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Erste Hilfe im Betrieb – so retten Sie Leben!

Rechte, Pflichten und die wichtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen

Stellen Sie sich vor, Ihnen passiert auf der Arbeit ein Unfall oder Sie brechen auf einmal zusammen - Sie haben einen Herzinfarkt! Sie wollen, dass Ihnen geholfen wird – und jeder andere möchte auch, dass irgendjemand in so einem Fall weiß, was zu tun ist – denn Erste Hilfe kann Leben retten. Umso schlimmer, dass sich nur jeder Fünfte in der Lage sieht, eine lebensrettende Wiederbelebung vornehmen zu können.

Dabei sind in der Ersten Hilfe Pflichten und Rechte ganz klar geregelt. Jeder ist nach §323c Strafgesetzbuch verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Einzige Ausnahme: Der mögliche Helfer würde sich selbst dabei in erhebliche Gefahr begeben. "Beispielsweise muss ein Nichtschwimmer nicht in tiefes Wasser springen, um einen Ertrinkenden zu retten. Einen Notruf absetzen oder einen anderen damit beauftragen hingegen, ist für jeden zumutbar", so Dr. Kerstin Einsiedler, Arbeitsschutzärztin bei der BG Verkehr. Wer seiner mitmenschlichen Pflicht nicht nachkommt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr und einer Geldstrafe rechnen. Angst davor, für "falsche" Erste Hilfe belangt zu werden oder auf einem eventuell entstehenden Schaden an der eigenen Gesundheit oder an Eigentum sitzen zu bleiben, brauchen Ersthelfer in der Regel nicht zu haben. Hier haftet die gesetzliche Unfallversicherung.


Pflichten für funktionierende Erste Hilfe am Arbeitsplatz

Im Betrieb muss der Arbeitgeber gewährleisten, dass Erste Hilfe möglich ist. Festgehalten sind Rechte und Pflichten in Sachen Erster Hilfe im Betrieb in der DGUV-Vorschrift 1 Unfallverhütungsvorschrift – Grundsätze der Prävention in den §§24 bis 28. Der Arbeitgeber muss personelle, materielle und organisatorische Vorarbeit leisten. Er muss Verbandskästen und -material zur Verfügung stellen, es kennzeichnen und die Mitarbeiter darüber informieren, was im Notfall zu tun ist, am besten über den Aushang eines Erste-Hilfe-Planes und Unterweisungen. Diese Pflicht gilt schon ab dem ersten Mitarbeiter!

Ab zwei Mitarbeitern muss der Arbeitgeber Ersthelfer ausbilden lassen; bei bis zu zwanzig Mitarbeitern muss es mindestens einen Ersthelfer geben. In größeren Betrieben liegt die empfohlene Zahl bei 5% der anwesenden Versicherten für Verwaltung und Handel und bei 10% in den sonstigen Betrieben. Die Kosten für Erste-Hilfe-Lehrgänge tragen die Unfallversicherungsträger. Nur sogenannte ermächtigte Stellen wie der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) oder die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dürfen betriebliche Ersthelfer ausbilden.


Übrigens: Seit 01. April 2015 ist die Ausbildung für betriebliche Ersthelfer neu geregelt: Sowohl die Ausbildung als auch die alle zwei Jahre zu absolvierende Fortbildung umfassen seitdem jeweils neun Unterrichtseinheiten – vorher waren es 16 beziehungsweise acht UE. Mit der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Regelung soll die Praxis in den Vordergrund gestellt und die Fortbildung aufgewertet werden.


Die Rettungskette und die 5 W

Der Arbeitgeber muss also sicherstellen, dass es eine organisierte Rettungskette gibt, die in Gang kommt, wenn jemand am Arbeitsplatz verletzt oder krank wird. Die Rettungskette beinhaltet folgende Schritte:

  1. Ruhe bewahren
  2. Unfallstelle absichern
  3. Personen aus dem Gefahrenbereich bringen, zum Beispiel bei Feuer oder Absturzgefahr, dabei aber die eigene Sicherheit nicht aus den Augen verlieren
  4. Bei kleinerer Verletzung: Versorgung der Wunde; bei größerer Verletzung oder nicht ansprechbaren Personen den Rettungswagen rufen
  5. Erste Hilfe mit Sofortmaßnahmen (zum Beispiel Herzrhythmusmassage; Beatmung …) leisten, bis der Rettungswagen eintrifft
  6. Die Rettungskette endet im Krankenhaus


Was wirklich jeder auch ohne Erste-Hilfe-Kenntnisse im Notfall leisten kann, ist, den Rettungswagen zu rufen. Die berühmten 5 W helfen dabei, sich vor lauter Aufregung nicht zu verzetteln. Teilen Sie beim Notruf mit:

  • Wo befinden Sie sich?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Art von Verletzungen gibt es?
  • Warten Sie auf Rückfragen!

Die meisten Personen, die in Rettungsleitstellen arbeiten, sind heutzutage aber auch darauf geschult, Anrufende auf ihrem Stand "abzuholen" und ihnen zu beschreiben, was zu tun ist – inklusive Anleitung zur Ersten Hilfe.


Nach dem Unfall - Dokumentation und Unfallanzeige

Wenn bei Verletzungen Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden müssen, sollte das in einem Verbandbuch dokumentiert werden. Auch kleinste Verletzungen sollten Sie hier eintragen, für den Fall, dass sie doch noch einen ungeahnten Gesundheitsschaden zur Folge haben.


Übrigens: Achten Sie bei Eintragungen ins Verbandbuch auf Datenschutzbestimmungen! Natürlich darf nicht jede Person im Betrieb die Notizen, die persönliche Daten enthalten, einsehen können. Am besten lösen Sie dieses Dilemma mit einem Abreißblock, aus dem Sie die neue Eintragung entfernen und unter Verschluss bringen. Sie können auch einzelne Zettel als Verbandbuch nutzen.


Bringt die Verletzung voraussichtlich eine Arbeitsunfähigkeit mit sich, muss der Betroffene zum Durchgangsarzt (D-Arzt) gehen. Dieser entscheidet, welche weiteren medizinischen Maßnahmen notwendig sind. 

Hat der Unfall mehr als drei Arbeitsunfähigkeitstage zur Folge, muss der Arbeitgeber eine Unfallanzeige beim Unfallversicherungsträger stellen; bei einigen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen ist dies mittlerweile online möglich. Betriebsarzt und Sifa sind über eine Unfallanzeige zu informieren. Auch bei einem Unfall mit Todesfolge muss eine Unfallanzeige gemacht werden.


Achtung: Bei der Entscheidung, ob eine Unfallanzeige notwendig ist, zählen bei den Arbeitsunfähigkeits-Tagen die Kalendertage, nicht nur die Werktage.


Im schlimmsten Fall, wenn eine Person getötet oder mehr als drei Personen verletzt wurden, muss der Unfall telefonisch beim Unfallversicherungsträger gemeldet werden. 


Große Betriebe verlangen große Erste-Hilfe-Maßnahmen

Natürlich sind für größere Betriebe oder für Betriebe, in denen die Beschäftigten besonderen Gefährdungen ausgesetzt sind, mehr Erste-Hilfe-Vorbereitungen zu treffen. Dazu können umfangreichere Verbandskästen nach DIN 13169, medizinische Gerätschaften, zum Beispiel Defibrillatoren oder Beatmungsgeräte, technische Hilfsmittel wie Krankentragen, Spreizer, Hubgeräte, Meldeeinrichtungen, ein Betriebssanitäter oder spezielle Erste-Hilfe-Räume gehören.

Ob und was notwendig ist, kann anhand der Gefährdungsbeurteilung in Abgleich mit staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften herausgefunden werden. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) und der Betriebsarzt können hier beraten und helfen.


Übrigens: Eine gut organisierte Erste Hilfe im Betrieb muss auch den Bereich des Brandschutzes abdecken. Seit 2013 sind Brandschutzhelfer unter bestimmten Umständen Pflicht. 


Auch die Psyche kann Schaden davontragen

Dass nach einem einschneidenden Erlebnis am Arbeitsplatz auch die Psyche leiden kann, ist logisch. Das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten, kann schwierig sein. Seit 1962 gibt es die Rechtsprechung, dass ein unfallbedingter Gesundheitsschaden auch psychischer Art sein kann und die Unfallversicherung dafür aufkommen muss. Die psychische Erkrankung muss allerdings durch ein spezielles Ereignis ausgelöst worden sein, um unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung zu fallen. Bei solchen psychischen Folgen von Unfällen handelt es sich oft um Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Die Symptome reichen von Alpträumen, Rückzug oder Erinnerungslücken bis hin zu Verhaltensänderungen, Reizbarkeit … Auch hier kann schnelle Erste Hilfe schlimmeren Schaden vermeiden.

Ansonsten gilt: Arbeitsaufgaben, Arbeitsmittel, Arbeitsplätze ändern sich. Halten Sie Ihre Aushänge zur Ersten Hilfe und zum Brandschutz immer aktuell und sorgen Sie für regelmäßige Erste-Hilfe-Unterweisungen der Beschäftigten!

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