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Rückengesundheit auch für Erzieher!

Viele körperliche Belastungen sind vermeidbar

Ganz schön anstrengend: Zur Arbeit in der Kindertagespflege gehören viele körperliche Belastungen. "Sitzen auf zu kleinen Stühlen und an zu kleinen Tischen, häufiges Bücken, fehlende Rückzugsmöglichkeiten - all dies kann das Muskel-Skelett-System belasten", weiß Professor Rolf Ellegast, stellvertretender Leiter des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). "Diese Belastungen haben sich insbesondere durch die steigende Zahl der unter Dreijährigen in den Kindertageseinrichtungen weiter erhöht, zum Beispiel durch mehr Wickeltätigkeiten sowie vermehrtes Heben und Tragen." Die gute Nachricht: Viele dieser Belastungen können vermieden werden! Darauf weist aktuell die Präventionskampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ hin.


Gefährdungsbeurteilung: Gefährdungen analysieren, Maßnahmen erkennen

Mögliche Gefährdungen und eventuelle Maßnahmen, die Abhilfe schaffen sollen, müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung an allen Arbeitsplätzen identifiziert werden. Hilfreiches Material, wie etwa Checklisten, bieten die Unfallkassen oder Berufsgenossenschaften.

Eine Maßnahme kann die Anschaffung von ergonomischem Mobiliar sein. Spezielle Stühle verbessern die Sitzhaltung der Erzieher; aus Gitterbetten mit Türen müssen die Kinder nicht mehr herausgehoben werden. Tische mit Rollen sind einfacher zu handhaben und dank kleiner Podeste muss sich das Kita-Personal für das Schuhebinden nicht mehr bis zum Boden bücken.


Verhältnisprävention und Verhaltensprävention - ein gutes Doppel

"Neben solchen verhältnispräventiven Maßnahmen sind auch verhaltenspräventive Empfehlungen zielführend", erläutert Ellegast. "Damit ist etwa gemeint, dass die Kinder früher zu mehr Eigenständigkeit erzogen werden und etwa lernen, ihren Anorak alleine anzuziehen oder eine Treppe selbst zu gehen statt darüber gehoben zu werden." Die Maßnahmen sollten natürlich immer mit dem pädagogischen Konzept der Einrichtung in Einklang stehen: "Jede Kita ist anders. Daher gibt es keine Pauschallösungen. Allerdings muss das Bewusstsein für rückengerechtes Arbeiten bereits viel früher, am besten schon in der Ausbildung, vermittelt werden. Hier gibt es bislang ein Defizit", so Ellegast weiter.


Forschungsprojekt "ErgoKita"

Welchen Belastungen Erzieher täglich ausgesetzt sind, hat die gesetzliche Unfallversicherung im Rahmen ihres Forschungsprojekts "ErgoKita" untersucht. In ausgewählten Kitas wurden verschiedene Präventionsmaßnahmen umgesetzt und ihre Wirksamkeit überprüft. Ein Prototyp für eine Kindertageseinrichtung, in den die Ergebnisse dieser Forschung eingeflossen sind, wurde im Frühjahr 2015 in Neuwied eröffnet. Die Musterkita entstand als Gemeinschaftsprojekt der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und des IFA, der Stadt Neuwied als kommunaler Trägerin und der Gemeindlichen Siedlungs-Gesellschaft als Bauherrin.

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