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Gefährdungen für Hand und Haut

Hier verstecken sich die Risiken!

Haut und Hände gilt es bei der Arbeit besonders gut zu schützen – schließlich ist die Haut das größte Organ des Menschen und die Hände sind ein sensibles und wichtiges „Werkzeug“. Neben belastungsunabhängigen Problemen mit Hand und Haut, wie rheumatischen Erkrankungen, gibt es belastungsabhängige Erkrankungen, also die, die durch Einflüsse – oft durch Einflüsse, die bei der Arbeit eintreten – entstehen können.

Neben dem klassischen Arbeitsunfall mit Verletzungen an der Hand stellen äußere Einwirkungen durch Stoffe, Zwangshaltungen und Hand-Arm-Vibrationen (HAV) weitere Gefahren für Hände und Haut dar.


Arbeitsunfälle betreffen zu 40 % die Hände

Hätten Sie das gedacht? In 40% aller Arbeitsunfälle sind die Hände betroffen! Unfallursache sind meist Stiche, Schnitte oder Quetschungen durch die Benutzung von Handwerkzeugen wie Schlagbohrer, Schlaghämmer, Schleifer, Messer ... Beschäftigte in den Branchen Holz und Metall, im Baugewerbe, in der Fleischwirtschaft, in der Forstwirtschaft oder in Gaststätten und Hotels sind hier besonders gefährdet.

Zu den „Klassikerunfällen" in Gesundheitsberufen, aber auch in Abfallbehandlungsanlagen, gehört die Nadelstichverletzung. Wer sich an einer Spritze oder Kanüle sticht, ist einer Infektionsgefahr ausgesetzt. Auch Tierbisse treffen oft die Hände, die Infektionsgefahr ist dabei besonders groß.

Prävention gelingt dank ergonomischer und damit gut zu verwendender Arbeitsmittel, sicherer und geprüfter Maschinen, durch die richtigen Schutzhandschuhe, aber auch durch Unterweisung und Bewusstseinsschärfung der Mitarbeiter.


Stoffe schädigen Haut und Hände

Als gefährlichster Stoff von außen zeigen sich für Haut und Hände nicht Chemikalien oder andere hautreizende Stoffe, sondern Feuchtigkeit. Zu viel Wasser zerstört die Schutzschicht der Haut und macht den Weg für Erreger jeglicher Art frei. Bei Gebäudereinigern schlagen mit 97 % der beruflich bedingten Erkrankungen die Hautkrankheiten zu Buche, meist ausgelöst durch Feuchtigkeit. Bei Feuchtarbeit von mehr als vier Stunden am Tag sind Arbeitsschutz-Maßnahmen und arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge angesagt. Bei zwei Stunden Feuchtarbeit muss der Arbeitgeber die Vorsorgeuntersuchung zumindest anbieten. Laut der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) sollten Sie Ihre Hände außerdem nicht öfter als vier Mal in der Stunde waschen. Die BG plädiert deswegen für weniger Händewaschen und mehr Desinfektion.


Übrigens: Zur Feuchtarbeit zählt auch das Tragen feuchtigkeitsdichter Handschuhe! Schutzhandschuhe sollten deswegen laut BGN nur zum Arbeitsschutz, nicht aber zum Produktschutz getragen werden. In vielen Bäckereien sind die Einmalplastikhandschuhe an der Verkaufstheke, die eine Zeitlang zum Alltagsbild gehörten, bereits wieder verschwunden, denn lebensmittelrechtliche Vorschriften, dass hier Schutzhandschuhe getragen werden müssen, gibt es nicht. Die Nachteile und Gefährdungen der Beschäftigten sind laut BGN größer als der hygienische Nutzen.


Stoffe, die auf die Haut einwirken, können außerdem Allergien auslösen. Etwa ein Drittel aller Allergien entsteht erst durch den Beruf. Eins der neueren besonders heiklen Beispiele sind Epoxidharze, die mittlerweile wegen ihrer Eigenschaften als Standardwerkstoff gelten. Es handelt sich bei Epoxidharzen jedoch um hochreaktive Chemikalien, die Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzmaßnahmen erfordern.

Neben Beschäftigten im Baugewerbe haben auch Frisöre, Floristen oder Kosmetiker oft Probleme mit allergischen Reaktionen der Haut. Der regelmäßige Umgang mit allergieauslösenden Stoffen in Haarfärbemitteln, Baustoffen oder Putzmitteln erfordert konsequenten Hand- und Hautschutz.


Zwanghaft und monoton? Die Haltung macht‘s!

Montone, immer wiederkehrende Hand- und Armbewegungen können die Hände ebenfalls schädigen. Die bekannteste Krankheit, die sogar bei der Arbeit am Computer entstehen kann, dürfte wohl das Karpaltunnel-Syndrom sein, das seit Anfang 2015 als Berufskrankheit 2113 „Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnel-Syndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen“ anerkannt werden kann.

Doch auch Sehnenscheidenentzündungen, das Hypothenar-Hammer-Syndrom (tritt gehäuft im Handwerk auf, wenn die Hand als "Hammer" eingesetzt wird), Schnappfinger bei wiederholter Überbelastung bei körperlichen Tätigkeiten oder das Raynaud-Phänomen sind Erkrankungen, die in beruflichen Tätigkeiten ihre Ursachen haben können. Ob Durchblutungsstörungen, Verschleißerkrankungen oder Folgen von Überlastung und Überbeanspruchung – sind die Hände eingeschränkt, werden schnell einfachste Handgriffe zur Qual und die Ausübung des Berufs unmöglich.


Vibration, Schwingung, Erschütterung – HAV sind eine Gesundheitsgefahr!

Wer kennt nicht das Gefühl, wenn die Hände über eine lange Zeit Vibrationen ausgesetzt waren, ob nach einer langen Autofahrt, Arbeiten mit Hammer, Bohrmaschine, Flex oder nach der Arbeit mit einer Hand-Poliermaschine? Nun stellen Sie sich vor, diese Erschütterungen müssten Ihre Hände täglich aushalten, unter Umständen mehrere Stunden … Laut Schätzungen sind ein bis zwei Millionen Menschen in Deutschland an ihrem Arbeitsplatz regelmäßig solchen Vibrationen ausgesetzt. Schädigungen sind bei dieser Belastung vorprogrammiert. Zwar schätzen Experten, dass die Latenzzeit, bis es zu einer Erkrankung durch Hand-Arm-Vibrationen (HAV) kommt, mehrere Jahre beträgt, die Folgen für die Beschäftigten sind dafür gravierend: Was mit Kribbeln, Taubheitsgefühl und Kraftverlust beginnt, kann schnell dazu führen, dass „gar nichts mehr geht“. „Wer Schmerzen hat und Veränderungen an Armen und Händen beobachtet, sollte, sofern vorhanden, zum Betriebsarzt oder zur Sicherheitsfachkraft im Betrieb gehen und die Symptome schildern“, rät die IG Metall.

In einer Gefährdungsbeurteilung muss festgestellt werden, ob Expositionswerte überschritten werden. Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung gibt Auslösewerte und Expositionsgrenzwerte vor. Die Technischen Regeln Lärm und Vibration (TRLV) konkretisieren die Schutzmaßnahmen aus der LärmVibrationsArbSchV. Als Hilfe für die Einstufung von Tätigkeiten gibt es den Katalog repräsentativer Lärm- und Vibrationsdaten am Arbeitsplatz (KarLA), ein Informationssystem für Lärm- und Vibrationskennwerte von Kfz, selbst fahrenden mobilen Arbeitsmaschinen und handgeführten Arbeitsmitteln. Das Landesamt für Arbeitsschutz Brandenburg stellt kostenlose Belastungsrechner sowohl für HAV als auch für Ganzkörper-Vibrationen (GKV) zur Verfügung.

Anerkannte Berufskrankheiten, die durch Vibrationen ausgelöst werden, sind die BK 2103 „Erkrankungen durch Erschütterung bei Arbeit mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen“ oder die BK 2104 „Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können“.

Technischer und organisatorischer Arbeitsschutz, also zum Beispiel die regelmäßige Wartung von Maschinen und Jobrotation, sind persönlicher Schutzausrüstung (PSA) vorzuziehen. Sogenannte „Vibrationsschutzhandschuhe“ sind laut Expertenmeinungen kein ausreichender Arbeitsschutz und sollten nur als Zusatzschutz angesehen werden.

Prävention durch Verringerung der Exposition ist in allen Fällen das erste Mittel der Wahl!

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