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Betriebsbegehungen - gut organisiert und sinnvoll durchgeführt - Teil 2

Planung und Durchführung einer Betriebsbegehung

Betriebsbegehungen sind für Sie ein Graus? Dafür gibt es keinen Anlass! Wir verraten Ihnen, wie Sie Begehungen zu einem Instrument machen, mit dem Sie Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutz im Betrieb verbessern. Teil 1 dieses Fachbeitrags handelte von der Organisation, den Teilnehmern und absoluten Grundregeln für eine gelungene Betriebsbegehung. Jetzt geht es an die konkrete Planung und Durchführung.

Übrigens: Laden Sie sich über den Link im rechten Bereich die Muster-Checkliste für Ihre nächste Betriebsbegehung herunter!

Und so planen Sie eine Begehung und führen sie durch: Vor jeder regelmäßigen Betriebsbegehung sollten sich die Arbeitsschutzverantwortlichen vorbereiten. Eine gute Vorbereitung ist natürlich auch bei anlassbezogenen Betriebsbegehungen empfehlenswert, sofern dafür Zeit ist und der zu besichtigende Bereich bekannt ist.

Die Vorbereitungen betreffen insbesondere …

… die Aufteilung eines größeren Betriebs in Begehungsbereiche

… das Erstellen des Terminplans

… das Festlegen der Begleiter

… die Ermittlung der Sachgebiete, die jeweils anzusprechen sind

… die Beschaffung und Auswertung relevanter Informationen

… die Beschaffung und Erstellung von Checklisten

… die Einladung


Ablauf einer Betriebsbegehung

Die Sifa oder der Unternehmer führen kurz in die anstehende Problematik ein und machen Vorschläge für das gemeinsame Vorgehen. Werden diese angenommen, kann es losgehen.

Während der Begehung sollten die Sifa/der Unternehmer keine Bewertungen vornehmen und sich mit Äußerungen zurückhalten, um eine Beeinflussung zu vermeiden.


Betroffene aktiv beteiligen

Die Aussagen der Begleiter und der Betroffenen müssen richtig eingeordnet und lösungsorientiert priorisiert werden. Dazu sollte die Sifa über ein gutes psychologisches Einfühlungsvermögen verfügen und verschiedene Moderationstechniken beherrschen.


Umgebungseinflüsse messen

Natürlich kann man bei einer Betriebsbegehung nicht alle Faktoren, die die Mitarbeiter betreffen, begutachten. Umgebungseinflüsse wie Licht, Lärm, Stäube, Klimafaktoren, Zugluft und die Einhaltung von Arbeitsplatzgrenzwerten (AGW/DNEL) sollten aber auf jeden Fall betrachtet werden. Diese Faktoren können oder müssen zur Klärung offener Fragen gemessen werden. Zudem ist gezielt auf ergonomische Arbeitsabläufe, -verfahren und erforderliche und rechtskonforme Kennzeichnungen (Gebote/Verbote/Warnhinweise/Gefahrstoffe) zu achten.


Messungen durch Experten

Von laienhaften Messungen ist dringend abzuraten. Andererseits sollte die Sicherheitsfachkraft einfache Messgeräte, wie Luxmeter, Prüfröhrchen oder Schallpegelmesser, mit sich führen und einsetzen. Die Ergebnisse können aber nur orientierenden Charakter haben und die Notwendigkeit professioneller Messungen begründen. Die Messungen selbst sind sachkundigen Personen oder akkreditierten Institutionen zu überlassen.

Wichtig ist, dass im vorgesehenen Begehungsbereich alle Arbeitsplätze einbezogen werden. Das gilt auch für Räume, in denen sich nicht dauerhaft Personen aufhalten, also Sozialräume, Lager oder Außenbereich.


Arbeitsschutz – vom Großen ins Kleine

Es hat sich bewährt, immer in der gleichen Reihenfolge vorzugehen und dabei vom Allgemeinen zum Speziellen zu gelangen. Der Reihenfolge nach können betrachtet werden:

  • die Umgebung des Arbeitsplatzes/der Arbeitsplätze
  • mögliche Gefahren von anderen oder für andere Arbeitsplätze sowie Dritte
  • Verkehrs- und Transportwege
  • Transporteinrichtungen und -fahrzeuge
  • Fußböden
  • Beleuchtung, Belüftung, Temperatur
  • verwendete Materialien, mögliche Gefahrstoffe
  • am Arbeitsplatz vorhandene Werkstückbereitstellungen, Maschinen

Die Sifa sollte sich erst dann auf den einzelnen Arbeitsplatz und das Arbeitsverfahren konzentrieren, wenn der übrige Bereich gründlich auf Gefahren hin betrachtet worden ist.


Nichts eigenmächtig anfassen!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Sifa nichts eigenmächtig anfasst, also Maschinen nicht selbst einschaltet und nicht von sich aus in einen Arbeitsvorgang eingreift. Stattdessen sollte sie den zuständigen Vorgesetzten oder den an der Maschine tätigen Mitarbeiter bitten, den gewünschten Vorgang vorzumachen. Möchte die Sifa selbst „Hand anlegen“, sollte sie zuerst fragen, ob das zulässig ist, und sichergehen, dass damit keine unerwünschten Folgen, wie etwa Ausschuss, verbunden sind.


Nach der Betriebsbegehung ist vor der Betriebsbegehung

Ideal ist es, nach der Begehung eine kurze abschließende Besprechung abzuhalten, in der die noch frischen Eindrücke ausgetauscht und erste Hinweise auf erforderliche Maßnahmen gegeben werden. Geschieht die Abschlussbesprechung noch im Betrieb, können betriebliche Fachleute wie Meister oder Abteilungsleiter für offene Fragen einbezogen werden.

Eine Begehung muss abschließend dokumentiert werden. Tabellarische Formprotokolle sind als Mängelbericht gut geeignet: Sie können schnell erstellt werden, sind übersichtlich und verständlich. Mittlerweile werden Begehungsprotokolle auch mittels digitalem Eingabestift dokumentiert, was Schreibarbeit spart. Wichtig ist, dass nachträgliche Änderungen möglich bleiben.

Die Adressaten des Protokolls, der sogenannte Verteiler, sollten unter dem Protokoll aufgeführt sein. So kann jeder sehen, wer von dem Dokument Kenntnis hat. Für eine bessere Anschaulichkeit können Skizzen oder Pläne mit Kennzeichnungen beigefügt werden.

Nachbarfirmen, die Teile desselben Betriebsgeländes nutzen, also Lager, Hallenabschnitte oder Verkehrswege, und gegenseitigen Gefährdungen wie Brand- oder Verkehrsgefährdungen unterliegen, sollten Begehungsergebnisse zeitnah und auf definiertem Weg und Verteiler erhalten. Auch Niederlassungen und Filialen müssen Begehungsergebnisse kommuniziert bekommen. Besonders wenn technische Mängel bei Arbeitsmitteln gefunden wurden, wenn es zu Beinaheunfällen oder gar zu Unfällen kam, sind Kommunikation und Information das A und O für einen einheitlichen Sicherheitsstandard.

In Einzelfällen, zum Beispiel nach Arbeitsunfällen oder Systemkontrollen, kommt es vor, dass außerbetriebliche Stellen wie die Gewerbeaufsicht oder Technische Aufsichtspersonen der Unfallversicherung Einsicht in die Begehungs-Protokolle nehmen wollen oder müssen. Der Charakter des Protokolls als wichtiges Dokument sollte daher bei der Erstellung berücksichtigt werden.

Die in der Begehung festgestellten Maßnahmen für mehr Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz sollten möglichst bald, zum Beispiel in der nächsten ASA-Sitzung oder bei kleineren Betrieben direkt zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitervertretung, Sifa, Betriebsarzt, Beauftragten, abgestimmt und mit Durchführungsterminen und Verantwortlichkeiten festgelegt und umgesetzt werden.

Entscheidungen und Umsetzung sollten also nicht „auf die lange Bank geschoben“ werden. Im Zweifel können der zuständige Unfallversicherungsträger, die Berufsgenossenschaft oder das zuständige Gewerbeaufsichtsamt einbezogen und befragt werden. Für mehr Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz im Betrieb. Denn die nächste Betriebsbegehung kommt bestimmt …

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe /Arbeitsschutz-Portal-Redaktion

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