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Krebserzeugende Arbeitsstoffe: EU-Kommission schlägt 13 neue Grenzwerte vor

'Richtlinie über Karzinogene und Mutagene' muss geändert werden

Mit 53 % ist Krebs die häufigste arbeitsbedingte Todesursache in der Europäischen Union (EU) – das sind 100.000 Menschen, die jedes Jahr an einer Krebserkrankung sterben, die durch ihre Arbeit entstanden ist. Zum Vergleich: 28 % der Toten durch arbeitsbedingte Krankheiten gehen auf Kosten der Kreislauferkrankungen, 6 % auf Atemwegserkrankungen. Diesem größten Gesundheitsrisiko für Arbeitnehmer - den karzinogenen chemischen Stoffen - will die Europäische Kommission nun mit 13 neuen oder geänderten EU-weit gültigen Grenzwerten den Kampf ansagen. Dafür muss die Richtlinie über Karzinogene und Mutagene (2004/37/EG), die sogenannte KM-Richtlinie, geändert werden, die Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung der Exposition gegenüber krebserzeugenden Arbeitsstoffen beschreibt. Die Grenzwerte sollen darin aufgenommen beziehungsweise angepasst werden, so der Vorschlag der EU-Kommission. Jetzt müssen das Europaparlament und die EU-Staaten zustimmen.


Übrigens: Bisher gibt es nur 5 EU-weit geltende Arbeitsplatz-Richtgrenzwerte (OEL). Das European Trade Union Institute for Research (ETUI) plädiert für OELs für 71 karzinogene Substanzen.


"Krebserkrankungen haben erhebliche Auswirkungen auf Arbeitnehmer, ihre Familien sowie Industrie und Gesellschaft. Mit diesem Vorschlag werden wir in den kommenden 50 Jahren 100.000 Menschenleben retten", erklärte Marianne Thyssen, EU-Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität.


EU-weit gültige Grenzwerte - besonders für die Baubranche wichtig

Die Grenzwerte zeigen die Höchstkonzentration an, in der ein chemisches Karzinogen in der Luft am Arbeitsplatz vorhanden sein darf. Wissenschaftliche Erkenntnisse und intensive Gespräche mit Wissenschaftlern, Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Vertretern der Mitgliedstaaten und Arbeitsaufsichtsbeamten seien die Basis, auf der die Werte festgelegt wurden. Es wurden insgesamt 20 chemische Stoffe betrachtet.

Ein Beispiel ist Quarzfeinstaub, der als "verfahrensbedingter Stoff" in die RL aufgenommen werden soll. Er entsteht bei Arbeitsverfahren wie Bergbau, Brucharbeiten, Tunnelbohrungen, Schneiden, Zerkleinern oder Mahlen von siliciumdioxidhaltigen Materialien wie Beton, Ziegeln oder Gestein. Quarzfeinstaub zählt zu einer der Hauptursachen für die Lungenkrankheit "Silikose" und arbeitsbedingten Lungenkrebs. 70 % der Beschäftigten, die Quarzfeinstaub ausgesetzt sind, arbeiten in der Baubranche. Bei Quarzfeinstaub und anderen Karzinogenen wie Chrom(VI)-Verbindungen, Hartholzstäuben oder Hydrazin ist es die Vielzahl der Beschäftigten, die ihnen ausgesetzt sind, weswegen die EU-Kommission Grenzwerte als dringend notwendig ansieht. Bei anderen vorgeschlagenen Stoffen scheint die Anzahl der Betroffenen zwar geringer zu sein, sie stehen aber auf der Prioritätenliste für Grenzwerte trotzdem ganz weit oben, weil es im Vergleich zur Zahl der exponierten Arbeitnehmer eine große Anzahl von Krebserkrankungen gibt.

Die Einführung solcher Grenzwerte soll nicht nur die Anzahl arbeitsbedingter Krebserkrankungen reduzieren, sondern auch gleiche Ausgangsbedingungen für alle Akteure und gemeinsame, transparente Ziele für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Durchsetzungsbehörden schaffen. Bis Ende 2016 soll es für die übrigen chemischen Arbeitsstoffe einen Vorschlag geben.

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