligten Arbeitsschutz-Akteure sollen Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutz-Mängel aufdecken. Dabei geht es auch um die Kontrolle, ob bereits festgelegte, notwendige Schutzmaßnahmen befolgt werden: Wird PSA getragen? Werden Hilfsmittel verwendet …? Betriebsbegehungen haben also Kontroll- und Verbesserungsfunktion. Es wird ermittelt, ob bei der Gefährdungsbeurteilung, die nach §5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) zu erstellen ist, Anpassungsbedarf besteht.


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Es kann sich bei Betriebsbegehungen um Besichtigungen eines ganzen Betriebs, eines Betriebsbereichs, aber auch um Einzelplatz-Begehungen handeln.

Begehungen sollten

  • anlassbezogen, zum Beispiel nach einem Arbeitsunfall, einer Beschwerde, aufgrund einer Schwerpunktaktion
  • angekündigt oder besser noch unangekündigt
  • in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern nach einem im Arbeitsschutzausschuss (ASA) abgestimmten Konzept

erfolgen.

Die Häufigkeit und die Dauer von Betriebs- und Arbeitsplatzbegehungen sollten davon abhängig gemacht werden, wie es um die betrieblichen Gefährdungen bestellt ist. Heißt: je mehr und größer die Gefahren, desto häufiger und umfangreicher die Begehung.


Einer für alle – und alle zusammen für die Arbeitssicherheit

Nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) gehört die regelmäßige Begehung von Arbeitsstätten also zu den Pflichten des Arbeitgebers, wenn dies auch nicht direkt geschrieben steht. Der Arbeitgeber hat aber nach §2 Abs. 2 und §5 Abs. 2 ASiG dafür zu sorgen, dass Betriebsärzte als auch Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) ihre Aufgaben erfüllen. Und Betriebsbegehungen gehören nach §6 Abs. 3a ASiG in den Aufgabenbereich der Sifa und nach §3 Abs. 3a ASiG in den Aufgabenbereich des Betriebsarztes. Auch die Mitarbeitervertretung (§89 Abs. 2 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)) und der oder die Sicherheitsbeauftragten (§22 Sozialgesetzbuch (SGB) VII) sind zu Betriebsbegehungen einzuladen. Die Anwesenheit von Betriebsleitern, Bereichsleitern und Schwerbehindertenvertretungen kann sinnvoll sein.

Der Arbeitgeber muss den Betriebsarzt und die Sicherheitsfachkraft in allen für die Betriebsbegehung notwendigen Bereichen unterstützen, das besagt §2 Abs. 2 ASiG. Die Sifa und der Betriebsarzt sind nach §10 ASiG dazu verpflichtet, bei der Erfüllung ihrer Pflichten, insbesondere bei der Begehung von Betrieben, zusammenzuarbeiten.


Nehmen Sie sich die Zeit für Betriebsbegehungen!

Die bestellte Sifa sowie der Betriebsarzt sollten, um den Betrieb nicht nur vom Papier her zu kennen, etwa 30% ihrer Einsatzzeit für Betriebsbesichtigungen aufwenden und sich an den betriebsspezifisch festgelegten jährlichen Schwerpunkten nach DGUV V2 orientieren. Die Einsatzzeit sollte über das ganze Jahr verteilt werden, Besichtigungen sind gemeinsam durchzuführen (§10 ASiG). Auch Außenbesichtigungen von zum Beispiel Baustellen sind wichtig. Und vergessen Sie nicht, Außendienstarbeiten mit einzubeziehen! Bei arbeitsmedizinischen Fragen – unter anderem zur Ergonomie von Mobiliar und Maschinen, zur Arbeitszeitgestaltung, zu Vorsorge und gesundheitlicher Eignung oder zu Umgebungsfaktoren – ist es unbedingt erforderlich, den Betriebsarzt in die Begehungen einzubinden.

Bei Bedarf, zum Beispiel für Messungen, können auch außerbetriebliche Fachleute (etwa von den Berufsgenossenschaften, dem Gewerbeaufsichtsamt oder Coaches …) zu den Begehungen herangezogen werden. Dem muss der Arbeitgeber allerdings zustimmen.

Wichtige Punkte, die vor und während der Begehung zu beachten sind:

  • Oberstes Begehungs-Gebot: Mitarbeiter sollten durch vertrauensvolle Interviews und Befragungen mit in jede Begehung einbezogen und aktiv daran beteiligt werden! Nur die Mitarbeiter vor Ort wissen, was wirklich „auf den Nägeln brennt“.
  • Bei der Begehung sollte das Augenmerk darauf liegen, dass technische Schutzvorrichtungen auch benutzt, erforderliche PSA tatsächlich getragen und dass die Arbeitsschutz-Regeln beachtet werden. Wenn hier Mängel zu erkennen sind, sollte erfragt werden, warum Maßnahmen nicht angewendet werden.
  • Alle Personen, die zu beteiligen sind, müssen mit einer Einladung benachrichtigt werden. Eine kurze Vorbesprechung sollte vom für die Begehung Verantwortlichen organisiert und durchgeführt werden. Die Bereitstellung der für die Begehung erforderlichen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), von Messgeräten (Luxmeter, Schallpegelmesser, Maßband etc.) und Festlegungen zum Protokoll (Art des Protokolls, Protokollführer, Mail-/Post-Verteiler) sollten vor der Begehung besprochen und organisiert werden.
  • Funktion und Anwendung notwendiger Messgeräte sollten vorher eingeübt worden sein.
  • Die orientierenden Mess-Ergebnisse sollten auf einfache Art und Weise dokumentiert werden. Eventuell müssen weitere Messungen veranlasst werden, zum Beispiel nach TRGS 402 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition“ oder TRGS 611 „Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können“.
  • Wenn nötig, sollten Sie sich Nachweise zeigen lassen, zum Beispiel Erlaubnisse, Befähigungen, Sachkunden, Betriebsbeschreibungen und so weiter.
  • Die Teilnehmer der Begehung sollten bei der Begehung möglichst zusammen bleiben und Fragen gemeinsam diskutieren.
  • Es ist empfehlenswert, für die Begehung selbst eine Ausgabe der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und eventuell Informationen über Gefahrstoffe und deren Grenzwerte bei sich zu haben. Dazu zählt die aktuelle Grenzwerteliste des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV.

Viele Informationen - kurze Pause gefällig? Lesen Sie gleich in Teil 2 dieses Beitrags, wie Sie eine Betriebsbegehung konkret planen und durchführen!

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe /Arbeitsschutz-Portal-Redaktion

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