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CLP-Verordnung praxisnah

Gemische einstufen und kennzeichnen - jetzt gilt's!

Der Countdown für Gemische ist abgelaufen: Seit dem 01. Juni 2015 sind die Einstufung und Kennzeichnung nach der CLP-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1272/2008) auch für Gemische Pflicht. Nur Altbestände, die zum 01. Juni 2015 noch nach altem Recht gekennzeichnet sind, dürfen bis zum 30. Mai 2017 weiter verkauft werden.


Übrigens: Die CLP-Verordnung basiert auf dem Globally Harmonised System (GHS) für die Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen.


EINSTUFUNG EINES GEMISCHES

Um die CLP-Verordnung anwenden zu können, muss die Zusammensetzung eines Gemisches so genau wie möglich bekannt sein. Erstellen Sie für jedes Gemisch, das umgestellt werden muss, eine Liste aller Inhaltsstoffe, inklusive Verunreinigungen und Additiven.

Diese Liste sollte enthalten:

  • die Identität der Inhaltsstoffe
  • die Konzentration der Inhaltsstoffe im Gemisch
  • die Einstufung der einzelnen Stoffe nach CLP
  • die zugehörigen H-Sätze und EUH-Sätze
  • falls vorhanden: Konzentrationsgrenzwerte und M-Faktoren

Als Datenquellen können ein bereits vorhandenes Sicherheitsdatenblatt (SDB) des Gemisches, die SDB der Inhaltsstoffe, die Datensammlung auf der ECHA-Webseite unter „Registrierte Stoffe“ und das Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis (C&L-Verzeichnis) dienen.

Beachten Sie außerdem:

  • Gefährliche Eigenschaften der Inhaltsstoffe werden für ein Gemisch in der Regel ab Konzentrationen ≥ 0,1 % bzw. 1 % (je nach Einstufung) bedeutsam.
  • Bei besonders schwerwiegenden Eigenschaften sind niedrigere Konzentrationen zu beachten.
  • Wenn Sie ein neues Gemisch herstellen, sollten Ihnen die SDB der Inhaltsstoffe zur Verfügung stehen.
  • Falls Sie ein Gemisch importieren und auf den europäischen Markt einführen, gibt es möglicherweise ein SDB nach der Zubereitungsrichtlinie. Anhand der Umwandlungstabelle in Anhang VII können Sie damit eine orientierende Einschätzung gewinnen.
  • Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Lieferanten auf, wenn Sie weitere Informationen benötigen.

Wichtige Schritte zur Bestandsaufnahme

  • Unterscheiden Sie gefährliche Eigenschaften nach Gesundheits-, Umwelt- und physikalischen Gefahren.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie über alle Informationen verfügen, die Sie zu einer Einstufung des Gemisches entsprechend der Kriterien im Anhang I der CLP-Verordnung benötigen. Auch eigene oder fremde Testdaten können notwendig sein.
  • Überprüfen Sie unbedingt die harmonisierten Legaleinstufungen Ihrer Inhaltsstoffe nach C&L-Verzeichnis und stellen Sie sicher, dass sie korrekt auf das Gemisch übertragen wurden.
  • Prüfen Sie, ob weitere Gefahrenkategorien zutreffen, die nicht harmonisiert wurden. Dazu können Sie erneut das C&L-Verzeichnis nutzen. Beachten Sie aber, dass die normalen Einträge auf Meldungen von Herstellern oder Importeuren zurückgehen und häufig untereinander nicht übereinstimmen. Zu sogenannten „joint entries“ kann es ein Registrierungsdossier geben, das Testdaten enthält. Diese sind unter „Registrierte Stoffe“ bei der ECHA zu finden.
  • Bei ähnlichen Gemischen können Sie sich auf das „Bridging“-Verfahren beziehen

Datenbewertung – relevante Studienergebnisse müssen vorliegen

Die Bewertung der physikalischen Gefahren stützt sich meist auf Testdaten, die an dem Gemisch selbst erhoben wurden. In wenigen Fällen, vorrangig bei Gasen, gibt es Rechenverfahren. Für offensichtliche Fragen (z.B. Entzündbarkeit wässriger Gemische) kann möglicherweise auf Basis der Zusammensetzung entschieden werden, ob ein Test notwendig ist. Einige Studienanforderungen haben sich mit der CLP-VO verändert, sodass die entsprechenden Tests nun neu durchgeführt werden müssen.

Für die Einstufung bezüglich der Gesundheit sind Studien mit dem Gemisch zwar wertvoll, aber eher selten. Hier sind die Inhaltsstoffe von Belang. Tragen Sie alle Fakten schriftlich zusammen, am besten anhand der Unterkapitel in Teil 3 des Anhang I der CLP-VO. Und nutzen Sie öffentliche Datenbanken! Weitere Studien durchzuführen kommt aus Tierschutzgründen nicht in Frage.

Die Umweltgefahren werden durch die akute und chronische aquatische Toxizität beschrieben. Basis ist die akute aquatische Toxizität der Inhaltsstoffe. Um die langfristige Wirkung zu beurteilen, wird sie um Daten zu Bioabbaubarkeit und Akkumulationspotential ergänzt. Multiplikationsfaktoren (M-Faktoren) geben Inhaltsstoffen mit besonders hoher Toxizität bei der Einstufung ein entsprechend größeres Gewicht

Zusätzlich kann es noch weitere Gefahren geben, die Sie berücksichtigen müssen – beschrieben in Teil 5 in Anhang I sowie Anhang II der CLP-VO.

 

Der Einstufungsprozess

Physikalische Gefahren: Wenn zu dem Gemisch selbst oder einem vergleichbaren Gemisch eine Studie vorliegt, wird das Ergebnis mit den Kriterien im Anhang I der CLP-VO verglichen und damit die Einstufung festgelegt.


Bei Gesundheits- und Umweltgefahren wird meistens der Gehalt einzelner Inhaltsstoffe mit einem Konzentrationsgrenzwert verglichen, der als Schwellenwert für die Einstufung des Gemisches dient. Die zu den verschiedenen Gefahrenklassen oder -kategorien gehörigen Konzentrationsgrenzwerte sind im Anhang I der CLP-VO genannt.

Für Stoffe mit einer harmonisierten Einstufung kann es spezifische Konzentrationsgrenzwerte geben, die im Anhang VI der CLP-Verordnung zusammen mit dem jeweiligen Stoffeintrag aufgeführt sind.

Einem additiven Einstufungs-Ansatz liegt die Idee zu Grunde, dass die Summe aller Inhaltsstoffe, die eine bestimmte Eigenschaft haben, für die Einstufung entscheidend ist. Unterschiedliche Wirkungsstärken der Inhaltsstoffe werden dabei durch eine gewichtete Berechnung berücksichtigt. Beispiele für Additivität sind akute Toxizität, Reizwirkung oder aquatische Toxizität.

Bei sensibilisierenden, karzinogenen, mutagenen und reproduktionstoxischen Inhaltsstoffen wird der Gehalt des Inhaltsstoffes direkt mit dem Schwellenwert abgeglichen, ohne andere Stoffe mit derselben Eigenschaft dazuzurechnen – also nicht-additiv.


TIPP: Einige Bewertungsverfahren wurden mit der CLP-VO geändert. Das kann die Einstufung eines Gemisches ändern, obwohl die Datenlage gleich geblieben ist.


Kennzeichnung und Sicherheitsdatenblatt anpassen!

Die Einstufung Ihres Gemisches ist nach viel Recherche und Detailarbeit geschafft – Sie sind mit Ihrem CLP-Prozess aber noch nicht am Ende!

Die Kennzeichnung des Gemisches muss nach detaillierten Vorgaben zu Etikett-Größe, Piktogrammen und H- und P-Sätzen inklusive genauem Wortlaut erfolgen. Die Kennzeichnung umfasst Angaben zum Lieferanten, die Produktidentifikationsnummer, die Nennmenge, gefährliche Inhaltsstoffe, Gefahrenpiktogramme, möglicherweise ein Signalwort, die Gefahrenhinweise in Form von H- und EUH-Sätzen sowie Sicherheitshinweise in Form von P-Sätzen.

Nun müssen Sie noch das SDB anpassen. Ergibt sich eine Änderung? Dann sollten Sie Ihre Kunden darüber informieren!


Übrigens: Eine Doppelkennzeichnung auf dem Etikett nach alter und neuer Variante ist nicht zulässig! Aus Sicherheitsgründen sollen Gefahrstoffe und gefährliche Gemische außerdem nicht umetikettiert werden, sondern in Originalgebinden verbleiben. Mitarbeiter müssen also beide Systeme verstehen.

 

Zusätzliche Stoffinformationen, Änderungen an Zusammensetzungen als auch Anpassungen des Regelwerks können Einfluss auf die Einstufung Ihres Gemisches haben. Bleiben Sie deswegen immer auf dem aktuellen Stand der Informationen!


Autor: Stefan Johannsen/Arbeitsschutz-Portal-Redaktion

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