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Lärm am Arbeitsplatz - wie viel ist zu viel?

Gefahren erkennen - Lärmschutz umsetzen

Was für ein Radau! 13 Millionen Deutsche sind Tag und Nacht gesundheitsschädlichem Lärm ausgesetzt. Neben Lärm in der Freizeit durch Musik, Flugverkehr, Straßenverkehr und anderes Umgebungsgeschehen ist es der Lärmpegel am Arbeitsplatz, der krank macht. Die Beeinträchtigungen reichen von der Konzentrationsstörung über Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem bis hin zu Hörverlust. Lärm steigert außerdem das Unfallrisiko, weil Beschäftigte Warnsignale oder Gefahren einfach nicht hören.

5 Millionen Beschäftigte sind in ihrem Job Lärm ausgesetzt. In der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) ist der Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) als oberer Auslösewert angegeben. Ist dieser vorhanden, müssen bestimmte Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Richtig weh tut es ab 120 dB(A), hier liegt die sogenannte "Schmerzgrenze". 


Geschichts-Fakten zur Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit: Die Lärmschwerhörigkeit taucht als "durch Lärm verursachte Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit in Betrieben der Metallbearbeitung und Verarbeitung" bereits in der 2. Berufskrankheitenverordnung 1929 auf.  Damals bezog sich die Anerkennung nur auf hochgradige Hörstörungen bei Beschäftigten in bestimmten Branchen. Die heutige BK 2301 "Lärmschwerhörigkeit" gibt es in dieser Form seit 1976.


Lärm wirkt auch leise

Auch im Büro sollte genauestens auf den Lärmpegel geachtet werden. So skurril es klingt: Lärm wirkt nämlich schon im Leisen. Für den Geräuschpegel im Büro gibt es zwar keine Grenzwerte, die Arbeitsstättenverordnung besagt aber, dass der Schalldruckpegel in Arbeitsstätten so niedrig zu halten ist, "wie es nach der Art des Betriebes möglich ist."

Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaften und die VDI-Richtlinie 2058 plädieren für einen Maximalwert von 55 dB(A) bei geistigen Tätigkeiten. Diesen finden die Experten von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sogar noch zu hoch. Optimal seien an einem Bildschirmarbeitsplatz 30 dB(A) – das gleicht dem Schalldruckpegel von Flüstern, während ein normales Gespräch mit 60 dB(A) zu Buche schlägt und ein fahrender Pkw mit 70 dB(A).


Übrigens: Wussten Sie, dass manche Chemikalien „ototoxisch“ (giftig für die Ohren) sind? Sind Arbeitnehmer gleichzeitig Lärm und diesen Chemikalien ausgesetzt, scheint die Gefahr von Hörschäden größer zu sein als bei Menschen, die nur einem der Faktoren ausgesetzt sind. 


Das Schlimmste, was Sie tun können, ist ein Lärm-Problem zu ignorieren. Sie müssen also feststellen, ob Ihre Mitarbeiter einem Lärmpegel ausgesetzt sind, der Schutzmaßnahmen erfordert. Oder ob Sie Lärm freiwillig reduzieren wollen, um Ihren Mitarbeitern ein besseres Arbeitsumfeld zu bieten. Um die Exposition festzustellen, gibt es Angaben auf Maschinen oder Datenbanken mit allgemein gültigen Werten. Die Schweizerische Unfallversicherung Suva bietet zum Beispiel Schallpegeltabellen für bestimmte Bereiche in der Bauindustrie, der Metallindustrie oder der Holz- und Forstindustrie an. Eine Messung müssen Sie durchführen,  "wenn sich nicht zweifelsfrei ermitteln lässt, dass die in der Verordnung (LärmVibrationsArbSchV – Anm. d. Red.) genannten Auslösewerte eingehalten sind."


Lärmschutzmaßnahmen gibt's für alle Arbeitsplätze

Haben Sie solche Überschreitungen festgestellt oder möchten Sie Ihre Bürobeschäftigten vor zu vielen akustischen Eindrücken schützen, gibt es folgende Möglichkeiten:

Organisatorische Maßnahmen:

  • Richten Sie Ruheräume oder separate Räume für laute Tätigkeiten ein.
  • Auch laute Geräte wie Drucker und Scanner sind in separaten Räumen gut aufgehoben.
  • Organisieren Sie den Tagesablauf um Lärmspitzen herum, Lassen Sie laute Tätigkeiten zum Beispiel in wenig belegten Schichten ausführen; lassen Sie laute Maschinen kürzer laufen.
  • Noch besser sind alternative, leisere Arbeitsverfahren.
  • Tätigkeitswechsel, also der Wechsel zwischen lärmintensiven und leiseren Tätigkeiten, schont das Gehör.
  • Sorgen Sie für Lärmpausen. Nur wenn wirklich mal Ruhe ist, kann sich das Gehör erholen.
  • Organisieren Sie Arbeitsmedizinische Vorsorge nach der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV).

Technische Schutzmaßnahmen nach TRLV Lärm – Teil 3  Lärmschutzmaßnahmen:

  • Wählen Sie möglichst lärmarme Arbeitsmittel und Maschinen sowie lärmarme Arbeitsverfahren.
  • Verwenden Sie Schalldämpfer, Abschirmungen und Kapselungen für Maschinen.
  • Warten und prüfen Sie Maschinen regelmäßig. Nur so fallen Ihnen entstehende Lärmquellen auf.
  • Raumakustische Maßnahmen helfen sowohl in Büros als auch in Hallen oder Lagern: Beispiele sind die schalldämmende Ausstattung von Decken und Wänden oder Fußböden mit schallabsorbierenden Materialien oder lärmmindernde Stellwände und Trennwände. Auch Möbel und Pflanzen fangen Krach ab.

Persönlicher Lärmschutz, also Gehörschutz-PSA für Beschäftigte, sollte das letzte Mittel der Wahl sein.


Übrigens: Besonders schwangere Frauen sollten vor Lärm am Arbeitsplatz geschützt werden. Lärm kann sich negativ auf das  spätere Hörvermögen des noch Ungeborenen auswirken. 

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