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Datenbrillen-Schutzhelm soll Arbeitssicherheit revolutionieren

Virtueller Rundgang durchs Stahlwerk auf der CeBIT möglich

Kann ich am Arbeitsplatz Datenbrille und Schutzhelm gleichzeitig tragen? Diese Frage erledigt sich mit der schutzhelmintegrierten Datenbrille, die Wissenschaftler der Fakultät Elektrotechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) auf der CeBIT 2016 (14. Bis 18. März in Hannover) zeigen. Gemeinsam mit der GESIS Gesellschaft für Informationssysteme mbH entwickelten sie den Prototyp der Datenbrille, die dazu beitragen soll, neue Technologien in die Stahlindustrie zu integrieren. Die Datenbrille soll die Arbeitssicherheit sogar verbessern – mithilfe neuartiger AR-Technologien für den Arbeitsalltag.

Und so funktioniert die Neuheit: In einen Standardschutzhelm wird eine Datenbrille integriert. Wenn sich der Arbeiter in einem Gefahrenbereich befindet oder direkt vor eine Gefahr gewarnt werden soll, wird in das Sichtfeld des Nutzers eine virtuelle Gefahrenwarnung eingeblendet. Diese kann der Arbeiter in jeder Position und Bewegung wahrnehmen. Die Schutzhelmdatenbrille beinhaltet einen Akku sowie eine Bluetooth-Schnittstelle und kann Daten von einem Smartphone oder durch entsprechende Sender in der Arbeitsumgebung empfangen.


Klassische Gefahrenwarnung nicht immer möglich

Zwar kann für viele Arbeitsumgebungen auf klassische Art und Weise vor Gefahren gewarnt werden (Signaltechnik wie Sirenen, Ampeln …) In einigen Arbeitsstätten, und dazu gehören Stahlwerke, funktioniert diese Art der Warnung aber oft nicht. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) wie Hitzeschutzkleidung und Gehörschutz schützen den Arbeiter vor Hitze, Lärm oder Staub, die klassische Gefahrenwarnung kann er dadurch aber meist nicht wahrnehmen. Zusätzlich schränken der Schutzhelm und die Schutzbrille die Sicht auf die Gefahren selbst oder auf Gefahrenhinweise ein.


Klassische Vorteile von Datenschutzbrillen sind auch dabei

Natürlich bietet die Datenbrille auch die klassischen Vorteile eines solchen "head-mounted displays": Listen, Anweisungen, Anlagenaufbau oder Stellen, an denen eine Störung auftritt, können eingeblendet werden. Auch Audio- und Video-Mitarbeiterchat und Remote Support sind möglich. Reparatur, Instandhaltung und Bedienung sollen so einfacher, schneller und sicherer werden.

Laut der Wissenschaftler ist die Datenbrille mit ihren Eigenschaften hinsichtlich Betriebsdauer (8 Stunden), großem Sichtfeld und Robustheit auf die Bedürfnisse für den Einsatz in der Industrie zugeschnitten.

Einsatz flexibel bei allen Nutzergruppen möglich

Erst vor Kurzem wies die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) darauf hin, wie wichtig die Ergonomie beim Einsatz von Datenbrillen ist. Die Zwickauer Forscher gewährleisten das durch Flexibilität dank eines Moduls mit Schwanenhals, über den die individuell passende Position des Optikmoduls eingestellt werden kann, sodass sogar Lese- und Schutzbrillen darunter getragen werden können. Abhängig vom Nutzer wird außerdem die Umgebung entweder mit dem rechten oder linken Auge mehr wahrgenommen. Dieser Augendominanz trägt die Schutzhelm-Datenbrille Rechnung, indem die virtuellen Informationen immer am dominanten Auge angezeigt werden. Das Modul mit Schwanenhals kann nämlich rechts oder links am Schutzhelm angebracht werden.


Schutzhelm-Datenbrille auf der CeBIT - neuer Masterstudiengang an der WHZ

Am CeBIT-Messestand können Besucher mithilfe der Schutzhelm-Datenbrille einen virtuellen Gang durch ein Stahlwerk machen. Als „neue“ Mitarbeiter müssen sie möglichen Gefahren aus dem Weg gehen.

Der neue Masterstudiengang an der WHZ „Elektrische und Elektronische Systeme“ spezialisiert sich u.a. auf die Anwendung von Datenbrillen. „Aufgrund unserer Forschungsaktivitäten und Auftragsforschungen für die Industrie zum Thema Datenbrille konnten wir uns in diesem neuen und zukunftsträchtigen Fachgebiet entsprechendes Know-how erarbeiten, das wir jetzt in der praxisorientierten Studentenausbildung einsetzen können“, so Prof. Rigo Herold, Professor für Digitale Systeme an der Fakultät Elektrotechnik der WHZ. Die hier ausgebildeten Fachkräfte werden zukünftig benötigt, um in der Industrie Datenbrillenanwendungen umzusetzen und im Zuge von „Industrie 4.0“ die Wirtschaftsfähigkeit Deutschlands durch den Einsatz der Datenbrillentechnologie weiter auszubauen.

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