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Tipps für den ergonomischen Arbeitsplatz

Das können Sie für gesunde Arbeit tun!

Fast ein Viertel der Arbeitsunfähigkeits-Tage in Deutschland geht auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) – bei bestimmten Berufsgruppen, wie Maurern oder Straßenbauern, ist es sogar fast ein Drittel. Solche Beschwerden werden oft durch schlechte ergonomische Verhältnisse am Arbeitsplatz, zu wenig Bewegung, Zwangshaltungen oder schwere körperliche Arbeit ausgelöst. Während es vor wenigen Jahren überwiegend noch die harte körperliche Arbeit war, die Menschen krank machte, geht man mittlerweile davon aus, dass es zu 80% der Bewegungsmangel ist, der Rückenbeschwerden auslöst.


Ob im Büro oder auf dem Bau - MSE gibt's überall

Es ist also egal, ob sie im Büro oder auf dem Bau arbeiten – etwa 65% der Deutschen haben mindestens ein Mal im Jahr Rückenschmerzen, bei 12% sind sie sogar chronisch. Mal davon abgesehen, dass Rückenschmerzen einfach wehtun, verursachen sie auch Kosten. Schätzungen reichen deutschlandweit jedes Jahr bis hin zu 50 Milliarden Euro – aufgeteilt auf indirekte Kosten (Produktivitätsausfall, also Arbeitsunfähigkeitstage oder Rentenzahlungen) und direkte Kosten (beispielsweise Operationen). Fakt ist: Der Leidensdruck und der wirtschaftliche Schaden durch Rückenleiden und andere Erkrankungen des Bewegungsapparates sind enorm.


Gefährdungsbeurteilung ist ein Muss

Ob an einem Arbeitsplatz die Gefahr von Muskel-Skelett-Erkrankungen besteht und welche Gegenmaßnahmen sinnvoll sein könnten, ergibt eine Gefährdungsbeurteilung. Laut Lastenhandhabungsverordnung müssen zum Beispiel Arbeitsschutz-Maßnahmen ergriffen werden, wenn die Belastung der Beschäftigten durch das Heben, Tragen, Schieben oder andersartige händische Bewegen von Lasten zu hoch ist. Ab wann das der Fall ist, kann nach verschiedenen Leitmerkmalmethoden ermittelt werden. Für das Heben und Tragen gibt es zum Beispiel die „Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten" (LV 9). Dabei kommt es nicht nur auf das Gewicht der Last, sondern auch auf die Hebe- oder Tragezeit und die Körperhaltung an. Wenn nach der Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen ergriffen werden müssen, sind technische Vorkehrungen, wie zum Beispiel Hilfsmittel für den Transport oder Hebehilfen, organisatorischen und persönlichen vorzuziehen. 

Laut § 3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) müssen auch bei der Verwendung von Arbeitsmitteln ergonomische Aspekte betrachtet sowie alters- und alternsgerechte Ausführungen gewählt werden. Auch hier ist die Gefährdungsbeurteilung die Basis.

Aber nicht nur Heben, Tragen, Sitzen, Stehen oder die Arbeit mit nicht-ergonomischen Arbeitsmitteln wirken sich negativ auf den Körper aus. Auch andere Zwangshaltungen, wie etwa das Arbeiten im Knien und Hocken, oder Vibrationen müssen aus Sicht des Gesundheitsschutzes betrachtet werden. Bei Ersterem gilt zum Beispiel, dass bei einer Arbeit im Knien, die länger als eine halbe Stunde ununterbrochen andauert, eine Gefährdung vorliegt. Hier können das Tragen von Knieschutz, der Wechsel zwischen Tätigkeiten im Knien und Tätigkeiten in anderen Körperhaltungen oder der Einsatz von Hilfsmitteln wie etwa Teleskopstangen Wunder wirken. Um Vibrationen zu vermeiden, sollte schon bei der Anschaffung beispielsweise eines Gabelstaplers oder eines Busfahrersitzes die Ergonomie eine Rolle spielen.

Einfluss auf die ergonomische und damit menschengerechte Gestaltung der Arbeit haben auch der Lärmpegel, die Lichtverhältnisse sowie das Raumklima. Auch diese Aspekte gehören zum großen Bereich der Arbeitsplatzergonomie.


Home-Office muss Arbeitsplatzregeln erfüllen

Auch die Telearbeit ist hier keine Ausnahme: Wer im Home-Office tätig ist, fällt nicht aus den gesetzlichen Regelungen heraus, nur weil er keine Arbeitsstätte aufsucht. Nach der Bildschirmarbeitsverordnung muss die Einrichtung des Büros zu Hause ebenfalls gesetzlichen Vorschriften und berufsgenossenschaftlichen Regelungen folgen (Anm. d. Red.: Im Dezember 2016 ist die Bildschirmarbeitsverordnung in der Arbeitsstättenverordnung aufgegangen. Die Bildschirmarbeitsverordnung gilt seitdem nicht mehr. Die Regelungen zur Telearbeit finden sich in der ArbStättV). Arbeitsschutz und die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes sind also auch hier Arbeitgebersache. Ein Zutrittsrecht des Arbeitgebers oder beauftragter Personen sollte vereinbart werden.


Demografische Entwicklung erfordert noch mehr Ergonomie

Ein weiterer Aspekt, der Ergonomie an Arbeitsplätzen in den Fokus rückt: In fünf Jahren werden 41% der Beschäftigten über 50 Jahre alt sein. Die alters- und alternsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen soll dafür sorgen, dass auch ältere Beschäftigte gesund ihrer Tätigkeit nachgehen können.


Das können Beschäftigte tun

Ergonomie ist aber nicht nur Arbeitgebersache. Auch Beschäftigte können vorbeugen – und zwar mit diesen Mitteln:

Mehr Bewegung: Drei Viertel der Deutschen bewegen sich im Arbeitsalltag zu wenig. Jonas Nienaber, Sportwissenschaftler bei der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), empfiehlt mindestens 30 Minuten moderate Bewegung täglich. 10.000 Schritte am Tag sollten Sie auf jeden Fall tun. Gehen Sie also Treppen, statt den Aufzug zu benutzen; steigen Sie eine Busstation früher aus und laufen Sie den Rest; gehen Sie ins Büro des Kollegen, statt eine Mail zu schreiben; wählen Sie das Fahrrad oder den Fußweg, wann immer es geht.

Bessere Körperhaltung: Entspannen Sie sich aktiv, zum Beispiel durch Lockerungsübungen am Morgen, und vermeiden Sie Stress und dadurch entstehende Verkrampfungen. Achten Sie darauf, Ihre Körperhaltung regelmäßig zu ändern. Dass starres, gerades Sitzen ergonomisch von Vorteil ist, ist schon lange widerlegt.


Hier gibt's Unterstützung

Öffentliche Stellen bieten Information und Prävention. Ende 2015 ist die Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken"  zu Ende gegangen, die zwei Jahre lang wichtige Tipps und Infos rund um die Rückengesundheit gab, 170.000 Unternehmen zu rückengerechter Arbeit beriet, 3.500 Aktions- und Gesundheitstage untertsützte, mehr als 12.000 Seminare gab. Den Staffelstab übergab die Präventionskampagne an das Arbeitsprogramm Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) von der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA), das 2013 gestartet ist und bis 2018 läuft. Seit Herbst 2014 gibt es im Rahmen des GDA-Programms Betriebsbesichtigungen. Bis 2017 sollen ca. 16.000 Betriebe von den Aufsichtsdiensten besucht werden. Auf www.gdabewegt.de gibt es außerdem eine interessante Produktdatenbank, in der Flyer, Checklisten oder Broschüren rund um MSE zu finden sind

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bietet seit Neuestem einen "Strategietag Rücken". Mitgliedsbetriebe können sich in diesem eintägigen Workshop ein Bild darüber machen, wie es bei ihnen um die Rückengesundheit bestellt ist.

Viele Berufsgenossenschaften, wie die VBG oder die BG BAU, bieten außerdem Förderprämien für ergonomische Anschaffungen.

Ergonomie ist wichtig – für die meisten Tätigkeiten in allen Branchen. Werden Sie aktiv!

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