Nachricht

Körperliche Gefährdungen an Arbeitsplätzen - ein Überblick

Gefahr für Leib und Leben

Körperliche Gefährdungen gibt es an fast allen Arbeitsplätzen. Die Diskussion um psychische Belastungen ist zwar spätestens seit 2013 auf dem Höhepunkt, seit die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung laut Arbeitsschutzgesetz explizit gefordert wird. Doch lassen Sie uns darüber die Verhütung oder Verringerung körperlicher Gefährdungen nicht vergessen! Der häufigste Grund für Ausfallzeiten und der zweithäufigste Grund für Frühverrentungen sind nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE), die durch körperliche Fehlbelastungen am Arbeitsplatz oft begünstigt werden.


Körperliche (Fehl-)Belastungen durch anstrengende körperliche Arbeit

Zunächst einmal: Körperliche Belastung an sich ist etwas Positives. Sie stärkt die Muskeln, regt den Kreislauf an – ohne körperliche Betätigung könnten wir nicht existieren. Doch es gibt viele verschiedene Tätigkeiten, die zu Fehlbelastungen führen und krank machen können.

Man unterscheidet zwischen 4 Formen aktiver physischer Belastung, die gesundheitsschädigend sein können:

  • Tätigkeiten mit manueller Lastenhandhabung – Heben, Halten, Tragen, Schieben, Ziehen von Lasten
  • Tätigkeiten mit erzwungenen Körperhaltungen – Zwangshaltungen – Hocken, Knien, Stehen, Fersensitz, Liegen …
  • Tätigkeiten mit erhöhter Kraftanstrengung oder Krafteinwirkung – Bohren, Stemmen, Hämmern, Drehen, Steigen, Klettern …
  • Sich ständig wiederholende repetitive Tätigkeiten mit hohen Handhabungsfrequenzen

Bei Tätigkeiten zum Beispiel mit Bohrern oder Abbruchhämmern wirken Vibrationen auf Hände und Arme; man spricht hier von Hand-Arm-Vibrationen. Ganzkörpervibrationen entstehen durch Fahrzeuge etwa im öffentlichen Verkehr, durch das Fahren von Gabelstaplern oder Erdbaumaschinen. Diese mechanischen Schwingungen können zu verschiedensten Gesundheitsproblemen führen, von Rückenschmerzen bis hin zu neurologischen Erkrankungen.

Klar, eine solche belastende Tätigkeit hält jeder mal kurz aus. Um eine Gefährdung auszumachen, müssen Dauer, Häufigkeit und Intensität der Belastungen betrachtet werden. Außerdem vertragen Menschen solche Beanspruchungen unterschiedlich gut. Das hängt unter anderem vom Alter, vom Geschlecht, von der Konstitution oder auch von Belastungen aus dem privaten Bereich ab.


Gefahr für Leib und Leben - durch äußere Einflüsse

Neben der körperlichen Fehlbelastung gibt es noch viele körperliche Gefährdungen durch äußere Einflüsse. Dazu gehören

  • Lärm
  • Gefahrstoffe (Abgase, Chemikalien …)
  • Stäube, Rauch, Partikel
  • thermische Gefährdungen: Kälte, Hitze
  • biologische Gefährdungen
  • schlechte Beleuchtung
  • mechanische Gefährdungen durch oder Emissionen von Maschinen, Arbeitsmitteln
  • elektrische Gefährdungen
  • Brand- und Explosionsgefahr
  • Verkehr
  • Absturzgefahr bei Arbeiten in der Höhe
  • Verschüttetwerden, Versinken
  • Strahlung

Besonders gefährdet sind Beschäftigte in bestimmten Branchen wie der Bauwirtschaft, da hier zum Beispiel körperliche Arbeit trotz des technischen Fortschritts immer noch weit verbreitet ist.  Neue Techniken machen Winterbaustellen möglich – Kälte, Regen und Schnee setzen den Beschäftigten noch zusätzlich zu. Beschäftigte in der Instandhaltung, die an anlaufenden, gedrosselten oder offenen Maschinen arbeiten, sind ebenfalls in besonderem Maß körperlichen Gefährdungen ausgesetzt. Und gerade der technische Fortschritt bringt neue körperliche Gefahren mit sich: aktuelles Beispiel ist die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) ohne Schutzzäune. Doch auch im Büro sind Sie vor beruflich bedingten körperlichen Gebrechen nicht gefeit: Bewegungsmangel und Dauersitzen führen zu MSE, schlechte Beleuchtung zu Sehverlust, mieses Raumklima zu Augen-, Haut- oder Atemwegsproblemen.

Die Gefahren für die körperliche Gesundheit müssen nach §5 des Arbeitsschutzgesetzes für jeden Arbeitsplatz in einer Gefährdungsbeurteilung betrachtet werden. Daraus ergeben sich auch die  sinnvollen Schutzmaßnahmen. Neben organisatorischen und technischen Maßnahmen sollten persönliche Schutzmaßnahmen wie etwa PSA als letzte Möglichkeit eingesetzt werden.


Eignung und Vorsorge für körperlich belastende Tätigkeiten

Für manche Tätigkeiten ist eine besondere körperliche Konstitution notwendig, sodass eine Eignungsuntersuchung durchgeführt werden muss, die in verschiedenen Vorschriften geregelt ist. Für Arbeiten in Druckluft muss zum Beispiel nach §10 der Druckluftverordnung eine Eignungsuntersuchung stattfinden, für Atemschutzgeräteträger nach der Feuerwehr-Dienstvorschrift Atemschutz (FwDV 7). Eine Eignung für Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten (G 25) sollte für Staplerfahrer nachgewiesen werden können.

Für Tätigkeiten mit besonderen Gefährdungen regelt die Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV), wann medizinische Betreuung notwendig ist, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu verhüten, Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und betrieblichen Gesundheitsschutz zu fördern. Man unterscheidet hier zwischen

  • Pflichtvorsorge: Ein Muss bei Tätigkeiten, die im Anhang der ArbMedVV aufgelistet sind, wie Feuchtarbeit von mehr als vier Stunden am Tag, Schweißen und Trennen von Metallen bei Überschreitung eines Grenzwerts oder Exposition gegenüber Mehlstaub ab einer gewissen Konzentration. Die Durchführung der Pflichtvorsorge ist Voraussetzung, damit der Beschäftigte die Tätigkeit ausüben darf.
  • Angebotsvorsorge: Ein für den Arbeitnehmer freiwilliges Angebot bei bestimmten Tätigkeiten. Beim Umgang mit krebserzeugenden Stoffen wie Asbest muss der Arbeitgeber eine nachgehende Vorsorge auch für bereits ausgeschiedene Beschäftigte anbieten.
  • Wunschvorsorge: Diese kann der Arbeitnehmer anfordern, es sei denn, eine Gefährdung ist durch Schutzmaßnahmen oder durch die Art der Tätigkeit ausgeschlossen.

Hohe Fehlzeiten, viele Erkrankungen wie MSE, Schwerhörigkeit, Sehschwäche, viele Arbeitsunfälle (Kontrollverlust über eine Last, Stolpern, Stürzen …) können darauf hindeuten, dass Beschäftigte nicht genug vor körperlichen Belastungen geschützt werden.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website akzeptieren Sie das Setzen von Cookies in Ihrem Browser.    weitere Infos OK