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Pflege-Ausbildung unter schlechten Arbeitsbedingungen

"Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015" von ver.di

Dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege nicht gerade die besten sind, ist kein Geheimnis. Viel Pflege in wenig Zeit, Überstunden und eine schlechte Bezahlung prägen das Berufsbild. Der „Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015“ von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zeigt: Schon die Auszubildenden in der Pflege leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen. Überstunden, kurzfristige und ungeplante Versetzungen, Zeitmangel der Praxisanleiter und Zeitdruck bei der Arbeit - das sind die negativen Voraussetzungen, mit denen der dringend benötigte Pflegenachwuchs ins Berufsleben startet. Bundesweit wurden für den Ausbildungsreport von ver.di knapp 3.500 Auszubildende in den Pflegeberufen befragt.

Ein Drittel der befragten Auszubildenden in der Krankenpflege leistet regelmäßig Überstunden. 17% bekommen dafür weder Geld noch Freizeit zum Ausgleich. Jeder achte Minderjährige arbeitet nach eigenen Angaben mehr als 40 Stunden pro Woche – nach Jugendarbeitsschutzgesetz ist das verboten. Zwei Drittel der Pflegekräfte in Krankenhäusern und rund 42% in der Altenpflege leiden unter kurzfristigen und ungeplanten Versetzungen, mit denen Personalmangel kompensiert werden soll.


Schlechte Praxis bei der Praxisanleitung

Die Praxisanleitung, die die Ausbildung begleiten soll, bekommt das Prädikat „völlig ungenügend“. Dabei soll diese zur eigenständigen Pflegearbeit befähigen. 60% der Auszubildenden beklagen Zeitmangel der Praxisanleiter, mehr als vier Fünftel der Auszubildenden finden, dass es nicht ausreichend viele Praxisanleiter gibt. 64% der befragten Azubis gaben an, dass sie unter Zeitdruck leiden. 37% arbeiten oft ohne Pausen, obwohl diese gesetzlich vorgeschrieben sind.


Arbeitsbedingungen verbessern - Fachkräfte finden und halten

Was für eine Verschwendung von Fachkräfte-Potenzial! ver.di attestiert den Auszubildenden nämlich zum Ausbildungsstart hohes Engagement, um Menschen in schweren Situationen professionell beistehen zu können. Dies bestätigt auch eine Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik (IAT), die herausfand, dass Pflegekräfte vor allem wegen Desillusionierung in Frührente gehen: Wer den Anspruch habe, Menschen wirklich zu helfen, leide extrem darunter, dass das unter den gegebenen Arbeitsbedingungen meistens überhaupt nicht möglich sei. Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, bestätigt: „In der Ausbildung erfolgt die harte Landung. Schon die Auszubildenden leiden unter der allgemeinen Personalnot. Bei hohem Zeitdruck und extremer Arbeitsverdichtung bleibt eine gute Ausbildung auf der Strecke. Wer will, dass die jungen Menschen mit Freude in ihrem Beruf bleiben, muss unverzüglich handeln. Um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken, müssen die berechtigten Ansprüche der Auszubildenden erfüllt werden.“ ver.di fordert eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestpersonalausstattung. Bei der anstehenden Reform der Pflegeausbildung müsse zusätzlich die Qualität der praktischen Ausbildung in den Blick genommen werden.


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