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Menschenwürdige Arbeit - was gehört dazu?

Fürsorgepflicht für Körper und Psyche

Die Gewerkschaften haben den 07. Oktober zum Welttag für menschenwürdige Arbeit erklärt. Nur sichere, gesunde, faire und gut bezahlte Arbeit ist laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) menschenwürdige Arbeit. Dafür, dass Arbeit in einem solchen Rahmen stattfindet, muss der Arbeitgeber sorgen. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers für Leben und Gesundheit der Beschäftigten geht aus den §§ 617-619 des Bundesgesetzbuchs (BGB) hervor. Vorgaben, wie die Ausübung der Fürsorgepflicht auszusehen hat, ergeben sich aus den verschiedensten Vorschriften, wie dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG), dem Arbeitsschutzgesetz, der Arbeitsstättenverordnung oder der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV). So weit, so klar.

Um festzustellen, welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, dient die Gefährdungsbeurteilung, die für jeden Arbeitsplatz erstellt werden muss. Diese muss physische Gefahren als auch psychische Gefährdungen betrachten. Leiharbeiter, Minijobber und Werksvertragsbeschäftigte fallen ebenfalls unter die Fürsorgepflicht, auch wenn hier oft Mängel bestehen. Besondere Fürsorgepflicht ergibt sich für Jugendliche (Jugendarbeitsschutzgesetz) und (werdende) Mütter (Mutterschutzgesetz). Ansonsten gilt der Gedanke der Gleichbehandlung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Auch Beschäftigte, die im Ausland für einen deutschen Arbeitgeber arbeiten oder auf Geschäftsreise sind, stehen unter der Fürsorgepflicht. Werden Beschäftigte in Ländern mit besonderen hygienischen oder klimatischen Bedingungen eingesetzt, etwa den Subtropen, gilt eine Pflicht für arbeitsmedizinische Vorsorge. 

Brandschutzmaßnahmen und Erste Hilfe zählen ebenfalls zum Bereich der Fürsorgepflicht. Kann einem Unternehmer schuldhaftes Verhalten bei mangelnden Brandschutzmaßnahmen nachgewiesen werden und es passiert etwas, haftet er persönlich.


Auch die Psyche muss umsorgt werden ...

Die Fürsorgepflicht greift aber nicht nur bei körperlichen Gefährdungen, wie Lärm, Gefahrstoffen, Hitzearbeit … sondern auch bei psychischen Belastungen, beziehungsweise bei krank machenden Fehlbelastungen. So sind Arbeitgeber verpflichtet, etwas gegen Mobbing zu unternehmen oder Termindruck und Arbeitsverdichtung im Zaum zu halten. Auch Schichtarbeit oder große Verantwortung sind psychisch heikle Angelegenheiten. Erst kürzlich haben Forscher herausgefunden, dass sogenannte „Gefühlsarbeit“ psychisch krank machen kann. 

Besonders in Zeiten von immer komplexer werdenden Arbeitsvorgängen, vernetzten Infrastrukturen und mobiler Arbeit - Schlagwort Arbeiten 4.0 - wird der Schutz der psychischen Gesundheit immer wichtiger. Modernere, flexiblere Arbeitsmodelle lassen zwar zu, dass Beschäftigte Arbeit und Freizeit/Familie besser aufeinander abstimmen können, aber diese Modelle haben sich noch gar nicht umfassend etabliert, da tun sich schon die nächsten Probleme auf: Die ständige Erreichbarkeit belastet die Beschäftigten und der Ruf nach digitalem Arbeitsschutz und klaren Regelungen zur Erreichbarkeit wird laut. 


BGM - das Plus für mehr Gesundheit

Wenn ein Arbeitgeber menschenwürdige Arbeit anbietet, dürfte ein Ergebnis davon sein, dass er leistungsfähige und motivierte Arbeitnehmer bekommt, die die Basis für den Erfolg jedes Unternehmens sind. Betriebe, die dies erkannt haben, bieten noch ein Plus an Gesundheitsschutz an und greifen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Hier geht es nicht nur um das "Überleben" am Arbeitsplatz, sondern auch ums Wohlfühlen und Gesundbleiben.

Bei all diesen Maßnahmen für gesunde und sichere Arbeit ist eins klar: Der Einfluss der Führungskraft auf die Beschäftigten ist enorm. Sie ist in der Regel das Zahnrad zwischen oberster Hierarchiestufe und Mitarbeitern. Auch die Führungskraft braucht Know-how und vor allem Freiraum, um verantwortungsvoll und aufmerksam agieren zu können. „Für die Zukunft wird es wichtig, Führungskräften genügend Freiraum einzuräumen“, fassen Forscher des Fraunhofer IAO die Ergebnisse  der Studie "Die flexible Führungskraft" zusammen.


Gute Arbeit - gibt's die in unserem Betrieb?

Unternehmen, die sich selbst in Sachen Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz auf die Probe stellen wollen, müssen nicht unbedingt eine teure Zertifizierung über sich ergehen lassen, um herauszufinden, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Das kostenlose Selbstbewertungsinstrument GDA ORGACheck von der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) hilft hier schon weiter. Der INQA-Unternehmenscheck "Guter Mittelstand" von der Initiative Neue Qualität der Arbeit deckt Stärken und Schwächen in KMU auf, was Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz betrifft. Die Webseite Safety & Work, die von nicht kommerziellen Organisationen wie der issa, der DGUV und dem British Safety Council betrieben wird, verrät die 10 Schlüssel zum Unternehms-Erfolg mit gesunder und sicherer Arbeit und bietet ebenfalls einen Selbstcheck sowie weitere nützliche Tools.

Zu guter Letzt: Die Arbeitsschutz-Pflicht liegt nicht nur auf Schultern der Arbeitgeber! Beschäftigte sind verpflichtet, vorhandene Sicherheitseinrichtungen zu nutzen und ihre Vorgesetzten über Gefährdungen zu informieren.

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