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Mangelnder Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz in Klein- und Kleinstunternehmen

Erste Zahlen aus EU-OSHA-Projekt SESAME liegen jetzt vor

Europäische Klein- und Kleinstunternehmen (KKU) sind in Sachen Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz schlecht aufgestellt. In KKU besteht ein höheres Risiko für Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme als in größeren Betrieben. Das zeigen erste Ergebnisse eines Projekts von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). In dem dreijährigen SESAME-Projekt (Safe Small and Micro Enterprises), das 2014 gestartet ist, sollen Zahlen zum Ist-Zustand in der EU ermittelt werden; es sollen gute praktische Lösungen entwickelt werden, um Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz in KKU zu verbessern, und es soll Input für weitere Forschungsbedarfe gegeben werden.

Die ersten Zahlen liegen nun in dem Bericht "Contexts and arrangements for occupational safety and health in micro and small enterprises in the EU – SESAME project" vor, und sie sprechen eine deutliche Sprache: 30 % der KKU führen keine regelmäßigen Gefährdungsbeurteilungen (GBU) durch – in Betrieben mit mindestens 250 Mitarbeitern liegt dieser Anteil nur bei 3 %. Mehr als 80 % der KKU, die keine GBU durchführen, sind der Meinung, dass „die Risiken und Gefahren bereits bekannt sind“ oder „dass es keine größeren Probleme gibt“.

Dabei sind KKU das Rückgrat der europäischen Wirtschaft und ein besserer Arbeits- und Gesundheitsschutz wäre wichtig. Nahezu 99 % der europäischen Unternehmen sind KKU. Sie beschäftigen fast die Hälfte der europäischen Arbeitskräfte, dennoch hat ein bedeutender Teil dieser Unternehmen keine angemessenen Vorkehrungen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit getroffen, sodass die Beschäftigten oft kaum geschützt sind.


4 Faktoren hindern KKU an Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz

Die Zahl der tödlichen Unfälle ist in Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten am höchsten, zumindest belegen das Eurostat-Zahlen für die Jahre 2008 bis 2012. Und laut EU-OSHA-Bericht gibt es zahlreiche weitere Belege dafür, dass KKU im Hinblick auf Arbeitsbedingungen und arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme schlecht abschneiden.

Folgende Faktoren scheinen KKU daran zu hindern, betriebliches Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement besser umzusetzen:

  • Durch ihre schlechte wirtschaftliche Lage können KKU nicht so viel Geld in Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz investieren.
  • Arbeitgeber wissen zu wenig über Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz und über die gesetzlichen Regelungen, die sie eigentlich erfüllen müssen
  • In KKU gibt es zu wenig Kapazitäten, um Arbeits- und Gesundheitsschutz systematisch umzusetzen
  • Niedrige Priorität von Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz im alltäglichen Business; wirtschaftliches Überleben ist wichtiger

Die EU-OSHA attestiert in ihrem Bericht außerdem "erhebliche Wissenslücken im Hinblick auf die Wirksamkeit der Strategien und Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes in KKU".  

Dabei gibt es einige Tools und Instrumente, die KKU bei der Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes helfen können. Laut der EU-OSHA stehen auf EU-Ebene 99 Instrumente für 16 Länder zur Verfügung. Eins davon ist das von ihr entwickelte kostenlose Tool für die interaktive Online-Gefährdungsbeurteilung (Online Interactive Risk Assessment, OiRA), das speziell auf KKU zugeschnitten ist. Eine benutzerfreundliche Schritt-für-Schritt-Anleitung führt zur Gefährdungsbeurteilung. Auch im Rahmen der Präventionskampagnen "Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen" und "Gesunde Arbeitsplätze – für jedes Alter" gebe es viele KKU-spezifische Informationen und Empfehlungen für das betriebliche Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement.

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