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Anlagensicherheits-Report 2015: Jeder 5. Betreiber ignoriert Aufzugprüfpflicht

Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen nach BetrSichV

Etwa 20% aller Aufzugsanlagen in Deutschland wurden trotz seit Juni 2015 gültiger gesetzlicher Prüfpflicht nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) noch nicht zu einer Prüfung angemeldet – das zeigt der "Anlagensicherheits-Report 2015" vom Verband der TÜV e.V. (VdTÜV). Generell sei das Sicherheitsniveau technischer Anlagen in Deutschland aber hoch.

Geprüft werden müssen technische Anlagen durch sogenannte zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS). Überwachungsbedürftig im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sind Aufzugsanlagen, Druckanlagen und Anlagen, von denen Explosionsgefahr ausgeht oder die sich in explosionsgefährdeten Bereichen befinden (Ex-elh-Anlagen).

Die technische Sicherheit ist in Deutschland durch ein System der technischen Überwachung wie folgt geregelt: Der Betreiber einer Anlage trägt die Verantwortung für die Sicherheit und muss regelmäßig eine unabhängige ZÜS mit der technischen Prüfung beauftragen. Die dafür notwendigen Regeln werden vom Staat erlassen, der auch die Aufsicht über die Überwachungsstellen ausübt.


Alltagsrisiko Aufzug?

Aufzüge werden täglich von Millionen Menschen genutzt und sind deswegen unter Sicherheitsaspekten besonders sensibel zu betrachten. Im Jahr 2015 fanden die technischen Prüfer nur an 38,6 % der Anlagen keine Mängel; fast die Hälfte der geprüften Aufzüge (47,72 %) wiesen geringfügige Mängel auf. Sicherheitsbedenken hatten die Experten bei 13,04 % der geprüften Aufzuganlagen. Das klingt erst mal wenig, sind aber dennoch 70.000 bedenkliche Aufzüge. Außerdem meldete jeder 5. Betreiber seinen Aufzug gar nicht zur gesetzlich vorgeschriebenen Prüfung an – über den Zustand dieser Aufzüge ist also nichts bekannt.


Übrigens: Ab 01. Juni 2016 muss für jeden Aufzug ein Notfallplan vorhanden sein. Ab 2021 ist ein Zwei-Wege-Kommunikationssystem Pflicht.


Trotz der sicherheitskritischen Exemplare sieht der VdTÜV einen positiven Trend in Sachen Aufzugprüfung: 530.000 Prüfungen gab es 2015 – 30.000 mehr als noch 2014. "Durch die Betriebssicherheitsverordnung wurde ab Juni 2015 eine verpflichtende Prüfplakette an den Anlagen eingeführt", erklärt Dr. Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV.


Prüf-Experten attestieren hohes Sicherheitsniveau bei Druckanlagen

Verheerende Dampfkesselexplosionen waren mit ein Grund für die Gründung des ersten TÜV vor 150 Jahren – und auch heute noch haben Druckanlagen ein sehr hohes Gefahrenpotential. Die Prüfexperten versichern aber, dass Deutschland hier ein sehr hohes Sicherheitsniveau habe. Bei Prüfungen waren 21 % aller Druckbehälter und Dampfkesselanlagen mit Mängeln, die aber überwiegend als geringfügig eingestuft wurden. "Dadurch wurden bereits frühzeitig Defizite erkannt, bevor sie sich zu gefährlichen Mängeln entwickeln konnten", so Dr. Brüggemann. 342.779 Druckanlagen wurden geprüft – davon waren 78,9 % mängelfrei, 16,9 % wiesen leichte und 4,1 % erhebliche Mängel auf. Von den 19.578 geprüften Dampfkesseln waren 76 % mängelfrei, an 19,6 % stellten die Prüfer leichte und an 4,3 % erhebliche Mängel fest.

Anlagen, von denen Explosionsgefahr ausgeht oder die sich in explosionsgefährdeten Bereichen befinden (Ex-elh-Anlagen), z.B. Lager oder Abfüllanlagen für entzündliche Stoffe, müssen vor der Inbetriebnahme geprüft und dann regelmäßig von einer ZÜS überwacht werden. Hier waren 80,3 % aller 15.450 geprüften Lageranlagen (z.B. für Treibstoffe) mängelfrei, 12,6 % hatten leichte und 7,1 % erhebliche Mängel. Ähnlich sieht das Ergebnis bei den 5.254 geprüften Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen aus: 62,5 % waren mängelfrei, 31 % hatten geringfügige und 6,4 % erhebliche Mängel. "Unglücke wie kürzlich in Mexiko oder in Bouncefield im Jahr 2005 haben gezeigt, welche enorme Gefahr von Ex-elh-Anlagen ausgeht", erläutert Dr. Brüggemann.


Herausforderungen: Datensicherheit und Cybersecurity

Brüggemann sieht in der digitalen Vernetzung der Industrie eine große Herausforderung für die Anlagensicherheit: Sicherheits- und Prüfkonzepte müssten den neuen Gegebenheiten von Industrie 4.0 ständig angepasst werden. "Computergesteuerte Maschinen und Anlagen sind seit Langem Stand der Technik in Deutschland. Neu sind aber die globale Verfügbarkeit großer Datenmengen, die zunehmende Vernetzung und die neuen Möglichkeiten des Fernzugriffs auf Anlagen und Maschinen, aber auch auf Produkte des täglichen Gebrauchs", erklärt Dr. Brüggemann. Neben den klassischen Sicherheitsthemen, die sich aus Auslegung und Wartung ergeben, werden künftig auch Themen wie Datensicherheit und Cybersecurity bei der Prüfung technischer Anlagen eine wichtige Rolle spielen.


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