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Zwischenfall, Notfall, Katastrophe - schützen Sie Ihren Betrieb!

Know-how für Ihre Notfallorganisation

Wenn das Unvorhergesehene passiert ... Vom Arbeitsunfall über den Großbrand oder den Stromausfall bis zum Hochwasser: Zwischenfälle im Betrieb können Mitarbeiter, Unternehmer sowie Abläufe und Prozesse ganz schön durcheinander bringen. Sie können sogar die Existenz eines Betriebs gefährden. Während kleinere Zwischenfälle wie Arbeitsunfälle häufiger auftreten, kommen die ganz großen Katastrophen zum Glück selten vor. Vorbereitet sollte man aber trotzdem sein, wie §10 des Arbeitsschutzgesetzes vorschreibt. Maßnahmen für Erste Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung müssen bereitstehen, die erforderlichen Verbindungen zu außerbetrieblichen Stellen (Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei …) müssen eingerichtet sein. Jeder Betrieb braucht mindestens einen Ersthelfer und einen Brandschutzhelfer, die wissen, was im Notfall zu tun ist. Wie viele Brandschutzhelfer mindestens ausgebildet werden müssen, sollte die Gefährdungsbeurteilung ergeben. In der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR 2.2 "Maßnahmen gegen Brände" wird ein Anteil von 5 % der Beschäftigten empfohlen. Die Zahl der Ersthelfer ergibt sich aus der Betriebsgröße und der Art des Betriebs.


Das sind die Gefahren

Brände oder Unfälle sind zwei der "klassischen" Zwischenfälle, die jeden Betrieb treffen können. Die neue Arbeitswelt bringt zu diesen "klassischen" Gefahren noch eine neue große Bedrohung mit sich: IT-Sicherheitsvorfälle ...

Über die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen, die nicht nur einzelne Betriebe betreffen, sagt Geograph Prof. Dr. Lothar Schrott, Leiter des Master-Studiengangs „Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement“ (KaVoMa) an der Uni Bonn: „Die größten Gefahren entstehen durch den globalen Klimawandel und die steigende Abhängigkeit von Infrastruktur.


Kurz-Info: Man kann Katastrophenmanagement sogar studieren und ist nach erfolgreichem Abschluss „Master of Disaster Management and Risk Governance“. Morgen (11.12.2015) feiert der Studiengang "Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement" (KaVoMa) der Uni Bonn übrigens 10-jähriges Bestehen! 


Die steigende Abhängigkeit von Infrastrukturen, etwa in den Bereichen Energie, Transport und Verkehr, Medien und Kultur, Staat und Verwaltung … macht angreifbar. Besonderer Wert wird von der Bundesregierung deswegen auf den Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) gelegt. Neben einem soliden Risiko- und Krisenmanagement gilt es hierbei seit Juli 2015 auch das IT-Sicherheitsgesetz zu beachten. Demnach müssen gerade in KRITIS gewisse Sicherheitsstandards umgesetzt und IT-Vorfälle gemeldet werden.


To do: Betriebliche Notfallorganisation

Die Bedrohungen sind also vielseitig. Eine möglichst alle individuellen Gefahren umfassende betriebliche Notfallorganisation ist Pflicht für Unternehmen jeder Größe. Denn: Wer gut auf den Notfall vorbereitet ist, kann möglicherweise Schlimmeres verhindern. Dazu sollte ein Schutzkonzept erstellt werden, das die Notfallorganisation (Erste Hilfe, Evakuierung, externe Hilfe einbinden, psychische Verarbeitung) genauso umfasst wie eine gute Sicherheitsorganisation für die Prävention von Zwischenfällen und Notfällen. Zur Letzteren zählen vorbeugende Brandschutzmaßnahmen und Maßnahmen zur IT-Sicherheit.

In diesen Schritten gelangen Sie zum Schutzkonzept:

  • Ist-Analyse in Ihrem Betrieb durch Begehungen, Messungen ...
  • Risikobeurteilung (Risiken identifizieren, analysieren, bewerten)
  • Festlegung von Schutzzielen (zu erreichendes Schutzniveau)
  • Auswahl der Maßnahmen
  • Regelmäßige Überprüfung, ob das Schutzkonzept noch greift

Wenn kein Schutzkonzept vorhanden ist, so sollte es in jedem Betrieb zumindest einen Notfallplan geben, der Brandschutz, Gestaltung der Flucht- und Rettungswege und die Organisation der Ersten Hilfe beinhaltet. Praktische Übungen von Katastrophenfällen helfen, dass Beschäftigte das richtige Verhalten im Notfall verinnerlichen. Natürlich muss nicht jeder Kleinstbetrieb Evakuierungsübungen durchführen. Unterweisungen in Sachen Notfallorganisation sind aber Pflicht. Jeder neue Mitarbeiter muss unterwiesen werden; die bestehende Belegschaft mindestens einmal jährlich.


Grundregeln für jeden Notfall

So unterschiedlich Betriebe und ihre Abläufe sind, so unterschiedlich sind auch mögliche Notfall-, Rettungs- und Erste-Hilfe-Szenarien. Handeln Sie gemäß den Notfallplänen und beachten Sie diese grundsätzlichen Regeln:

  • Ruhe bewahren, Überblick über die Situation verschaffen - vergessen Sie den Selbstschutz nicht und bringen Sie sich nicht in Gefahr.
  • Menschenleben sind das wichtigste: Das Retten von Personen hat oberste Priorität. Bringen Sie eventuell verletzte Personen aus der Gefahrenzone.
  • Rufen Sie Hilfe, alarmieren Sie Notarzt, Feuerwehr ...
  • Ergreifen Sie erste Maßnahmen: Sichern Sie die Gefahrenstelle ab. Bekämpfen Sie einen Entstehungsbrand, schließen Sie bei einem Brand Türen und Fenster. Ergreifen Sie bei Verletzten Personen Erste-Hilfe-Maßnahmen.
  • Verlassen Sie bei Alarm den Arbeitsplatz mit Bedacht und Ruhe; warnen Sie andere Personen und nehmen Sie sie mit. Verlassen Sie das Gebäude über Treppen (der Aufzug ist tabu!) und gehen Sie zum Sammelplatz.


Diese Informationen sind betriebsspezifisch bereitzuhalten:

  • Wo befinden sich der Notfallplan und die Notfallaushänge (Erste-Hilfe-Aushang, Brandschutzaushang, Alarmplan, Fluchtwegeplan)?
  • Wo sind Fluchtwege, Notausgänge, Sammelplätze, Feuerlöscher und Feuermelder?
  • Welche Alarmeinrichtungen gibt es? Wovor warnen sie?
  • Wer ist Ersthelfer? Wo ist das Erste-Hilfe-Material? Wer ist Brandschutzhelfer?
  • Wo befinden sich Notfalleinrichtungen wie Notduschen, Löschdecken, Defibrillatoren?
  • Wer hilft im Notfall und wie rufe ich diese Hilfe (Polizei, Notarzt, Feuerwehr)?

Eine Evakuierung sollte besonders in einem größeren Betrieb anhand eines Evakuierungsplans geregelt sein. Evakuierungshelfer, die speziell geschult sind, können ihre Kollegen im Ernstfall leiten.


Wer ist zuständig?

Die Notfallplanung im Betrieb ist Arbeitgeber-Pflicht. Die externe Hilfe ist bei Naturkatastrophen oder Terroranschlägen und bei regionalen Geschehnissen wie Bränden und Explosionen Sache der Länder. Während bei allgemeinen Krisen, etwa einem Hochwasser, Landkreise oder Gemeinden unterstützen, rückt beim Brand im Betrieb eine der 24.000 Freiwilligen Feuerwehren oder eine der 100 Berufsfeuerwehren aus.

Man spricht in Deutschland von einem integrierten Hilfeleistungssystem aus Bund (BBK bei kriegerischen Angriffen), Ländern, Kommunen, öffentlich-rechtlichen Einrichtungen (Feuerwehr und THW) und privaten Hilfsorganisationen, wie etwa ASB, DLRG, DRK ... Etwa 1,8 Millionen ehrenamtliche Notfallhelfer gibt es in Deutschland, die auch beim Notfall im Betrieb zur Stelle sind.

Organisieren Sie sich für den möglichen Notfall im Betrieb! Nur eine funktionierende Prozesskette bietet den größtmöglichen Schutz, wenn es am Arbeitsplatz tatsächlich zum Ernstfall kommen sollte.


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