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Erste Hilfe: Neue Leitlinien für die Wiederbelebung

Manuelle Reanimation wird wichtiger - jeder kann Leben retten!

Was Ersthelfer wissen sollten: Für die Wiederbelebung gibt es neue Leitlinien, wie der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) berichtet. Mehr als 100.000 unerwartete Todesfälle durch plötzlichen Herztod und Kreislaufstillstand gibt es in Deutschland jedes Jahr. Damit sind sie die dritthäufigste Todesursache. Wiederbelebungsmaßnahmen müssen schnell ergriffen werden – Sekunden können Leben retten. Nach den neuen "Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation" vom European Resuscitation Council (ERC) soll ab sofort mehr auf ausgebildete Ersthelfer, intelligente Alarmierungssysteme und eine deutliche Zunahme der Laienreanimation gesetzt werden.

"Seit Mitte Oktober gibt es neue Richtlinien für die Wiederbelebung bei plötzlichem Herzstillstand. Sie machen noch einmal klar, dass jeder Leben retten kann. Dafür braucht man nur seine Hände und etwas Mut", betont Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK und selbst erfahrene Notärztin.

Und das sind die lebensrettenden Schritte:

  • Atmung prüfen
  • Atmet der Betroffene nicht, als Erstes über die 112 den Rettungsdienst rufen
  • Dann mindestens 100-mal pro Minute fest in der Mitte des Brustkorbs 5 bis höchstens 6 cm tief drücken, und zwar ohne Pause, bis medizinische Hilfe eintrifft
  • Trainierte Ersthelfer können eine Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen

Für die Herzdruckmassage gilt: „Pausen von über zehn Sekunden führen zu einer Verschlechterung der Prognose des Patienten und müssen daher vermieden werden“, erklärt Dr. Dr. Burkhard Dirks, Altvorsitzender des GRC. Experten sollen eine Intubation vornehmen – wenn möglich, ohne dabei die Herzdruckmassage zu unterbrechen.


„Handarbeit“ wird wichtiger

„Eine manuelle Reanimation ist mindestens genauso effektiv wie die Verwendung mechanischer Reanimationshilfen“, erläutert Professor Bernd W. Böttiger, Vorsitzender des GRC und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln. „In einigen Studien fand sich sogar ein schlechteres neurologisches Ergebnis bei Verwendung mechanischer Systeme.“ Der Einsatz von Reanimationshilfen führe unvermeidlich zu gewissen Unterbrechungen der Thoraxkompressionen, die so kurz wie möglich sein müssten. Die neuen Leitlinien empfehlen daher den Einsatz solcher Geräte nur in besonderen Situationen, wie bei Reanimationen während eines Transportes oder bei sehr langer Reanimationsdauer.


Telefonreanimation „extrem effektiv“

Laien sollen außerdem am Notruftelefon in Herzdruckmassage instruiert werden. „Dies ist extrem effektiv – man muss es siebenmal machen, um ein Leben zusätzlich zu retten!“, erklärt Professor Karl Heinrich Scholz, stellvertretender Vorsitzender des GRC vom St. Bernward-Krankenhaus in Hildesheim. In Deutschland werde die Telefonreanimation von immer mehr Leitstellen durchgeführt. In Bayern sei sie bereits landesweit verpflichtend. Auch intelligente Gesamtsysteme, in denen Ersthelfer in der Nähe per Smartphone gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert werden, können Vorteile bringen.


Herzdruckmassage reicht bei Erwachsenen in den ersten Minuten meist aus

In 50 bis 70 % der Fälle würden Laien Zeugen eines Kreislaufstillstands, denn meist passierten sie zu Hause. „Nach drei bis fünf Minuten fängt das Gehirn an zu sterben“, so Scholz. Der Notarzt treffe meist aber erst nach acht bis zwölf Minuten ein. Der sofortige Beginn der Reanimation durch Laien könne daher entscheidend sein. Bei Erwachsenen reichten in den ersten Minuten alleinige Thoraxkompressionen oft völlig aus. Das betont auch das Deutsche Grüne Kreuz (DGK): "Bisher galt die A-B-C-Regel für 'Airway (Atemwege freimachen), Breathing (Beatmung), Chest compressions (Herzdruckmassage)', nun lautet die gültige Reihenfolge C-A-B: Herzdruckmassage, Atemwege freimachen, Beatmen. Steht nur ein Helfer zur Verfügung, der nicht in der Herz-Lungen-Wiederbelebung geschult ist, sollte er nach Alarmierung des Rettungsdienstes nur eine kräftige und schnelle Herzdruckmassage anwenden und auf weitere Maßnahmen verzichten, bis die Rettungskräfte eintreffen."

Laien sollten laut GRC verstärkt in Wiederbelebung ausgebildet werden, so die Empfehlungen der neuen Leitlinie. Dazu gehörten die Herzdruckmassage und die Beatmung im Verhältnis 30:2.

„Gemeinsam 10.000 Leben zusätzlich pro Jahr in Deutschland retten“, so lautet das Ziel, das durch die Umsetzung der Empfehlungen der neuen Leitlinien erreicht werden soll.

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