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Sicher auf allen (Verkehrs-)Wegen

Von Wegeunfällen und innerbetrieblichem Verkehr

Die moderne Warenwirtschaft ist ohne Transport und Verkehr nicht vorstellbar. Nicht nur, dass Materialien oder Güter vom Hersteller zum Händler gebracht werden - und das auf allen möglichen Verkehrswegen (Straße, Schiene, Luft, See). Auch innerbetrieblich muss viel transportiert, gehoben und verschoben werden. Das Thema der Transport- und Verkehrssicherheit erstreckt sich damit auf Bereiche außerhalb der Unternehmen, also den Arbeits- oder Transportweg im Straßenverkehr und auf die Sicherheit auf Dienstreisen, aber auch auf den innerbetrieblichen Verkehr, zum Beispiel im Lager. Und überall gibt es zahlreiche Gefahren. Im Jahr 2014 gab es in Deutschland zwar weniger Arbeitsunfälle als 2013, dafür mehr tödliche Unglücke bei der Arbeit - davon viele im Verkehr, wie der Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" von der Bundesregierung verrät: 639 Menschen starben 2014 bei der Arbeit - das waren 33 mehr als ein Jahr zuvor. Den Anstieg haben Verkehrsunfälle mit zu verantworten: Allein im innerbetrieblichen Verkehr gab es 2014 mit 55 Toten 29 mehr als im Jahr 2013! Die Zahl der Wegeunfälle ging zwar um 6,1 % auf 176.400 zurück. Abe auch hier stieg die Anzahl der Getöteten, und zwar um 1,8 %.


Übrigens: 35.000 Menschen sterben im Durchschnitt europaweit jedes Jahr bei Verkehrsunfällen; 1, 9 Millionen werden verletzt.


Wer beruflich "on the road" ist, hat im Vergleich zu privaten Straßenverkehrsteilnehmern ein doppelt so hohes Unfall-Risiko - und die Folgen von Verkehrsunfällen sind oft horrend: In der Regel ist die Krankheitsdauer länger als bei Arbeitsunfällen, Straßenverkehrsunfälle sind meist teurer als Unfälle am Arbeitsplatz und die Reha-Kosten sind etwa viermal so hoch.

Dabei sind Gefahren ganz leicht zu identifizieren und zu verhindern!

Im Straßenverkehr sind besonders gefährlich:

  • zu hohe Geschwindigkeit
  • zu geringer Abstand zu anderen Fahrzeugen
  • Ablenkung: Das Schreiben einer SMS erhöht das Unfallrisiko um 23 %; beim Telefonieren steigt es „nur“ auf das Sechsfache. Wer den Blick bei Tempo 50 für fünf Sekunden von der Straße abwendet, legt einen „Blindflug“ von knapp 70 Metern hin. Dabei ist die Rechtslage nach StVO eindeutig: Ein Fahrzeugführer darf ein Mobiltelefon nicht benutzen, wenn er es aufnehmen oder halten muss.
  • Selbstüberschätzung
  • Müdigkeit: 20 % aller Verkehrsunfälle werden laut BG Verkehr (Magazin "Sicherheitsprofi" 7-2015) vermutlich durch Müdigkeit verursacht, bei den tödlichen sind es sogar 30%!
  • Wettereinflüsse: Unwetter, Aquaplaning, Eis und Schnee werden zur Gefahr. Bei Lkw sind weitere Sicherheitsvorkehrungen für winterliche Fahrten notwendig, zum Beispiel die Befreiung des Daches von Schnee und Eis.
  • Schlechte Sicht durch nicht gereinigte Scheiben oder falsch eingestellte/mangelnde Fahrzeugbeleuchtung: Allein beim Lichttest 2015 der Deutschen Verkehrswacht wiesen 36,3 % der getesteten Fahrzeuge Mängel auf.
  • Toter Winkel: Gerade Abbiegeunfälle mit Lkw enden oft dramatisch und sind deswegen immer wieder auf der Agenda von Sicherheitsverantwortlichen.
  • Schlechte Fahrerausbildung: Trainings und Schulungen können hier Wunder helfen. Unter bestimmten Umständen kann es dafür sogar eine finanzielle Förderung geben!
  • Zeitdruck: Die Diskussion um realistische Routenplanungen zum Beispiel bei Speditionen flammt immer wieder auf. Schlechte Arbeitsbedingungen und Stress erhöhen die Unfallanfälligkeit.
  • Gewalt durch Kunden, etwa bei Bus- oder Taxifahrern: 29% der Taxifahrer haben schon einen direkten körperlichen Angriff erlebt.
  • Besonderheit bei Abfallsammelfahrzeugen: Das Mitfahren auf dem Trittbrett, wenn sich das Fahrzeug rückwärts bewegt, ist zwar verboten – wird aber häufig trotz hohen Unfallrisikos angewendet.


Beim innerbetrieblichen Verkehr sind die größten Gefahren:

  • Kollisionen: Die Berufsgenossenschaften verzeichnen zum Beispiel durchschnittlich 10.000 Gabelstaplerunfälle pro Jahr – mit tödlichem Ausgang in circa 10 Fällen.
  • Be- und Entladen von Lkw: Gefährliche Situationen sind das Rangieren, Kuppeln und der Ladevorgang.
  • Sichern des Fahrzeugs durch Feststellbremsen und Unterlegkeile: 6 Tote gab es bei der BG Verkehr in 2013.
  • Reinigung und Instandhaltung: 9 tödliche Unglücke in 2013.
  • Ladungssicherung: 6 tödliche Unfälle beim Be- und Entladen in 2013.

Die Vision Zero, die Vorstellung einer Welt ohne jegliche Arbeits- und Straßenverkehrsunfälle, ist ein Ideal. Doch es gibt viele Maßnahmen, die die Verkehrssicherheit zumindest erhöhen. Dazu gehören:

  • Fahrerassistenzsysteme (FAS): Experten gehen davon aus, dass durch FAS etwa die Hälfte aller Unfälle verhindert werden könnte. Immer mehr FAS werden außerdem Pflicht. So müssen schwere Nutzfahrzeuge seit 01. November 2015 EU-weit mit Notbrems- und Spurassistent ausgestattet sein. Baumaschinen brauchen Kamera-Monitor-Systeme (KMS), um tote Winkel zu überbrücken. Außerdem gibt es Anti-Blockier-Systeme (ABS), das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), Abbiegeassistenten, Abstandsregelung (ACC) ... 
  • Verkehrssicherheitsarbeit und betriebliches Mobilitätsmanagement: Führungskräfte und Sicherheitsverantwortliche können Einfluss darauf nehmen, wie sicher die Mitarbeiter ankommen – innerhalb des Betriebs, aber auch auf dem Arbeitsweg. So kann ein gelungenes Mobilitätsmanagement etwa 20 % der Beschäftigten dazu bringen, das Verkehrsmittel für den Arbeitsweg zu wechseln – zum Beispiel vom gefährlichen, teuren Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Kommunikation ist hier der Schlüssel! Auch Umkleiden für Radfahrer, Regeln für betriebliche Fahrten (Tempolimit auf Autobahnen, Telefonverbot auch bei der Benutzung einer Freisprecheinrichtung, besondere Maßnahmen für Fernpendler, Jobticket …) und viele andere organisatorische Maßnahmen können das Verhalten der Beschäftigten beeinflussen und die Verkehrssicherheit erhöhen.
  • Gefährdungsbeurteilungen für Arbeitswege, Dienstwege und Betriebsfahrten mit GUROM. Seit 2013 steht das Online-Tool des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Verfügung.
  • PSA besonders bei Tätigkeiten außerhalb des Straßenverkehrs, etwa bei Reinigung oder Instandhaltung.
  • Kennzeichnung und Verkehrsregelung: Im innerbetrieblichen Verkehr sollten Verkehrswege gut und eindeutig gekennzeichnet werden.
  • Eine Verbesserung der Sicht des Fahrers durch gute Beleuchtung, erhöhte Sitze, Drehsitze oder Hilfsmittel wie Spiegel und Kamerasysteme hilft ebenso Unfälle zu vermeiden wie
  • spezielle Assistenzsysteme für Gabelstapler & Co., die Kollisionen verhindern.
  • Unterweisung: Eine regelmäßige, gut gemachte Unterweisung der Mitarbeiter sensibilisiert für das Thema Verkehrssicherheit.

Sichere Mobilität der Beschäftigten innerhalb und außerhalb des Betriebs sollte ein Unternehmensziel sein. Kommunikation und Engagement können die Unfallzahlen reduzieren und Sicherheit etablieren!

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